Japans Bubble-Economie erklärt

Geschrieben am 15. November 2008 in Hintergrund, Japan, ニュース von Daniel || Keine Kommentare

Fundstück der Woche:

Die weltweiten Investments der Japaner standen damals bei 350 Milliarden Dollar, einem Weltrekord noch vor Großbritannien. In der Hitparade der nach Bilanzsumme größten Banken weltweit fanden sich ausschließlich japanische Institute. Der Aktienmarkt in Tokio übertraf die Wall Street an Marktvolumen. Der Nikkei notierte bei 38 000 Yen - derzeit sind es rund 9 000 Yen. Allein die Telefongesellschaft NTT sollte mehr wert sein als alle 420 Papiere an der Deutschen Börse Frankfurt zusammen.

Japan: Welke Wirtschaft” von Finn Mayer-Kuckuk, erschienen im

So beginnt der wirklich lesenswerte Essay im Handelsblatt von Finn Mayer-Kuckuk, der versucht die Zusammenhänge und Hintergründe von Japans Bubble-Economie Ende der 1980er, Anfang der 1990er und der derzeitigen Weltfinanzkrise zu erläutern.

Hier ein paar weitere Zitate:

Kaum einer sah die Realität. Der ganze Zauber basierte auf einer Überbewertung von Immobilienwerten und der Annahme, dass es nur eine Richtung für Kursgrafiken gibt: nach oben. Genau wie jüngst in den USA.

Sowie:

Der Staat des Tennos ist heute mit 180 Prozent eines jährlichen Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Keiner weiß, wie das Land diesen Schuldenberg jemals wieder abtragen soll. Vielleicht geschieht ein Wunder, und die Wirtschaft des Landes wächst noch einmal für zehn Jahre am Stück mit mehr als fünf Prozent. Doch realistisch gesehen ist damit bei einer kinderlosen, schnell alternden Gesellschaft kaum zu rechnen. [...] Die Japaner üben derzeit schon den Aufstand gegen die Getränkeindustrie, weil grüner Tee in Flaschen aus dem Automaten zehn Cent teurer wird.

Prädikat: Informativ & Lesenswert.

Vokabeln üben ・単語を練習する

Geschrieben am 12. November 2008 in Japan, 写真, 日記, 暇な時 von Daniel || Keine Kommentare

本日 - heute

Ich habe gerade durch Zufall im Netz zwei Softwarelösungen zum Vokabeln trainieren gefunden. Dabei handelt es sich um echte Client-Software, die man runterlädt und installiert, und nicht um Web-Applikationen ala wadoku.de oder dict.leo.org.

Mnemosyne - Kanji ink. Lesung und Bedeutung
Anki - Vokabel aufgedeckt

Die beiden Programme arbeiten übrigens nach dem selben Grundprinzip, dem sogenannten SM-2 Algorithmus, welcher wiederum auf dem Prinzip der Spaced Repetition aufbaut.

Spaced repetition is a learning technique in which increasing intervals of time are used between subsequent reviews.

Quelle: Wikipedia

Ich bilde mir ein, dass mir der Kai schon mal was über dieses Lern-Prinzip erzählt hat, vor vielen, vielen Monden. Aber irgendwie muss ich das wohl verdrängt haben. :-(

Es geht um die Produkte Mnemosyne und Anki, wobei Anki eine neuere Entwicklung und Mnemosyne bereits ein alter Hase ist. Beide Programme sind frei erhältlich, d.h. können kostenlos runtergeladen und genutzt werden. Um genauer zu sein, sie sind sogar Open Source, dass heißt man kann sie aktiv verändern, erweitern und weiter entwickeln, sofern man entsprechende Programmierkenntnisse besitzt. Und sie lassen sich sowohl unter Linux, als auch MacOSX und MS Windows einsetzen - Python und Qt sei Dank.

Den Source Code für Anki kann man sich hier runterladen, entweder per Git oder als mit gzip verpackten tar-ball. Allerdings sollten man Python sprechen können, wenn man die Software erweitern oder verändern möchte.

