Alltag, er hat mich wieder
Geschrieben am 26. Mai 2008 in Japan, Nightlife, 大学, 女たらし, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar
Woche vom Sonntag, 18. Mai, bis Montag 26. Mai 2008
Da hier so langsam aber sicher der Alltag eingekehrt ist, gibt es auch nicht mehr ganz so viel zu berichten. Daher werde ich absofort eher Wochenzusammenfassungen veröffentlichen als jeden Tag einzeln zu beschreiben. Ausnahmen nicht ausgeschlossen.
Zum Wetter: es wird momentan langsam aber sicher wärmer, viel wärmer. Um kurz nach 9:30 Uhr schon >20°, gegen 11 Uhr 25° und am Mittag bzw. Nachmittag an die 30° ist schon anstrengend. Daher hält man sich eher in Gebäuden auf, weil die hier alle Klimaanlagen haben. Die draußen zwischendurch mal auftretenden, und durchaus starken, Winde erfrischen einen zwar kurz, aber angenehmer ist es wirklich in klimatisierten Gebäuden. Wobei Temperaturen an die 30° hier ja erst der Anfang vom Sommer sind. Da geht noch mehr, soweit ich gehört habe. Das ist übrigens so warm, dass mein Eis am Stil bereits anfängt zu schmelzen, wenn ich es nur aus dem Kühlschrank hole. Äh, ok, das “schmelzen” ist ja noch normal, aber die Geschwindigkeit mit der das hier passiert jedoch nicht - also im Vergleich zu Deutschland. (In der Küche haben wir keine Klimaanlage, deshalb ist es dort wärmer als in den anderen Räumen.)
Am Dienstag, dem 20. Mai 20008 war ich nicht beim Fußball, sondern bin früher nach Hause, weil ich Abends zum Yakitori-Restaurant wollte, in dem Hadi arbeitet. (Mal davon abgesehen hatte ich mir am Freitag vorher ne Zerrung geholt, die noch nicht wirklich besser geworden war.) Ich wusste, dass sie an dem Abend Schicht hatte, weil ich mich die Woche vorher beim Besuch dort bei ihren Kolleginnen nach ihren Arbeitzeiten erkundigt hatte. Sie war auch etwas überrascht, allerdings positiv (so schien es mir), als ich dann vorbei kam. Ich bin bis ca. 12 Uhr geblieben und während Hadis Pause haben wir uns zusammen etwas länger unterhalten und ich habe ihr meine Visitenkarte gegeben. Sie hat sich dann noch direkt nach Dienstschluß bei mir gemeldet per Handy-Mail. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
Mittwochs war ich dann nur zum Japanisch-Unterricht in der 2. Stunde, weil ich es mir mal erlaubt hatte meinen kleinen Kater auszuschlafen. Diesen langweiligen “Japaner-treffen-Ausländer-und-unterhalten-sich-über-Kulturunterschiede”-Unterricht in der 1. Stunde hatte ich mir dadurch erspart.
Überhaupt mal zum Unterricht: am meisten kotzt mich momentan der stinklangweilige 留学生生活 (Alltagsleben der Austauschstudenten) genannte Unterricht an. Wie der Name schon sagt, nehmen da nur die Austauschstudenten dran teil. Unterrichtet wird der ganze Scherz von Kondo-sensei, dem wohl ältesten, und daher meiner Meinung nach strengstens und zugleich langweiligsten, Dozenten hier in der Abteilung. Eine typische Stunde läuft wie folgt: Kondo fragt die jeweiligen Gruppenführer ob alle Gruppenmitglieder da sind. Da muss dann entsprechend verständlich und korrekt drauf geantwortet werden. Ich muss nicht extra erwähnen, dass schon das manchmal Schwierigkeiten bedeutet für diejenigen, die halt noch nicht so lange Japanisch studieren. Danach werden für alle Austauschstudenten wichtige Informationen, sofern vorhanden, oder uninteressante Texte vorgestellt, vorgetragen und erklärt. Dazwischen geht Kondo die Teilnehmerliste des Kurses durch und ruft immer mal wieder einzelne Namen auf, die dann die von ihm gestellte Frage zum Text (oder zur gerade erklärten Info) korrekt und vollständig beantworten sollen. Kann das jemand nicht, und das ist der Regelfall, dann wird halt direkt der nächste aufgerufen. Das Spiel geht so lange bis entweder jemand die korrekte Antwort gibt oder er keinen Bock mehr hat und die Frage selbst beantwortet. Nun, normalerweise wären die Fragen leicht zu beantworten für jemanden, der 1 Jahr oder länger Japanisch studiert hat. Allerdings nuschelt sich der gute oft so einen in seinen Bart, dass das die durchaus nicht gerade schweigsame Geräuschkulisse des Kurses ihn natürlich übertönt und man entweder die Frage nicht mitkriegt oder überhört, dass man aufgerufen wurde. Ehrlich, das ist doch kein Unterricht, dass idiotisch. Die verfickten Infos kann er mir auch so in mein Postfach legen, und falls ich Fragen haben sollte kann ich immer noch fragen. Aber so? Gott, es kotzt mich so an.
