Ein Hitzetod bedingtes Update.
久しぶり - hisashiburi - oder auch - schön wieder ein funktionsfähigen PC zu haben. Warum dieses? Naja, kurz nach meinem letzten Eintrag hat der Notebook-Lüfter meines IBM ThinkPad T41p plötzlich keine Lust mehr auf die Affenhitze hier gehabt und ist laut-stinkend verstorben.
Naja, denkt sich jetzt der unbedarfte Japan-Nicht-Kenner, soll ja wohl kein Problem sein in einem Hochtechnologie-Land wie Japan, das weltweit mit führend bei Computer-Hardware & Software ist, mal eben `nen Ersatzlüfter zu organisieren. Einfach ins elektronische Herz des Landes, sprich Akihabara (”Elektronikmeile und Otakutreffpunkt der japanischen Hauptstadt Tokio” laut Wikipedia), und da wird sich sowas schon ganz schnell und billig finden lassen.
Tja, Pustekuchen. Satz mit X! Aber mal ganz trocken auf Kies gefurzt!
Ich war in gut 20 verschiedenen Läden - gross, klein, Gebrauchtwaren, Altteile, Schrott, Neuwaren - überall das gleiche Resultat, die gleiche Reaktion: Tut uns leid, haben wir nicht. Verkaufen wir nicht. Geht nur über IBM direkt. Blafaselmistschrottscheiss.
Ist natürlich Bullshit, dass das nur über IBM direkt geht, zumal IBM selbst seine Laptopsparte schon seit geraumer Zeit an lenovo abgeben hat. Außerdem wird der Lüfter von Toshiba hergestellt. HALLO? Toshiba! Japanische Firma?! HALLO, KLINGELTS???!!! Ok, also ersatzweise nach `nem neuen Laptop umgesehen. Und weil ich nicht zuviel ausgeben wollte, guckte ich mir als in div. Läden gebrauchte ThinkPads an - ich steh` halt auf IBM/lenovo und der Rest kann mir eigentlich gestohlen bleiben.
Und gebrauchte ThinkPads gibt`s hier wie Sand am Meer, auch gebrauchte T41p. Da ich mich aber verbessern wollte, was CPU & ggf. RAM/Festplatte/etc angeht, guckte ich nach etwas “neueren” Gebrauchten. Und tatsächlich fand ich da ein schickes, gerade mal 2 Jahre altes X60s für 80.000 Yen (umgerechnet etwas über 500 Ocken). Ich sah mich aber noch weiter um und fand in einem anderen Laden ein neues X61, natürlich mit besserer CPU und dickerer Platte, für 130.000 Yen (mehr als 800 Ocken). Ich ging dann noch zweimal hin und her und als ich dann zum 3. Mal den Laden mit dem X60s betrat, da war der Preis doch glatt um 10.000 Yen geschrumpft. WoW. Nur noch 440 Ocken. Geilo. Also direkt erstmal zugeschlagen. Als OS war übrigens turbolinux installiert, was ich aber durch Ubuntu 8.10 (ja, die aktuelle Developer Version) ersetzt habe.
Mit dem neuen Notebook ging`s dann nach Hause und dort wurde dann im Verlauf von mehreren Tagen div. Internetshops abgesucht nach einem Ersatz-Lüfter. Warum ich nicht einfach die Festplatte vom alten Gerät ins neue gesteckt habe? Die unterschiedlichen Anschlussarten verhinderten dies recht effektiv ((E)IDE vs SATA: geht also nicht). Ich hatte zwar dann noch in einem der PC-Schrottläden einen Notebook-CPU-Lüfter gefunden, nur leider war der auch inkompatible. Nach vielem Hin- und Hergesuche allerdings dann endlich die, scheinbare, Rettung: http://auctions.yahoo.co.jp/jp/ Aber hey, als normaler User, d. h. kein bezahlendes Mitglied, kann man nur bis zu 4.999 Yen mitbieten. Die Gebote für solche Lüfter starteten jedoch immer mit mind. 6.500 Yen. Super.
