Warnung: der nachfolgende Text behandelt auch kulturelle und geschichtliche Aspekte Japans.
Der Ort, in dem ich in Japan zusammen mit meinem Kommilitonen JP, der mit mir 12 Monate in Japan studiert, wohnen werde, heißt Koshigaya (越谷) und hat laut japanischen Wikipedia-Eintrag ungefähr 320.000 Einwohner, erstreckt sich über ein Gebiet von 60km² und liegt ca. 30km nord-östlich von Tokio in der Saitama-Prefektur. Dies kann man anhand der folgenden zwei Karten schön sehen. Die erste Grafik habe ich aus dem deutschen Wikipedia-Artikel zu Koshigaya und die die zweite habe ich von der offiziellen englischen Homepage von Koshigaya geliehen.


In dem deutschen Wikipedia-Eintrag steht zu Koshigaya folgendes:
Koshigaya (jap. 越谷市, -shi) ist eine japanische Stadt in der Präfektur Saitama am Ufer des Flusses Motoara.
Koshigaya wurde am 3. November 1958 gegründet und liegt ca. 30 km von Tokio entfernt. Die Stadt ist berühmt für die Herstellung von Daruma, einem Glücksbringer aus Pappmaché.
Koshigaya ist Standort der Bunkyo-Universität und unterhält eine Städtepartnerschaft mit Campbelltown in New South Wales, Australien.
Die englische Wikipedia weiß ein bisschen mehr:
Koshigaya (越谷市 Koshigaya-shi) is a city located in Saitama, Japan.
As of 2003, the city has an estimated population of 314,021 and the density of 5,206.78 persons per km². The total area is 60.31 km².
The city was founded on November 3, 1958. Koshigaya is situated about 30km from Tokyo, along the banks of the Motoarakawa River. It is famous for producing daruma. Bunkyo University is located in Koshigaya. Koshigaya has a sister city relationship with Campbelltown, New South Wales, Australia.
The city bird is the shirakobato, or small white pigeon, a bird which is peculiar to the Koshigaya area. The city flower is the kiku, or chrysanthemum.
In der Grafik oben auf meiner Seite kann man übrigens die zwei Symbole der Stadt sowie das Symbol Saitamas erkennen, wenn man genau hinsieht.
Unter der offiziellen Homepage der Stadt http://www.city.koshigaya.saitama.jp/ kann man sich schon mal ein Bild machen von dem, was einen so erwartet. Und es gibt sogar Informationen auf Englisch für diejenigen, die kein Japanisch verstehen.
Zu dem Glückbringer aus Pappmaché, der oben erwähnt wird, gibt es auch noch ein paar Informationen auf den englischen Seiten der Stadt.
Daruma
Daruma are thought to originate from the middle part of the Edo Period (1603 - 1867) when the figure of Bodhidharma, who is the founder of Zen Buddhism in China, was painted onto a small, self-righting doll called an Okiagari-Koboshi. Bodhidharma is known as Daruma-Taishi in Japanese, so these dolls came to be called daruma. Daruma made in Koshigaya are called Koshigaya-Daruma, and have long been loved as charms for protecting children from smallpox, warding off evil, and wishing for good luck and prosperous business. Each year, around 500,000 daruma are produced in Koshigaya and neighboring cities, and are sold as Koshigaya-Daruma at the Kawasaki Daishi Shrine in Kanagawa Prefecture, the Shibamata Taishakuten Temple in Tokyo, various locations in the Kanto Area (the Tokyo Metropolitan Area and Kanagawa, Chiba, Saitama, Gunma and Tochigi Prefectures), and as far away as Hokkaido and Kyushu. In 1984, the making of Koshigaya-Daruma was designated as a traditional handcraft by the Saitama Prefectural Government.
