Absturz, Talfahrt, Weltuntergang, …

Geschrieben am 27. Oktober 2008 in Japan, ニュース, 写真, 日記 von Daniel || Keine Kommentare

Was mich gerade wirklich ankotzt ist folgendes:

euro - yen kurs stand am 27.10.2008

euro - yen kurs 1 woche; copyright@http://www.finanzen.net/devisen/euro-yen-kurs

euro - yen kurs 3 monate; copyright@http://www.finanzen.net/devisen/euro-yen-kurs

euro - yen kurs 1 jahr; copyright@http://www.finanzen.net/devisen/euro-yen-kurs

Das kann man auch gut hier sehen.

Und warum das ganze? Verstehe ich auch nicht!!! Aber es hat wohl mit Rückzahlungen oder so für sogenannte Carry Trades zu tun.

Bah. Schnauze voll vom Bankenmanagergesindel-Dreckspack.

Scheisse.

Update (28. Oktober): Der Doener hat das mal ganz gut erklärt mit dem Euro und Yen.

Beobachtungen

Geschrieben am 22. Oktober 2008 in Japan, Vorurteile, ビデオ, 写真, 暇な時, 見学 von Daniel || 1 Kommentar

April 2008 bis heute

Heute werde ich mal so meine allgemeinen Beobachtungen zum Besten geben, die mir im Verlaufe meines Aufenthalts hier so aufgefallen sind. Natürlich ist das keine vollständige Aufzählung und mir werden bestimmt noch einige Dinge ein- und auffallen, die ich bisher irgendwie verdrängt oder übersehen habe. Die Überschrift für diesen Artikel hätte übrigens auch “Auch in Japan gilt: ‘Es ist nicht alles Gold, was glänzt’ oder ‘Japaner sind auch nur Menschen’” lauten können. Na dann mal los. :-)

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Auch in Japan kacken Hunde auf die Straße. Allerdings entfernt der Hunde-Halter das in der Regel. In der Regel, also Ausnahmen inbegriffen.

Auch in Japan hupen Autofahrer gerne mal, wenn es brenzlig wird. Oder auch einfach nur, wenn es ihnen nicht schnell genug geht und sie es eilig haben.

Auch in Japan hat der Verkehr so seine Tücken.

Auch in Japan pissen Besoffene gerne mal ins nächst beste Gebüsch oder an den nächst besten Zaun/Baum/Auto/Blumenkasten. Gerne auch mal um 12 Uhr Mittags an einem Mittwoch, direkt vor dem Pachinko-Laden am Bahnhof.

Auch in Japan schlafen Stockbesoffene immer genau da, wo sie gerade umfallen, z. B. auf öffentlichen Klos, der Wiese am Fluss oder im Zug auf dem Weg nach Hause.

Auch in Japan schreien, kreischen und toben kleine Kinder Zeter und Mordio wenn es nicht nach ihnen geht und ihre Mami und Papi ihnen nicht das passende Spielzeug oder den Süßkram kaufen, den sie jetzt sofort haben wollen.

Auch in Japan gibt es Rush-Hours im Supermarkt, in denen sich lange Schlangen bilden. Allerdings schreit hier niemand “Hey, macht mal noch ne Kasse auf! Wozu werdet ihr hier eigentlich bezahlt, ihr faules Pack?!”. Und ja, in der Rush-Hour sind besonders häufig ältere Mitbürger anzutreffen, aber wen verwundert das?

Auch in Japan ist das TV-Niveau beklagenswert. (jap. TV-Guide, jap. TV-Werbespots und (natürlich :-) ) Robpongi - Japanese TV Online Videos)

Auch in Japan arbeiten Polizei und Feuerwehr (respektive Notärzte) rund um die Uhr (lies: alle zwei, drei Tage ist hier gegen Mitternacht, oder gerne auch mal um 1 oder 2 oder 3 Uhr Nachts ein Einsatz, bei dem die mit Sirenen und allem Piepapo durch die Nachbarschaft rasen).