Allerdings kam mir Midori dann zur Hilfe, nachdem ich hier von meinem Hitzeleid berichtet hatte, und sie fand nach 2taegiger Suche doch tatsächlich einen Shop, der das Teil auch so vertickte. Also nichts wie bestellt (per Nachnahme) und zwei Tage gewartet. Und das schöne an der jap. Post bzw. den privaten Lieferdiensten hier ist, die rufen auch gerne mal vorher durch um zu klären, ob man auch wirklich zu Hause ist an dem Lieferzeitpunkt. Das lob` ich mir. Auch einen alternativen Termin festlegen geht ganz ohne Anstellerei. So wünscht man sich das auch in Deutschland von der DHL oder UPS. Aber da kann man auch gleich auf Weltfrieden hoffen - ist genauso realistisch.
Tja, auf diese kurzzeitige gute Nachricht folgte dann direkt die Ernüchterung, wie ich bereits berichtete. Der Lüfter tat zwar seinen Dienst, der Rechner schaltete sich aber trotzdem nach 10 bis 30 Sekunden wieder ab. Plan B musste her: Mobile 2,5″ Platte kaufen, Gehäuse aufschrauben, neue Platte raus, Notebook-Platte rein. Aber wo kauft man hier mobile Festplatten, wenn man nicht umgerechnet 6 bis 8 Euro für die Zugfahrt nach Akihabara raushauen will? Man radelt einfach zum örtlichen Kojima, einem Elektronik-Laden ala Media-Markt, unweit der Uni.
Gesagt, getan. Und um mal auf den Post-Titel zurückzukommen, es macht einen heiden Spaß hier bei 33 Grad, gefühlt 40, + 80%iger Luftfeuchtigkeit mit dem Rad 20 Minuten unterwegs zu sein. Denn wenn man ankommt, dann friert man sich im Gebäude erstmal die Haken ab. Warum? Klimaanlage mit gefühlten 18 Grad kommt völlig durchgeschwitzt doppelt gut. Da friert der Schweiß nämlich direkt mal fest. Also bin ich frierend und schwitzend durch Kojima gestiefelt und habe, während ich div. Stromverlängerungskabel, Werkzeuge und ne USB-Tastatur in den Händen hielt, mir die mobilen Festplatten angesehen. Und da passierte etwas, darauf kann man im Media-Markt oder Saturn vermutlich warten, bis der Weltfrieden in den Nachrichten verkündet wird: ein Mitarbeiter des Ladens kam mit einem Korb zu mir und fragte, ob ich das Zeug nicht lieber darein legen möchte. Klar, gerne, danke. Danach habe ich mir dann eine der Platten gekrallt und bin zur Kasse.
Und dort dann direkt die nächste kundenfreundliche Aktion: eine der Mitarbeiterinnen erkannte mich wieder, ich hatte damals bei Ihr den Vertrag fürs Internet ausgefüllt und abgefertigt, und sie sprach mich freundlich an. Wir unterhielten uns kurz, während ihre Kollegin versuchte meine Kreditkarte auf Gültigkeit zu prüfen, bevor sie dann verschwand und ein paar Augenblicke später mit einer eiskalten Teeflasche wieder, die sie mir mit den Worten “Ist schon ganz schön heiß heute. Hier, gegen den Durst.” überreichte (so Tee aus dem Automaten; ihr kennt das, falls nicht: ist wie ein Cola-Dosen-Automat, nur mit Tee, Kaffee, Wasser und gelegentlich auch Cola). Danach unterhielten wir uns noch kurz über das Wetter hier und in Deutschland und wo es heißer sei. Die Antwort von mir war ziemlich eindeutig. Dann kam auch schon ihre Kollegin wieder, wir konnten den Zahlungsvorgang abschließen und ich konnte endlich gehen. Allerdings nicht ohne vorher noch für mein besser gewordenes Japanisch gelobt worden zu sein und, leider, ohne meine Festplatte. Die war nicht mehr im Lager verfügbar und musste bestellt werden. 2 Tage später erhielt ich den Anruf, dass die Platte endlich da war, also holte ich sie prompt mal ab.