Die Edo-Zeit (1603 - 1867) (江戸時代 edo jidai), Teil der Feudalzeit Japans, ist übrigens mit eine der interessantesten Zeiten Japans, geschichtlich gesehen, finde ich. Vor allem der Beginn und der Ende dieser Zeit sind sehr blutig und heiß umkämpft. Zu Beginn stehen die drei Reichseiniger (mit die drei wichtigsten Namen der Geschichte Japans [neben denen der Tennos und der mythischen Gestalten versteht sich]) Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und schließlich Tokugawa Ieyasu im Mittelpunkt, die in grausamen und erbitterten Schlachten über mehrere Jahrzehnte hinweg Japan vereinen um es dann schließlich von der Außenwelt abzuschließen (鎖国 sakoku, wörtlich: Land in Ketten). Während der Edo-Zeit war es Ausländern verboten ins Land einzureisen und Japanern war es verboten ins Ausland zu gehen, nur auf der kleinen künstlich angelegten Insel Dejima vor Nagasaki war es einigen Holländern und Chinesen erlaubt Handel zu treiben. Zum Ende der Edo-Zeit sind es dann, neben den zunehmenden inneren Unruhen, vor allem die westlichen Mächte, die Japan dazu zwingen sich zu öffnen und zu sich zu reformieren, was ebenfalls nicht ganz blutlos über die Bühne geht (Stichwort u. a. die schwarzen Schiffe, Meiji-Restauration). Viele japanischen Medien, u. a. Animes, Mangas als auch Doramas (besondere Formen bzw. Arten von TV-Serien mit echten Schauspielern in Japan), aber auch in westlichen Medien wird diese Epoche gerne als Hintergrund für Geschichten und Verfilmungen genutzt. Am populärsten dürften hier für westliche Medien James Clavells Roman “Shogun” und dessen geniale Verfilmung sein sowie für japanische Medien die Anime/Manga-Serien von Samurai Champloo, Ninja Scroll oder aber (mein persönlicher All-Time-Favourite für dieses Genre) Rurouni Kenshin (auch bekannt als Samurai X). (Dies ist eine subjektive Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt!)
Aber mal wieder zurück zum eigentlichen Thema, über die Geschichte Japans sowie die Populärkultur des Landes (wissenschaftliches Gequatsche für Mangas, Animes, Doramas, Pop-Idols, etc.pp.) werde ich zum gegebenen Zeitpunkt nochmals ausführlicher etwas schreiben. Hier jetzt also ein Bild der Kirschblüte (さくら - sakura) in Koshigaya, welche so Ende März/Anfang April sein soll laut meinen Informanten.

Die Kirschblüte anschauen bzw. Kirschblütenschau, in Japan O-Hanami (お花見) genannt, ist das jährliche Großbesäufnis in ganz Japan. Quasi eine einzige Party. Kirschblüte in Japan ist ein einziges Volksfest, das sich über einen längeren Zeitraum hinzieht und auch “wandert”, d. h. die Kirsche blüht nicht überall in Japan zur gleichen Zeit, sondern zeitversetzt im ganzen Land, was an der geographischen Lage und dem Format Japans liegt. Von Mitte Februar bis Ende März/Anfang April laut deutscher Wikipedia bzw. laut englischer von Ende März bis Anfang Mai zieht sich dieses Spektakel durch das Land.
Diese Jahrhunderte alte Tradition (wahrscheinlich schon seit der Nara Periode [710–784]) des jährlichen Blüte betrachten (direkte Übersetzung von 花見) geht sogar soweit, dass vom japanischen Wetteramt eine Vorhersage über die voraussichtliche Kirschblüte ausgegeben wird.
The blossom forecast (桜前線, sakurazensen?, lit. cherry blossom front) is announced each year by the weather bureau, and is watched carefully by those planning hanami as the blossoms only last a week or two.
Hanami - Wikipedia
Nochmal zusammengefasst: Es wird sich zum entspanntem Picknick unter blühenden Kirschbäumen getroffen und es wird gesoffen was der Sake (und das jeweils lokale Bier) so hergibt: 花見酒. Für die Nicht-Japanologen/Nicht-Japaner: 酒 ist das Zeichen für Alkohol.
Da JP und ich erst am 1. April dort ankommen, könnte es evtl. schon zu spät (oder gerade rechtzeitig, man weiß es nicht genau) sein für die Feierei. Aber trotzdem bin ich schon echt gespannt, wie die Stadt und die Leute da so drauf sind. Und bei nur 30km Entfernung zu Tokio kann man die Wochenenden auch gut mal für Tagesreisen zur Hauptstadt Japans nutzen.