Hitzetod

Geschrieben am 7. August 2008 in Japan, アキバ, 日記, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar

Ein Hitzetod bedingtes Update.

久しぶり - hisashiburi - oder auch - schön wieder ein funktionsfähigen PC zu haben. Warum dieses? Naja, kurz nach meinem letzten Eintrag hat der Notebook-Lüfter meines IBM ThinkPad T41p plötzlich keine Lust mehr auf die Affenhitze hier gehabt und ist laut-stinkend verstorben.

Naja, denkt sich jetzt der unbedarfte Japan-Nicht-Kenner, soll ja wohl kein Problem sein in einem Hochtechnologie-Land wie Japan, das weltweit mit führend bei Computer-Hardware & Software ist, mal eben `nen Ersatzlüfter zu organisieren. Einfach ins elektronische Herz des Landes, sprich Akihabara (”Elektronikmeile und Otakutreffpunkt der japanischen Hauptstadt Tokio” laut Wikipedia), und da wird sich sowas schon ganz schnell und billig finden lassen.

Tja, Pustekuchen. Satz mit X! Aber mal ganz trocken auf Kies gefurzt!

Ich war in gut 20 verschiedenen Läden - gross, klein, Gebrauchtwaren, Altteile, Schrott, Neuwaren - überall das gleiche Resultat, die gleiche Reaktion: Tut uns leid, haben wir nicht. Verkaufen wir nicht. Geht nur über IBM direkt. Blafaselmistschrottscheiss.

Ist natürlich Bullshit, dass das nur über IBM direkt geht, zumal IBM selbst seine Laptopsparte schon seit geraumer Zeit an lenovo abgeben hat. Außerdem wird der Lüfter von Toshiba hergestellt. HALLO? Toshiba! Japanische Firma?! HALLO, KLINGELTS???!!! Ok, also ersatzweise nach `nem neuen Laptop umgesehen. Und weil ich nicht zuviel ausgeben wollte, guckte ich mir als in div. Läden gebrauchte ThinkPads an - ich steh` halt auf IBM/lenovo und der Rest kann mir eigentlich gestohlen bleiben.

Und gebrauchte ThinkPads gibt`s hier wie Sand am Meer, auch gebrauchte T41p. Da ich mich aber verbessern wollte, was CPU & ggf. RAM/Festplatte/etc angeht, guckte ich nach etwas “neueren” Gebrauchten. Und tatsächlich fand ich da ein schickes, gerade mal 2 Jahre altes X60s für 80.000 Yen (umgerechnet etwas über 500 Ocken). Ich sah mich aber noch weiter um und fand in einem anderen Laden ein neues X61, natürlich mit besserer CPU und dickerer Platte, für 130.000 Yen (mehr als 800 Ocken). Ich ging dann noch zweimal hin und her und als ich dann zum 3. Mal den Laden mit dem X60s betrat, da war der Preis doch glatt um 10.000 Yen geschrumpft. WoW. Nur noch 440 Ocken. Geilo. Also direkt erstmal zugeschlagen. Als OS war übrigens turbolinux installiert, was ich aber durch Ubuntu 8.10 (ja, die aktuelle Developer Version) ersetzt habe.

Mit dem neuen Notebook ging`s dann nach Hause und dort wurde dann im Verlauf von mehreren Tagen div. Internetshops abgesucht nach einem Ersatz-Lüfter. Warum ich nicht einfach die Festplatte vom alten Gerät ins neue gesteckt habe? Die unterschiedlichen Anschlussarten verhinderten dies recht effektiv ((E)IDE vs SATA: geht also nicht). Ich hatte zwar dann noch in einem der PC-Schrottläden einen Notebook-CPU-Lüfter gefunden, nur leider war der auch inkompatible. Nach vielem Hin- und Hergesuche allerdings dann endlich die, scheinbare, Rettung: http://auctions.yahoo.co.jp/jp/ Aber hey, als normaler User, d. h. kein bezahlendes Mitglied, kann man nur bis zu 4.999 Yen mitbieten. Die Gebote für solche Lüfter starteten jedoch immer mit mind. 6.500 Yen. Super.