Dann haben wir da noch den restlichen Unterricht. Der Englisch-Unterricht wird auch in Zukunft auf max. Mittelstufen Niveau bleiben und ist daher eigentlich nur Zeitverschwendung. Im nächsten Semester werde ich diesen Kappes wahrscheinlich kicken, Credit Points brauch ich hier eh keine. Und der andere Japanisch Unterricht ist eigentlich nur bei Kobayashi-sensei (3A-Kurs) und Ota-sensei (5B-Kurs) wirklich interessant. Die Stunden bei den anderen, vor allem alten, Dozentinnen sind so dermaßen kotztlangweilig, das geht auf keine Kuhhaut. Wir machen Minna no Nihongo 2 - Hörverstehensübungen (wer’s genau wissen will: heute, 26. Mai, Lektion 30) … weißte Bescheid, Schätzelein, ne!?! Und Kanji-Unterricht? Bitte, warum? Die kann ich auch alleine lernen. Im Kurs jedes einzelne Kanji durchgehen und mir einmal zeigen lassen wie man das schreibt und wie die Lesungen sind muss ich jedenfalls nicht. Oder im Chor Vokabeln bzw. Texte vorlesen. Gott.Verdammte.Hühnerkacke. Naja, aber ich bin schon froh, dass ich nicht so einen Scheiß machen muss wie Timo an der Keiō. Der arme muss wohl seine ganzen Texte immer komplett auswendig lernen, damit er sie fehlerfrei vortragen oder hinschreiben kann.
Zurück zum lustigen Teil der Woche: Fußball am Freitag, den 23. Mai 2008. Mein Bein machte wieder mit, also konnte ich spielen. Ein typischer Fußballabend im Club läuft wie folgt ab: zunächst einmal ein großen Kreis formen, dann eine kleine Selbstvorstellungsrunde, gefolgt von einigen kleinen Dehn- und Streckübungen. Danach werden 2 Kreise geformt, einer weiblich und einer männlich. Dann wird durchgezählt, der Mittelwert gebildet, mit Pi potenziert und zum Schluß die 3. Ableitung nach Spaßfaktor gebildet. Kurz: es werden kleine Männer und Frauen-Teams (4-6 Leute pro Team) gebildet, wobei danach jedem Männer-Team ein Frauen-Team zugeordnet wird. Die so entstehenden Gruppen (8-12 Leute) machen dann wiederum so ca. 20-30 Minuten lang Aufwärmspielchen. Danach treten diese Mischteams gegeneinander in kleinen Fußballspielchen (Spielzeit zw. 4 und 8 Minuten pro Spiel) an. Dies geht so an die 40 oder 50 Minuten. Im Anschluß werden die Geschlechter wieder getrennt und die Mädels trainieren und spielen für sich, genauso wie die Männer. Und zack sind 3 Stunden um und man ist total im Arsch. Warum? Naja, besonders der letzte Teil schlaucht halt. In den gemischtgeschlechtlichen Spielen wird von den Männer kaum Gas gegeben, sondern es wird eher versucht zu zaubern - nicht, dass ich das könnte, ich bin eher der ‘die-axt-im-wald-haut-alles-um’-Spieler-Typ.