Tja, Ende vom Lied: Plan D musste her, weil das mit der Platte leider nicht hingehauen hatte. (E)IDE vs SATA again. Plan C war ja, mir ein gebrauchtes T41p zu holen und da die Platte einzubauen, aber vorher kam mir noch der rettende Gedanke “Festplattengehäuse 2,5″ (E)IDE mit USB-Anschluss” zu ergooglen und die auftauchenden Hersteller bzw. Modellnamen bei http://shopping.yahoo.co.jp zu suchen. Und zack wurde ich fündig und das 1.680 Yen teure USB-IDE-Harddisk-Kit war nur 2 Tage später in meinen Händen und es funktionierte auf Anhieb. Na endlich.
Zwischenzeitlich habe ich mir hier beim lokalen Mini-Department-Store Saty noch einen zweiten Tischlüfter gegönnt für nur 1000 Yen. Saty selbst vertickt die Dinger für 1800 Yen, aber in Saty gibt`s noch diesen beinahe 100-Yen-Shop, und der hatte dasselbe Modell für nur 1000 Yen. Und mit dem neuen und alten Schreibtischlüfter kühle ich jetzt hier meinen neuen Laptop. Zusätzlich habe ich mir ein Eispack gekauft, das nach 4h im Gefrierfach schön kalt ist, und das ich zur Zeit immer auf die Handflächenablage lege, unter der sich die Notebookplatte befindet. Warum? Naja, das Teil wird schweineheiss und ich habe keinen Bock nochmal diese ganze Tortur hier durchzumachen.
Achja, der ganze Vorgang zog sich halt über die letzten 2 Wochen so hin.
Und apropos Hitze: es ist hier so heiß, dass man einfach nur vom Rumstehen bzw. nackt(!) auf dem Bett liegen schwitzt. Daher habe ich mir jetzt angewöhnt meinen Standlüfter auf kleinster Stufe direkt neben mein Bett zu stellen, wenn ich schlafe/schlafen will. Andernfalls kann ich kaum einschlafen und wache grundsätzlich völlig durchgeschwitzt in einem nassen Bett auf, mit einem sehr starken Verlangen nach einem Eimer Wasser zwecks Durstlöschung. Ja klar, die Klimaanlage einschalten und die Nacht durchlaufen lassen, das wäre eine Alternative. Tja, nur a) ist das Teil lauter und verbraucht mehr Strom als der Standlüfter und b) war genau das der Ausgangspunkt für einen heftigen Streit zwischen den zwei vorherigen Bewohner, der dazu führte, dass zwei von uns unsere Zimmer tauschten. Und der Streitauslöser, derjenige der soviel Strom spart wie er eben nur kann, der auch gerne mal im Dunkeln kocht, Hauptsache er benutzt keinen Strom, ist mein neuer Mitbewohner. Aber darüber schreibe ich in einem der nächsten Postings.
So, und zum Abschluss das Bild des Tages. Und normalerweise steht da nicht 31 Grad, sondern 33 oder 34, und die fühlen sich dann entsprechend wie 39 oder 40+ Grad an. Und nur so als Hinweis: die Temperatur geht hier nachts auch nicht besonders runter, so wie man das aus Deutschland gewohnt ist. Das bleibt dann gerne auch nachts mal bei gefühlten 30 Grad. Dazu kommt noch, dass wir hier in Koshigaya in der Saitama-Präfektur in der heissesten Gegend sind, Okinawa mal ausgenommen. Klasse, oder?

Update: Nachtrag zur Hitze. Normalerweise mag ich es morgens heiss zu duschen. Ich habe mich aber angepasst und dusche hier lieber kalt. Wenn das denn funktionieren würde. Hier bin ich nämlich gezwungen lauwarm zu duschen, weil das Wasser, selbst auf der Einstellung “Kalt” lauwarm aus dem Hahn kommt. In der Küche übrigens genauso. Ich nehme an, dass man die Leitungen hier bis rauf in den 3. Stock halt einfach nicht abgekühlt bekommt, wenn man den Hahn nicht mind. 20 Minuten laufen lässt. Ausprobieren werde ich das nicht, kostet unnötig Moneten.