Wie man an den Source Code für Mnemosyne kommt, kann man auf der Contributing Code To Mnemosyne - Seite des Projekts nachlesen. Python ist hier ebenfalls ein Muss, wenn man aktiv teilnehmen möchte.

Wer sich erst ein Bild machen möchte, dem seien die Screenshot-Pages der Programme ans Herz gelegt: Anki-Screenshots und Mnemosyne-Screenshots. Anki bietet sogar ein Einführungsvideo an, welches zeigt wie die Software funktioniert.

Für Anki findet man Vokabelpakete für diverse Sprachen (inkl. Japanisch, versteht sich) im Anki Wiki. Für Mnemosyne gibt es entsprechende Dateien in der Rubrik Cards and plugins.

Und apropos Plugins: beide Programme lassen sich durch PluginIns um diverse Funktionen erweitern. Wobei ich gestehen muss, ich habe mich mit diesem Feature noch nicht weiter beschäftigt.

Achja, den mobilen Leuten und Menschen ohne eigenen Rechner (hallo Malte ;-) ) sei übrigens Anki ans Herz gelegt, das kann nämlich laut FAQ auch auf einem USB-Stick mitgenommen werden! :-) Und wie es aussieht, kann man Anki auch auf einem iPhone/iPod touch benutzen. Windows Mobile und Zaurus werden ebenfalls unterstützt.

Noch ein nettes Feature von Anki ist übrigens, dass man damit auch Mnemosyne-Vokabel-Listen benutzen kann.

Leider kann ich Anki im Moment nicht wirklich nutzen, aber das Problem soll sich wohl bald in Luft auflösen.

Freie und offene Software ist schon was feines. :-)

PS: Wie kam ich überhaupt auf das Thema? Achja, ich recherchierte etwas bezüglich eines eigenen Projekts. Ich wollte nämlich auch auch so eine Vokabel-Lern-Software programmieren (mal wieder), aber das kann ich mir ja jetzt mehr oder weniger ersparen. Oder nicht? ;-)

Mein (nicht mehr ganz so) neuer Mitbewohner

Geschrieben am 10. November 2008 in Japan, Nightlife, Vorurteile, 写真, 日記, 暇な時 von Daniel || Keine Kommentare

Irgendwann im August bis jetzt

Seit August habe ich einen anderen Mitbewohner. Han-Solo bzw. Han Sanjei (gesprochen San-jay, wie in Jay und Silent Bob). Koreaner, genauer: Südkoreaner. Spricht perfekt Japanisch. Ist 23 oder 24 Jahre jung. Und sehr nett.

Wir haben hier schon oft zusammen gekocht, gespeist und - natürlich - einen oder zwei, oder auch mehr, gehoben. Alkohol versteht sich.

Nun, warum habe ich überhaupt einen neuen Mitbewohner bekommen? Oder besser gefragt: warum musste ich umziehen? Nunja, das ist etwas komplizierter und 100% eingeweiht in die Details bin ich auch nicht und eigentlich ist es mir auch scheißegal, aber es war wohl so, dass er mit dem Kiwi, mit der er vorher zusammen wohnte, überhaupt nicht klar kam bzw. der nicht mit ihm. Die haben sich wohl hauptsächlich wegen der Strom- und Wasserkosten voll in der Wolle gehabt. Und wegen des Kühlschranks.

Huh? What?

Naja, um es mal so zu sagen: Koreaner sind arm. Oder anders ausgedrückt: Lebenshaltungskosten in Korea sind um ein vielfaches niedrieger als hier in Japan. Das hat mir kürzlich auch Malte (Kommilitone) bestätigt, der für 10 Tage drüben war. Dort sind Lebensmittel und sonstige Kosten wirklich sehr, sehr viel günstiger als hier oder in Deutschland.