Auch in Japan gehört es sich, dass im universitären Unterricht die Mobiltelefon abgestellt gehören. Oder zumindest in den Lautlos-Modus (マナーモード). Ansonsten passiert es, dass (Universitäts-!!!) Dozenten das Handy einsacken, wenn es im (Sprach-)Unterricht klingelt. Auch dann, wenn die Eigentümerin eine Mutter mit minderjährigen Kind (im Grundschulalter) und ggf. auf das mobile Telefonieren angewiesen ist. Genauso verhält es sich übrigens mit Bildern und Notizen, die man vor sich hin kritzelt, weil der Unterricht mal wieder scheiße langweilig ist. Ok, man könnte jetzt argumentieren, dass das gut ins Gesamtbild passt, da man hier als 28jähriger immer noch wie ein Jugendlicher in der Mittel- oder Oberstufe behandelt wird. *seufz*

Apropos Uni: auch in in Japan gibt es diese netten, aber todlangweiligen Vorlesungen, in denen man nur solange anwesend sein muss, bis der Zettel für die Anwesenheit rumgegangen ist. Unterschrift drauf und ab durch den Hinterausgang des Hörsaals in die Freiheit. (Pro-Tipp: die VL ist bei Nohara-sensei)

In Japan können (einige) LKWs, Busse, Krankenwagen und dergleichen sprechen. Die sagen zum Beispiel “Achtung, passen Sie bitte auf, ich bieg jetzt links (rechts) ab!” (oder so ähnlich).

In Japan spielt die Müllabfuhr eine lustige, erheiternde Melodie, wenn sie vorfährt um den Müll abzuholen.

In Japan wird der Müll nicht in Tonnen gesammelt und dann einmal alle X Wochen abgeholt wie in Deutschland, sondern hier wird der Müll in Plastiktüten (oder sonst wie) verpackt, in extra abgetrennte, meist mit Netz überspannten (manchmal auch mit Türen und Gittern versehenen) Abladeplätzen neben/vor den Häusern gesammelt und ein-, zweimal pro Woche abgeholt. Warum die Netze bzw. die Gitter und Türen? Damit Katzen und Krähen nicht an die Mülltüten gehen und diese auseinanderfetzen bei der Suche nach Futter. Btw: Krähen sind die Tauben Japans.

Und auch in Japan gibt es genug Leute, die ihren Müll einfach irgendwo in der Wallachhei oder am Straßenrand unbewacht abladen bzw. hinwerfen.

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Sonstiges

Ich habe hier gerade eine coole Erfindung entdeckt: eine Dose Sake für 150 Yen (180ml), die sich automatisch aufheizt, wenn man den Boden eindrückt. Und ich sage euch, die wird schweineheiß, die Dose. So heiß, dass man sie nicht länger als 3 Sekunden lang festhalten kann ohne sich die Finger zu verbrennen. Ziemlich cool. (Übrigens: warmer Sake ist meist kein allzu guter Sake - aka Aldi-Sake)

Apropos Euro:Yen-Kurs: Verdammte Hühnerkacke, wegen dieser verfickten Weltfinanzkrise ist der Kurs von 1:159 (irgendwann im Juli und August) auf 1:127 (momentan) runtergesackt. Das sind über 30 Yen Verlust pro Euro, oder auch 20% Wertverlust, und das ist schon heftig. Das hier einiges schief läuft, sieht man auch am Nikkei-Index (jap. Aktienindex), der hier in diesem Monat eine wilde Berg- und Talfahrt hinter sich hat und im Moment im Koma liegt. *seufz* Früher war halt alles besser. (Sogar ganze Länder sind nicht mehr sicher vor der Pleite :-( )

Letzter Satz zum Thema “Wechselkurs”: wer von euch Firefox als Webbrowser einsetzt, der sollte mal einen Blick auf das Addon Dcurrency werfen.

dcurrency firefox addon

Wirklich sehr nützlich, wenn man im Ausland unterwegs ist oder mit ausländischer Währung spekuliert.

Apropos Weltwirtschafts-/-finanzkrise: in Japan scheint, außer der Börse (siehe oben), das noch niemand mitbekommen zu haben. Warum? Weil die hier Bauen und Renovieren und Machen und Tun wie die Weltmeister! Die ziehen hier in der näheren Umgebung ein neuen Wohnhauskomplex nach dem anderen hoch und teeren die Straßen neu und sind auch sonst fleißig am Investieren in die Infrastruktur. Und überhaupt “Bauen”: das machen die hier fix wie nix - an einem Tag bereiten die da ganze Straßenabschnitte zum neu Asphaltiren vor und am nächsten Tag wird das mal eben ratz-fatz durchgezogen und fettich. Genauso mit den Wohnhäusern. Im Mai haben die am Fluß nahe der Uni gerade angefangen die Erde für ein Fundament zu ebenen. Nach einer Woche (max. 2) fingen die dann mit dem Fundament an und dann ging es Schlag auf Schlag. Das Haus steht seit ungefähr einem Monat, es müssen innen wohl nur noch ein paar Elektronik- und Gas-Wasser-Scheiße-Arbeiten gemacht werden. Im Prinzip könnte man da schon einziehen, wette ich. Und ja, auch hier in Japan gibt es sowas wie ein Richtfest (上棟式 じょうとうしき shoutoushiki: “Fest auf dem Gebäude/Dachfirst”) beim Häuserbau. Ich konnte das gerade noch miterleben, als ich Anfang August (oder Ende Juli?) nach der Uni an der Baustelle vorbei gekommen bin. Wie man sieht, dat geht ruck-zuck mit dem Bauen. Ob das an den lokalen Yakuza-Strukturen liegt oder ob hier die Bauherren einfach nur genug Schmiergeld bereitgestellt haben, weiß ich allerdings nicht.