Allerdings kam mir Midori dann zur Hilfe, nachdem ich hier von meinem Hitzeleid berichtet hatte, und sie fand nach 2taegiger Suche doch tatsächlich einen Shop, der das Teil auch so vertickte. Also nichts wie bestellt (per Nachnahme) und zwei Tage gewartet. Und das schöne an der jap. Post bzw. den privaten Lieferdiensten hier ist, die rufen auch gerne mal vorher durch um zu klären, ob man auch wirklich zu Hause ist an dem Lieferzeitpunkt. Das lob` ich mir. Auch einen alternativen Termin festlegen geht ganz ohne Anstellerei. So wünscht man sich das auch in Deutschland von der DHL oder UPS. Aber da kann man auch gleich auf Weltfrieden hoffen - ist genauso realistisch.

Tja, auf diese kurzzeitige gute Nachricht folgte dann direkt die Ernüchterung, wie ich bereits berichtete. Der Lüfter tat zwar seinen Dienst, der Rechner schaltete sich aber trotzdem nach 10 bis 30 Sekunden wieder ab. Plan B musste her: Mobile 2,5″ Platte kaufen, Gehäuse aufschrauben, neue Platte raus, Notebook-Platte rein. Aber wo kauft man hier mobile Festplatten, wenn man nicht umgerechnet 6 bis 8 Euro für die Zugfahrt nach Akihabara raushauen will? Man radelt einfach zum örtlichen Kojima, einem Elektronik-Laden ala Media-Markt, unweit der Uni.

Gesagt, getan. Und um mal auf den Post-Titel zurückzukommen, es macht einen heiden Spaß hier bei 33 Grad, gefühlt 40, + 80%iger Luftfeuchtigkeit mit dem Rad 20 Minuten unterwegs zu sein. Denn wenn man ankommt, dann friert man sich im Gebäude erstmal die Haken ab. Warum? Klimaanlage mit gefühlten 18 Grad kommt völlig durchgeschwitzt doppelt gut. Da friert der Schweiß nämlich direkt mal fest. Also bin ich frierend und schwitzend durch Kojima gestiefelt und habe, während ich div. Stromverlängerungskabel, Werkzeuge und ne USB-Tastatur in den Händen hielt, mir die mobilen Festplatten angesehen. Und da passierte etwas, darauf kann man im Media-Markt oder Saturn vermutlich warten, bis der Weltfrieden in den Nachrichten verkündet wird: ein Mitarbeiter des Ladens kam mit einem Korb zu mir und fragte, ob ich das Zeug nicht lieber darein legen möchte. Klar, gerne, danke. Danach habe ich mir dann eine der Platten gekrallt und bin zur Kasse.

Und dort dann direkt die nächste kundenfreundliche Aktion: eine der Mitarbeiterinnen erkannte mich wieder, ich hatte damals bei Ihr den Vertrag fürs Internet ausgefüllt und abgefertigt, und sie sprach mich freundlich an. Wir unterhielten uns kurz, während ihre Kollegin versuchte meine Kreditkarte auf Gültigkeit zu prüfen, bevor sie dann verschwand und ein paar Augenblicke später mit einer eiskalten Teeflasche wieder, die sie mir mit den Worten “Ist schon ganz schön heiß heute. Hier, gegen den Durst.” überreichte (so Tee aus dem Automaten; ihr kennt das, falls nicht: ist wie ein Cola-Dosen-Automat, nur mit Tee, Kaffee, Wasser und gelegentlich auch Cola). Danach unterhielten wir uns noch kurz über das Wetter hier und in Deutschland und wo es heißer sei. Die Antwort von mir war ziemlich eindeutig. Dann kam auch schon ihre Kollegin wieder, wir konnten den Zahlungsvorgang abschließen und ich konnte endlich gehen. Allerdings nicht ohne vorher noch für mein besser gewordenes Japanisch gelobt worden zu sein und, leider, ohne meine Festplatte. Die war nicht mehr im Lager verfügbar und musste bestellt werden. 2 Tage später erhielt ich den Anruf, dass die Platte endlich da war, also holte ich sie prompt mal ab.

