Freitag, der 25. April 2008
Vorweg: ein ereignisreicher Tag, auf den ein ebenso ereignisreicher und anstrengender zweiter Tag folgte. Aber der Reihe nach.
Uni
Der Englisch bei Mr. Graham war ereignislos. Danach der 書道 (Kalligraphie) Kurs hingegen war sehr interessant. Die Dozentin meinte zwar zum Schluss der Stunde, ich wäre richtig gut geworden im Verlauf der 90 Minuten, aber ich denke, dass soll mich nur motivieren wollte weiter im Kurs zu bleiben. Meine Pinselführung war wirklich unterste Schublade und die Dozentin musste mich mehrfach korrigieren. Und das ständige wiederholte Schreiben von 一 (1) bzw. 三 (3) hat mich auch nicht wirklich weiter gebracht. Ok, verglichen mit meinem aller ersten Versuch zu Beginn der Stunde waren meine 1 bzw. 3 zum Schluss schon wesentlich besser. Dafür war ich aber auch vollgeschmirrt bis oben hin. Die jap. Studis konnten das alle ohne sich zu bekleckern. Naja, was solls. Nächste Woche halt nochmal versuchen.
Die Japanisch Stunden am Nachmittag waren jetzt nicht weiter erwähnenswert, weil es größtenteils Wiederholung war. Aber das Tempo blieb erfreulich hoch, mal sehen, wann ich anfange darunter zu leiden. Vermutlich dauert das nicht mehr lange. Der erste Grammatik/Kanji-Test ist nämlich auch schon nächste Woche Mittwoch.
Freizeit
Gegen 16:30 Uhr war dann Schluss mit Unterricht und der spaßige Teil des Tages sollte beginnen. Robert, ein alter Freund aus Abi-Tagen, hatte sich angekündigt bzw. wollte sich mit mir Treffen. Er macht zur Zeit eine Rundreise durch Japan in einer Touristen-Gruppe, aber bevor das offiziell losgehen sollte, hatte er noch einen Abend und einen Tag Zeit und wollte sich mit mir Treffen. Und da ich ihn seit dem Abi nicht mehr gesehen hatte, habe ich natürlich zugesagt. Als Treffpunkt hatten wir vorher Akihabara ausgemacht, direkt vor dem Eingang des Yodobashikamera Akiba-Mise Elektrogeschäfts. Und dank meines roten Bandanas konnte er mich auch direkt ausfindig machen aus der Menge der schwarzen Anzugträger.
Ich war allerdings schon 1 1/2 Stunden vor dem eigentlichen verabredeten Zeitpunkt angekommen und bin noch so ein bisschen durch Akiba gegangen und habe mal dieses oder jenes Geschäft hineingeschnuppert. Hintergedanke war: vielleicht findest du ja irgendwo gebrauchte 電子辞書 (elektr. Wörterbücher). Habe leider nur welche mit Chinesisch gesehen. Tja, ein anderes Mal vielleicht. Dafür habe ich umso mehr kleine Figuren-Läden gefunden. Und Soft-Air- sowie Paint-Ball-Waffen. Und unglaublich viele Elektronik-Läden natürlich. DVD-Shops, Sex-Shops, Musik-Shops, alles mögliche. Ich habe ein paar Bilder von div. Dingen gemacht, die werden bei Gelegenheit natürlich nachgereicht.
Pünktlich zur verabredeten Zeit war ich dann wieder vor dem abgemachten Elektrogeschäft und nachdem ich zehn, fünfzehn Meter vom Eingang wegführende Passage entlanggegangen war begrüßte mich auch schon ein lange nicht mehr gesehenes Gesicht aus der vorbeiströmenden Menge. Nach der ersten kurzen Begrüßung entschieden wir uns auch direkt mal was zu Essen zu organisieren und da Robert kein großer Freund von Fisch ist schlug ich ein Curry-Restaurant vor. Um genau zu sein eins aus der Curry House-Kette, welches mir ja schon bekannt war. Ich war mir sicher gewesen, auf meiner kleinen Erkundungstour vorher eine Filiale von denen gesehen zu haben, nur leider hatte ich die genaue Position vergessen. Daher liefen wir erstmal 10 Minuten orientierungslos umher und unterhielten uns. Irgendwann fiel es mir dann auf der anderen Straßenseite auf und wir wechselten durch die U-Bahn-Unterführung hindurch auf die Seite mit unserem Essen.
Im Restaurant selbst wurden wir dann auf Englisch begrüßt vom Kellner. Ich korrigierte ihn daraufhin, dass er mit mir auch jap. Reden könne, ich würde ihn verstehen, und nach einer kurzen Entschuldigung von ihm erklärte er dann freudestrahlend - nun auf japanisch versteht sich -, dass wir uns an die Theke setzen können und er uns die Karte holen würde. Natürlich habe ich Rob auch auf die verschiedenen Schärfestufen hingewiesen und eigentlich wollte ich Stufe 3 austesten, habe das dann aber bei der Bestellung, weil Rob und ich halt viel zu erzählen hatten, völlig vergessen. Naja, dann halt nächstes Mal.