Und weil dem so ist, versuchte Han bei jeder Gelegenheit und überall Strom zu sparen. Nun hat aber William, der Kiwi, im (schweineheißen) Sommer dauernd die Klimaanlage genutzt, was natürlich Strom kostet. Warum ist das wichtig? Naja, weil die Stromrechnung 50/50 geteilt wird, egal wer wie viel verbraucht. Und das fand Han halt nicht ok, weil er seiner Meinung ja kaum Strom verbrauchte - er hat die Klimaanlage in seinem Raum nie benutzt. Das er auf der anderen Seite seinen Reiskocher, der übrigens nicht seiner war, den er aber trotzdem exklusiv genutzt hat, 24h / 7d die Woche laufen lies und im Kühlschrank 3/4 des nutzbaren Volumens mit Kimchi in Anspruch nahm, selbst gut zum Stromverbrauch beitrug, dass nahm er gar nicht zur Kenntnis. William aber schon und deswegen hatten sich die zwei gut in den Haaren.

Da gab’s wohl auch noch ein paar andere Sachen, welche das Verhältnis der beiden unüberbrückbar zerrüttete (u. a. habe ich aus 2. Hand erfahren, dass Han wohl Rassist ist und alle Nicht-Asiaten, besonders Westler, hasst und sie alle am liebsten aus Asien verbannen würde, wenn ich das richtig verstanden habe).

Anyway, irgendwann im Juli wurden wir dann alle einzeln “vernommen”, ob wir uns nicht vorstellen könnten den Mitbewohner (und damit das Zimmer bzw. Apartment) zu wechseln. William hatte diese Bitte mehrfach an die Office-Ladies herangetragen und sogar mit Auszug zu seiner Freundin, die in Japan wohnt und lebt, aber keine Japanerin ist, “gedroht”. Tja, und weil ich irgendwie der einzige andere war, der kein Problem mit einem Umzug in ein anderes Apartment (und somit neuen Mitbewohner) hatte, kam dann halt eins zum anderen und ich zog um zum “geizgen” Koreaner.

Aber, ich muss sagen, meine Situation hat sich mit dem Tausch nicht verschlechtert, eher verbessert, würde ich sagen. Natürlich mussten wir uns erstmal näher kennenlernen und ich denke, dass ist mir ganz gut gelungen. Koreaner sind ziemlich “bestechlich”. Hier mal ein Bier, da mal ein Abendessen zusammen, dort mal ne Familienpackung Klopapier & ‘ne Großpackung Waschmittel, schon ist die Welt in Ordnung.

Ich musste ihm am 2. Tag, nachdem ich eingezogen war, aber auch direkt erstmal sagen, dass das so mit dem Kimchi und dem Kühlschrank nicht geht. Also das er 3/4 des Teils für sich in Anspruch nimmt und ich kaum Platz habe. Danach war das Thema durch und seitdem haben wir keine Probleme mehr damit.

Seitdem kommen wir sehr gut miteinander aus, würde ich sagen. Natürlich gibt es auch ein paar Dinge, die mich an ihm stören, aber es ist jetzt nichts weltbewegendes. Zum Beispiel stampft er immer sehr laut durchs Apartment, egal zu welcher Uhrzeit; also auch um 1:00 Uhr Nachts, wenn er von seinem Teilzeitjob zurück kommt oder so und ich gerade eingeschlafen bin. Das nervt dann schon manchmal. Er lässt auch gerne mal die Klo-Tür beim Pinkel speerangelweit auf.

Das andere ist, dass er oft auch einfach mal mein Bier/Cocktails/Gemüse aus dem Kühlschrank für sich in Anspruch nimmt, aber das ist jetzt nicht so wild, weil er mir auch oft an anderen Tagen was anderes dafür anbietet. Wir haben hier auch schon oft für einander gekocht und oft fragt er mich auch einfach mal so, ob ich nen Tee möchte oder so. Ist also schon ganz nett, würde ich sagen. Und ich denke, ich konnte sein negatives Bild der Westler (siehe oben) etwas gerade rücken. Hoffe ich.