Apropos Geld: In Japan gibt es keine Arbeitslosigkeit. Hier hat jeder einen Job. Zum Beispiel der Job als menschliche Straßenverkehrsregelungslichtmaschine (aka der Typ mit rotem Leuchtstab) den vorbeikommenden motorisierten und unmotorisierten Mitmenschen freundlich “den Weg zu winken” bzw. Verkehr zu regulieren. Das mag bei großen Baustellen an unübersichtlichen Verkehrsknotenpunkten wichtig und richtig sein, ist aber im kleinen Wohnviertel, wo morgens in der Rushhour gerade mal 3 Fahrräder vorbei kommen, irgendwie überflüssig. Dann wäre da noch der Job als Fahrradparkplatz-Aufseher, der die Fahrräder der Kunden oder Anwohner schon in Reih- und Glied anordnet, damit auch ja jeder Millimeter Platz genutzt wird. Auch schön: der Vor-dem-Pachinko-Laden-den-Bürgersteig-Sauberfegen-Mann. In einigen großen Kaufhäusern gibt’s sogar noch den Fahrstuhlbegleiter.

Und überhaupt: jeder Student hier macht arubaito, also neben dem Studium jobben. Dafür gibt es sogar ganze Kataloge, die man im Buch- und Zeitschriftenläden kaufen kann. Das kann man sich wie Stellenanzeigen in der Tageszeitung vorstellen, nur halt extra für Studenten und auf eine Stadt/Gegend (z. B. Sapporo oder Tokyo) begrenzt. Das wirklich Krasse ist, diese Dinger sind fast so dick wie die Gelben Seiten in Deutschland. Und kommen monatlich (oder sogar 2x monatlich?) neu raus. Die Firmen, vor allem Supermärkte, Kaufhäuser, Restaurants und Snackbars, sind hier wirklich auf diese studentischen Arbeitskräfte angewiesen. Ich behaupte: ohne die würde das System hier zusammenbrechen und das Ende der Welt wäre nahe - naja, zumindest für Japaner und deren Wirtschafts-/Gesellschaftssystem. Warum die keine Vollzeitkräfte einstellen? Vermutlich, weil das wie in Deutschland mit Hartz IV und den 1€-Jobs ist.

Und apropos Wirtschaft und Kaufhäuser (Tipp für Leute, die hier in Saitama/Koshigaya hinziehen oder Urlaub machen!): von Sengendai (/me Wohnsitz) nach Koshigaya (3 Stationen mit der Bahn) und von da zum neu errichteten Mall-Komplex Lake Town (ala Centro in Oberhausen) in nichtmal 30 Minuten (oder so). Über 500 Geschäfte warten auf euer Geld. Ich hab mir da ein paar neue Sportschuhe in meiner Größe gegönnt. :-)

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So, alle weiteren Auffälligkeiten folgen ein anderes Mal. Prost.

Oktoberfest

Geschrieben am 5. Oktober 2008 in Japan, Nightlife, Veranstaltung, Vorurteile, 女たらし, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar

Gestern, am Samstag, 04. Oktober 2008, war ich mit zwei Freunden in Yokohama verabredet bei traumhaften Herbstwetter.

Aber zunächst habe ich mir mit meiner weiblichen Begleitung China-Town angesehen. Und was soll ich sagen, es war richtig cool. Man kann es nicht gut mit Worten beschreiben, die ganzen chinesischen Restaurants, Straßen voller Menschen, die einem etwas verkaufen möchten, hier und da kleine und große Souvenir-Stände und -Geschäfte, Mode-BoutiquenLäden mit chinesischen Kleidern und Anzügen, aber vor allem viele Fressbuden auf den Straßen. Und natürlich ist der Panda als Symbol Chinas bzw. China-Towns hier allgegenwärtig (oder einfach nur weil es sich gut verkauft).