Tja, Ende vom Lied: Plan D musste her, weil das mit der Platte leider nicht hingehauen hatte. (E)IDE vs SATA again. Plan C war ja, mir ein gebrauchtes T41p zu holen und da die Platte einzubauen, aber vorher kam mir noch der rettende Gedanke “Festplattengehäuse 2,5″ (E)IDE mit USB-Anschluss” zu ergooglen und die auftauchenden Hersteller bzw. Modellnamen bei http://shopping.yahoo.co.jp zu suchen. Und zack wurde ich fündig und das 1.680 Yen teure USB-IDE-Harddisk-Kit war nur 2 Tage später in meinen Händen und es funktionierte auf Anhieb. Na endlich.

Zwischenzeitlich habe ich mir hier beim lokalen Mini-Department-Store Saty noch einen zweiten Tischlüfter gegönnt für nur 1000 Yen. Saty selbst vertickt die Dinger für 1800 Yen, aber in Saty gibt`s noch diesen beinahe 100-Yen-Shop, und der hatte dasselbe Modell für nur 1000 Yen. Und mit dem neuen und alten Schreibtischlüfter kühle ich jetzt hier meinen neuen Laptop. Zusätzlich habe ich mir ein Eispack gekauft, das nach 4h im Gefrierfach schön kalt ist, und das ich zur Zeit immer auf die Handflächenablage lege, unter der sich die Notebookplatte befindet. Warum? Naja, das Teil wird schweineheiss und ich habe keinen Bock nochmal diese ganze Tortur hier durchzumachen.

Achja, der ganze Vorgang zog sich halt über die letzten 2 Wochen so hin.

Und apropos Hitze: es ist hier so heiß, dass man einfach nur vom Rumstehen bzw. nackt(!) auf dem Bett liegen schwitzt. Daher habe ich mir jetzt angewöhnt meinen Standlüfter auf kleinster Stufe direkt neben mein Bett zu stellen, wenn ich schlafe/schlafen will. Andernfalls kann ich kaum einschlafen und wache grundsätzlich völlig durchgeschwitzt in einem nassen Bett auf, mit einem sehr starken Verlangen nach einem Eimer Wasser zwecks Durstlöschung. Ja klar, die Klimaanlage einschalten und die Nacht durchlaufen lassen, das wäre eine Alternative. Tja, nur a) ist das Teil lauter und verbraucht mehr Strom als der Standlüfter und b) war genau das der Ausgangspunkt für einen heftigen Streit zwischen den zwei vorherigen Bewohner, der dazu führte, dass zwei von uns unsere Zimmer tauschten. Und der Streitauslöser, derjenige der soviel Strom spart wie er eben nur kann, der auch gerne mal im Dunkeln kocht, Hauptsache er benutzt keinen Strom, ist mein neuer Mitbewohner. Aber darüber schreibe ich in einem der nächsten Postings.

So, und zum Abschluss das Bild des Tages. Und normalerweise steht da nicht 31 Grad, sondern 33 oder 34, und die fühlen sich dann entsprechend wie 39 oder 40+ Grad an. Und nur so als Hinweis: die Temperatur geht hier nachts auch nicht besonders runter, so wie man das aus Deutschland gewohnt ist. Das bleibt dann gerne auch nachts mal bei gefühlten 30 Grad. Dazu kommt noch, dass wir hier in Koshigaya in der Saitama-Präfektur in der heissesten Gegend sind, Okinawa mal ausgenommen. Klasse, oder?