Nach dem Essen sind wir ein bisschen in Akihabara herumgestromert und haben uns dies und das erzählt. Natürlich habe ich versucht alles mögliche an typisch japanischen Eigenarten, die uns bzw. Rob so auffielen bzw. aufgefallen waren, zu erklären, soweit ich das konnte. Irgendwann haben wir uns dann dazu entschlossen doch mal eine Kneipe anzusteuern und, ihr werdet es schon erraten haben, es war natürlich eine 笑笑(わらわら) - warawara - Kneipe. Das Kanji 笑 bedeutet übrigens soviel wie “lachen, Gelächter”. Dort wurden wir dann freundlich drauf hingewiesen, dass die max. Aufenthaltsdauer 2 Stunden beträgt. Wir blieben also 3 Stunden. Und wurden dann, nachdem man uns nach 2 Stunden schon freundlich mitteilte “Letzte Bestellung bitte.” hinaus komplementiert. Rausgeworfen ist das bessere Wort, denn die Kellner waren hier doch etwas rauer im Umgangston als im warawara direkt bei mir um die Ecke. 7000 Yen. Stolze Bilanz, aber da ging an dem Abend noch mehr.
Zwischendurch bekam ich übrigens Mails auf mein Handy von einer mysteriösen Absenderin mit der aussagekräftigen Mail-Anschrift hot-midori@….. Ich habe ihr dann im Verlaufe von Robs und meiner nächtigen Kneipentour noch mehrere Bilder und nicht ganz jugendfreie Emails zugeschickt. Ich denke, das war einer der Gründe, warum ich am folgenden Montag einen neuen Spitznamen bekommen sollte.
Ohja, während Rob und ich so in der Kneipe erzählten und erzählten viel mir irgendwann auf “Oh fuck, 23:53 Uhr. Den letzten Zug kriegst du nie, mal davon abgesehen, dass ich auch noch hätte umsteigen müssen.” Tja, da half also nur eins, auf zu Rob’s Hotel in Ueno bzw. direkt neben einem der Ueno-Parks. Wir sind von Akihabara zu Fuß dahin und haben uns unterwegs in einem der Konbinis mit neuen Getränken versorgt, denn leider, leider hatten die Bier-Automaten, die am Wegesrand so rumstanden, schon Sperrstunde. Nach 23 Uhr geht da nichts mehr. Verdammt nochmal.
Unterwegs haben wir übrigens mehrere Obdachlose in ihren Kartons gesehen, die im und um den Ueno-Park ihr Lager aufgeschlagen hatten. Gegen 0:30 oder so kamen wir dann am Hotel an und sind direkt mal kurz auf’s Zimmer gefahren, ein bisschen ausruhen. Direkt danach ging’s aber schon wieder raus in die Nacht, die nächste Kneipe wartete.
Und was soll ich sagen, direkt neben dem Hotel, keine 3 Minuten zu Fuß, war dann das nächste わらわらwarawara. Nichts wie rein. Öffnungszeiten bei warawara sind schließlich von 22 bis 29 Uhr (ja, so schreibt man das hier auch gerne mal, ich übersetze es aber mal kurz für die Mathematiklegasteniker unter euch: 22 Uhr bis - 5 Uhr). Und was soll ich sagen, wir hatten gerade die erste Runde bestellt, da bemerke ich hinter uns drei Mädels, die kichernd dauernd zu uns rüber schauten. Ich habe das dann mal als Aufforderung zum spontanen get together ausgelegt und so setzen wir uns halt zu den drei Mädels.
Natürlich kamen wieder die üblichen Fragen nach Herkunft, Alter, sexuelle Vorlieben, Analerfahrung und Intimpiercings, wovon Robert aber gar nichts mitkriegte, weil sich seine Japanisch-Kenntnisse auf “wakarimasen”, “arigato”, “hai”, “iie” und “hajimemashite, roberuto to moshimasu” beschränkten. Dafür hatten die Mädels und ich umso mehr Spaß beim Extreme-Flirting oder wie immer man das nennen möchte. Um 4:30 Uhr oder so sind wir dann gegangen, aber wer jetzt genau wie viel bei der Rechnung bezahlt hat, dass weiß ich nicht mehr. Kommt mir irgendwie bekannt vor, die Situation.
Und wie wir ins Hotel zurückgekommen sind, weiß ich auch nicht mehr. Ich war nur froh, dass ich noch alle meine Sachen und Wertgegenstände bei mir hatte als ich am nächsten Morgen gegen 10 Uhr oder so wach geworden bin.
Teil 2 “Der Tag danach” folgt demnächst, muss jetzt erst lernen. Morgen ist ein Grammatik/Kanji-Test.