Danach sind wir durch den Yamashita-Park (山下公園), der direkt am Meer liegt, geschlendert. Hier haben wir uns die Vorstellung eines Straßenkünstlers angesehen, der durch seine wirklich bezaubernde und lustige Art eine Traube von gut 100 bis 120 Menschen (grob geschätzt) angelockt hatte. Er vollführte einige kleinere Zaubertricks und Dinge mit einem Sportgerät, dessen Namen ich nicht kenne. (Zwei Stäbe verbunden mit einem Seil, mit dem man so eine Rolle hin und her kreisen und werfen kann. Scheiß Erklärung, ich weiß. Wie heißt dieses Teil?) Danach jonglierte er noch mit Fackeln und ein Mann aus dem Publikum musste ihm auf Kommando eine davon zuwerfen. War ganz lustig. Der Höhepunkt der Vorstellung war dann aber der Abschluss. Auf einem (mind.) 2 Meter hohen Einrad jonglierte er nicht nur mit 3 Fackeln, nein er tauschte dann im Verlauf der Demonstration eine Fackel gegen einen Apfel und eine zweite gegen eine Machetee. Von dem Apfel bis er immer wieder was ab bis er kurz vor Ende das Abgebissene wieder ausspuckte und den restlichen Apfel mit der Machetee aufspießte. Sehr schöne Vorstellung und charmante Darstellung, die uns 500 Yen wert war. Er kniete sich nämlich am Ende mit einer Handtasche vor sich auf dem Boden und bat um eine kleine Spende, wenn es denn gefallen hatte. Natürlich, also haben wir gerne gespendet.

Nach dieser 20minutigen Unterbrechung ging es auch direkt weiter zum Platz, wo das Oktoberfest statt fand. Gegen 16 Uhr waren wir am Eingang, vor der sich eine kleine Schlange gebildet hatte (ja, richtig gelesen, klein bzw. kurz und es ging relativ zügig. Hatte ich nicht erwartet.). Der Eintritt zum Festplatz lag bei umgerechnet 1,33 Euro, was ja noch günstig ist. Was allerdings scheiße teuer war, war das Bier. Egal ob Weizen, Pils, Flensburger Dunkel oder eine Maß, die Preise lagen alle bei umgerechnet 8 bis 10 Euro. Und für die Gläser musste man, je nach Bier, auch noch einmal 1000 bis 2000 Yen Pfand hinlegen. Alles im allem ein teurer Spaß, aber hey, ich bin ja nicht nur hier um mich dumm und dämlich zu studieren, sondern auch um das Leben zu genießen.

Während wir also auf meine Studien-Freunde warteten, gönnten wir uns schon einmal das erste Weizen und beobachteten, nachdem wir endlich einen Sitzplatz ergattern konnten, die anderen Gäste. Es waren viele Amerikaner zu gegen, aber auch einige Deutsche und auch sonst war es sehr international, obwohl natürlich die Mehrheit der Gäste Japaner waren. Die Maus war übrigens auch zu gegen, mit einem extra Fan-Artikel-Stand. Mit halbstündiger Verspätung trafen dann mein deutscher Studien-Freund nebst japanischer Freundin ein, während meine Begleitung gerade Schlange stand für Bier-Nachschub. Nach kurzem Plausch und Begrüßung versuchte ich sie zu finden, um ihr tragen zu helfen, aber wegen der Menschenmasse war das naturgemäß eine Herausforderung. Natürlich ist das Oktoberfest hier bei weitem nicht so riesig wie in München, aber trotzdem war es schon einigermaßen schwierig sie zu lokalisieren. Als wir dann an der Kasse standen, gab es die erste Überraschung: eine Japanische Studentin, die mal für ein Auslandsjahr nach Düsseldorf gekommen war, stand an der Kasse und erkannte mich direkt wieder. Wir plauschten kurz auf Deutsch, was meine Begleitung ein wenig verärgerte, denn sie kann kein Deutsch und dachte, ich würde rumflirten, aber diese Befürchtung konnten wir schnell wieder ausräumen. Mit zwei Maß und einem kleinen Pils ging es dann zurück zu unseren Sitzplätzen und wir unterhielten uns mit unseren Freunden über Gott und die Welt, aber auch über Japan, Beziehungen und das Studium.