Nach dem Training ging’s mit Huan und Han-Solo zum nächst-besten Supermarkt und wir haben uns ein paar Bier gezogen. Keine Ahnung warum dass dann wieder so geendet ist, dass wir bei mir derbst einen gehoben haben, aber es war schon lustig. Han ist irgendwann stockbesoffen und total übermüdet geflüchtet (wohnt ja direkt über mir) und Huan ist keine 20 Minuten später total tot auf dem Klo eingepennt. Naja, nach Hause konnte der jedenfalls nicht mehr alleine, daher hatte ich ihm mal den Ersatzfuton rausgesucht. Am nächsten Morgen, Samstag, dem 24. Mai, ist er dann gegen kurz nach 10 Uhr nach Hause geradelt. Ich habe bis zum Abend nicht viel gemacht, hier und da ein paar Hausaufgaben erledigt, versucht Kanji zu lernen und ein paar Filme geguckt.
Abends war ich dann mit Naomi am Bahnhof verabredet. Sie hatte den ganzen Vormittag und Nachmittag mit ein paar anderen Studenten Geld für die Erdbeben-Opfer in China gesammelt. Dabei sollen so an die 120000 Yen zusammengekommen sein, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Respekt. Wir sind dann zu zweit in eins der Restaurants am Bahnhof gegangen und haben feinst diniert. War ein netter Abend, der nur dadurch gestört wurde, dass sie gegen kurz vor 23 Uhr von ihrer Mutter, die zufällig in der Nähe in einem Fitness-Studio Tennis gespielt hatte, abgeholt wurde.
Tags drauf, Sonntag, den 25. Mai 2008, war ich dann bei 談さん (Dan-san), einer jungen, süßen Chinesin mit ein paar anderen Chinesen zum Mittagessen eingeladen. Und zufälligerweise war auch noch der Geburtstag der anderen kleinen Chinesin Go-san, was ich aber nicht wusste, sonst hätte ich ihr ein Geschenk mitgebracht. Zu Essen gab es übrigens reichlich, und eigentlich war es auch ganz lecker, bis auf der Gurken-Paprika-Würstchen-Mix, der war eindeutig zu versalzen. Naja, aber einem geschenkten Gaul, …. Dan-san wohnt zusammen mit den meisten anderen Austauschchinesen in einem Little-China-Town - könnten man es wohl nennen, aber es gleicht eher einem Little-China-Hinterhof-Wohnhaus-Block - nahe der Uni. Und wie es der Zufall so will, kam kurz nach dem Essen auch noch Huan vorbei. Der musste sich dann auch gleich mal erkundigen warum ich mit zwei Mädels alleine abhänge (die anderen Chinesen waren schon wieder weg) und ob wir “es” gleich noch tun wollten. Natürlich nicht! … oder doch?
Naja, jedenfalls konnte wir zwei Kerle darüber ruhig auf Japanisch unterhalten, weil die Mädels gerade mal 6 Monate oder so Japanisch studiert haben und unserer Diskussion daher nicht so ganz folgen konnten.
Nachdem Huan dann wieder weg war, war ich auch nicht mehr lange da. Gegen kurz vor 16 Uhr bin ich nach Hause abgedampft, wo ich den Rest des Tages mit Lernen verbringen wollte, dann aber doch die runtergeladenen Filme angeguckt habe. Verdammt. Zwischendurch bekam ich allerdings noch eine Mail von Huan, ich sollte ja die Finger von Dan-san lassen, sonst würde er mich umbringen. Sie wäre sein Gerät und nicht meins!
Janeisklar, Atze! Nummer ziehen und anstellen würde ich mal sagen.
The Forbidden Kingdom: der neue Streifen mit Jet Li und Jackie Chan, solide gemachte american eastern action comedy :)! Sollte man auf jeden Fall gesehen haben. ![]()
Iron Man: nette Comic-Verfilmung.
Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay: Comedy mit ein paar netten Szenen, muss man aber nicht gesehen haben.
National Treasure: Book of Secrets: Nicolas Cage als Schatzjäger ala Indy. Ist ganz cool, aber Teil 1 war besser.
The Mist: Monsterhorrorfilm basierend einer Kurzgeschichte von Stephen King mit ganz netten Gore-Effekten
Stardust: toller Märchenfilm, mit Robert De Niro in einer richtig geilen Nebenrolle, als schwuchtelig-schwuler Luftschiff-Kapitän.
Sunshine: Sci-Fic Film ähnlich wie Event Horizon, aber schlechter. Viel schlechter. Muss man nicht gesehen haben.