Gestern haben wir dann zusammen mit Midori, welche im Büro für Auslandsstudis mit den andere Office-Ladies arbeitet, schön lecker Salat und Hamburger gemacht. Das war ein richtiges Fressfest und hat ‘ne Menge Spaß bereitet. Zwei Wochen vorher hatten wir schon mal Pizza (inc. Teig) komplett selbst gemacht. Das kam auch sehr gut an. :-)

Hier noch ein paar Bilder von unserem Burger-Festival. Es waren übrigens noch so viele übrig, dass Han und ich heute morgen Burger zum Frühstück hatten und heute abend den Rest des Salats verdrückt haben. :-)

PS: der nach Pfirsich und Mango schmeckende chinesische Likör schmeckt übrigens ziemlich geil mit Milch zusammen gemixt on the rocks. Kommt echt lecker. In diesem Sinne: Prost! :-)

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Halloween? Schulfest!

Geschrieben am 2. November 2008 in Japan, Veranstaltung, Vorurteile, 写真, 大学, 日記, 暇な時, 見学 von Daniel || Keine Kommentare

Freitag, 31. Oktober 2008 - Halloween

So, an diesem Tag startet das Bunkyo-Uni-Fest. Alle Studenten haben sich mächtig ins Zeug gelegt um ihre Fressbuden ans Laufen zu kriegen. Für die Vorbereitung alleine haben die hier eine ganze Woche Unterrichtsfrei bekommen. Ja, richtig gelesen. Unterrichtsfrei. Alle. Außer wir. Wir Austauschstudis hatten natürlich weiter regulär Unterricht. Kann ja auch nicht angehen das alle anderen frei haben und wir auch. Wo kämen wir denn da hin?

Diese ganze Kirmes hier bestätigt nur mal wieder mein bisher gewonnenes Bild japanischer Universitäten: es sind Kindergärten für Spätpubertierende, die sich 4 Jahre lang die Eier schaukeln und am Ende einen Abschluss hinterher geworfen bekommen. es sind Bildungsstätten, an denen gerne mal die Bildung beiseite geschoben wird um sich vom arubaito oder bukatsu Streß des Vortages zu erholen beim entspannten Mittagsschläfchen während der Vorlesung. Überhaupt haben hier bukatsu, arubaito und besonders die Job-Suche (bei Studenten im letzten Jahr) Vorrang vor der Bildung. So zumindest mein Eindruck.

Anyway. Das ganze Fest war sehr nett aufgemacht und es war spaßig sich das mal so aus der Nähe anzusehen. Aber: wenn man zuvor schon mal auf einem “normalen” “Straßen-Matsuri” war, dann weiß man eigentlich schon wie das so ist. Der einzige Unterschied zu einem normalen matsuri ist, dass dieses hier auf dem Campus der Uni stattfindet und das es (unter der Woche) keinen Alkohol gibt. Der Rest ist gleich. Selbst Besucher aus der Umgebung kommen vorbei, um sich das Spektakel anzusehen.

Achja, ich muss nicht extra erwähnen, dass mir jeder und jede was zu essen oder zu trinken andrehen wollte und mich gebeten hat doch unbedingt bei ihrem Stand vorbeizukommen um da was zu kaufen, oder? Nach dem 10. Mal freundlich absagen hatte ich dann allerdings die Schnauze voll und habe nur noch gesagt “Später, später.” und mich taub gestellt. Gott, irgendwann nervt es halt nur noch, auch wenn die Mädels hier noch sexy sind und unglaublich attraktiv aussehen. :-(

Bild des Tages
Bild des Tages vom Uni-Fest, Halloween 2008

Das Fest geht übrigens noch bis Sonntag und ab Samstag verkaufen die hier auch Alkohol. Warum die das am Starttag (Freitag) noch nicht gemacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings gehe ich ganz stark davon aus, dass Logik dabei auch dieses Mal keine Rolle gespielt hat.

So, und hier noch ein paar Bilder, damit ihr einen kleinen Eindruck von dieser Kirmesdiesem daigaku-matsuri bekommt.

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