Überrascht hat mich übrigens, dass viele der Japaner, die hinter den Theken und Tresen neben und mit Deutschen arbeiteten, Deutsch sprechen oder zumindest verstehen konnte. Meine Bestellung von zwei Weißbier und zwei Bretzeln im perfekten Hochdeutsch konnte die mir unbekannte, aber durchaus sympathische-sexy japanische Studentin hinter dem Tresen ohne Probleme verstehen und ausführen. :-) Apropos Deutsche Bierzapfer: die Biermarke Spaten der gleichnamigen Brauerei war mir bis dahin nicht bekannt. Öfter mal was neues ist ja auch ganz nett, wobei deren Maß-Bier allerdings nicht der Burner ist. Da habe ich schon besseres (u. a. auch japanisches) Bier getrunken.

So gegen 19 Uhr kündigte sich dann ein weiterer Studien-Freund mit japanischer Freundin an, aber sie müssen unterwegs gekidnappt worden sein, denn sie tauchten bis Redaktionsschluß bzw. bis zum Ende des Abends, der bei PUNKT 21 Uhr lag, nicht auf. In der Zeit bis zum Ende haben wir uns allerdings noch gut vergnügt und amüsiert, mit Bratwürstchen und Sauerkraut sowie Brezeln und noch mehr Maß Bier. Auf der Programmbühne im großen Festzelt durften wir uns, während wir in der Schlange für den Bierstand einreihten und warteten, dann noch die Talbach Buam anhören und -sehen. Meine Begleitung war ganz begeistert, weil sie deutsche Trachtenmode und Lederhosen wohl bisher nur aus japanischen TV-Dokus oder Zeitschriften kannte. Ich fands allerdings, äh, gewöhnungsbedürftig. Bin halt Westfale und kein Bayer. Das war so gegen 19:30 Uhr, denke ich, und die ganzen sternhagelvollen Japaner sowie strunzbesoffenen Ausländer fingen an auf den Tischen zu tanzen und eine Polonaise kreuz und quer durchs Festzelt zu veranstalten. War so schon wirklich lustig anzusehen, wie so hackestramme Japaner plötzlich lautstark “Ein Prosit der Gemütlichkeit” versuchen mitzugröhlen. Noch geiler war allerdings der japanische Ordner, der draußen vor dem Festzelt versuchte die besoffenen Amis vom Auf-dem-Tischen-Tanzen abzuhalten. Er war zwar erfolgreich, aber besonders glücklich wirkte er nicht. Der gute war wohl überfordert mit dem Temperament der gaijin (japanisch für Ausländer) und ich denke, die Ordner waren so mit die einzigen, die richtig froh darüber waren, dass der ganze Spuk um Punkt 21 Uhr ein Ende hatte.

Das ist hier übrigens die Standardzeit für ein Fest-Ende. Um 21 Uhr gehen die Lichter und die Musik aus und alle gehen nach Hause. Natürlich wird vorher noch Aufgeräumt und Sauber gemacht, so weit wie möglich, aber 21 Uhr ist Schicht im Schacht. Da werden die Bürgersteige hoch geklappt. Da hängt auch der Papst sein Kettenhemd zurück in den Schrank. Ich bin mir noch nicht sicher, aber so ganz gut finde ich das nicht. Aber ändern wird sich das wohl kaum, Hauptgrund für das frühe Ende ist nämlich, dass die meisten Leute mit dem Zug nach Hause müssen und natürlich den letzten möglichen Zug gegen Mitternacht gerne vermeiden wollen. Warum? Schonmal versucht mehr Sardinen in eine Büchse zu stecken, als eigentlich vorgesehen. Das passiert durchaus regelmäßig beim letzten Zug (zugegeben, es hängt von der Strecke und Linie ab, aber im Groben und Ganzen stimmt es).

Das ganze geht noch bis zum 13. Oktober in Yokohama, aber auch in anderen Städten in Japan findet der lokale Ableger des urdeutschen (bzw. bayrischen) Bier-Festes statt.

Übrigens, als ich im August in Sapporo unterwegs war, da gabs auch ein Mini-Mini-Oktoberfestzelt, direkt unter dem Sapporo-Turm im Herz der Stadt. Das Weizen da war schon ordentlich, aber natürlich im falschen Glas serviert. Japaner haben halt nicht besonders viel Ahnung von den Details deutscher Bierkultur, aber sie lieben sie und geben sich alle Mühe, was sie doch irgendwie sympathisch macht. :-)

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