Update: Nachtrag zur Hitze. Normalerweise mag ich es morgens heiss zu duschen. Ich habe mich aber angepasst und dusche hier lieber kalt. Wenn das denn funktionieren würde. Hier bin ich nämlich gezwungen lauwarm zu duschen, weil das Wasser, selbst auf der Einstellung “Kalt” lauwarm aus dem Hahn kommt. In der Küche übrigens genauso. Ich nehme an, dass man die Leitungen hier bis rauf in den 3. Stock halt einfach nicht abgekühlt bekommt, wenn man den Hahn nicht mind. 20 Minuten laufen lässt. Ausprobieren werde ich das nicht, kostet unnötig Moneten.

Ueno, Asakusa, Akihabara

Geschrieben am 30. April 2008 in Japan, Nightlife, アキバ, 写真, 日記, 暇な時 von Daniel || Keine Kommentare

Der zweite Teil von Roberts und meiner Tour durch Tokyo.

Samstag, 26. April 2008

Nach dem anstrengenden Vorabend bzw. -nacht sind Rob und ich dann gegen kurz nach 11 Uhr von Ueno gen Asakusa aufgebrochen. Ich wollte Rob einmal den Sensō-ji (Tokyos ältester und bedeutendster buddisthischer Tempel) sowie den direkt daneben liegenden shintoistischen Schrein dort zeigen.

Ich bin wirklich froh gewesen, dass es zu so früher Stunde kaum Leute in die U-Bahn getrieben hatte, denn Robert hatte einen kleinen, wie soll ich sagen, “Unfall” kurz vor der Asakusa-Station. Ich meine, dass war so eine Gelegenheit, wo ich mir eine von den Millionen und Abermillionen Plastiktüten, die man hier bei jedem Einkauf hinterher geworfen bekommt, gewünscht habe. Egal, keiner hat’s gesehen und wir sind einfach mal vom Bahnhof aus gemütlich Richtung Tempel geschlendert.

Der Weg dorthin ist mit einer Einkaufsmeile versehen, in der alle 2, 3 bzw. 4 Meter ein anderes kleines Geschäftchen mit herumwuselnden Japanern den Weg säumt. Und natürlich hörte man überall das allseits bekannte “いらっしゃいませ”, (irasshaimase) was man laut Wadoku.de mit “Willkommen!; Herzlich Willkommen!” übersetzen kann. Das wird jedem Kunden zugerufen, der einen Laden betritt. Oft wird es von den Angestellten auch einfach nur so in die Luft gerufen, wenn sie gerade mit dem Rücken zum Kunden stehen, die Regale einräumen oder draußen vor der Tür Werbebroschüren verteilen.

Neben lauter Läden mit Kleinkram (wie z. B. Fächern, Essstäbchen, Andenken) gab’s natürlich auch welche, die T-Shirts, Handtaschen, Schuhen und ähnliches Zeug an den Mann bzw. die Frau versuchten zu bringen. Aber das tollste sind natürlich die ganzen Fressbuden überall gewesen. Jedenfalls strömten die diversen Düfte von geschmackvollen und frisch zubereiteten Leckereien auf uns ein. Mit dem Duft in der Nase sahen wir uns ein wenig in und um dem Tempel herum um. Und weil es um den Tempel und Schrein selbst herum auch nochmal jede Menge “Frittenbuden” bzw. Stände mit typisch japanischen Köstlichkeiten, wie zum Beispiel やきとり (yakitori) und そば (soba), gibt, ging einem der Duft nicht aus der Nase. Da musste ich jedenfalls nach einer Zeit mal zuschlagen, denn ich hatte riesen Kohldampf. Robert hingegen war bekannten Gründen nicht nach Essen zumute. :) Und, wie das nun mal so ist um Touristenattraktionen herum, war es leider viel zu teuer und hat auch nicht besonders gut geschmeckt und das obwohl ich yakitori und soba eigentlich gerne esse.

Nach dem ganzen Schrein- und Tempel-Trouble sind wir dann durch die immer mehr werdenden Touristen- und Ausländermassen zu Fuß Richtung Akihabara aufgebrochen. Es war eigentlich gar nicht unsere Absicht dahin zu Fuß zu gehen, sondern wir sind einfach so ziellos durch Asakusa Bummeln gegangen. Und während dieser Bummellei sind wir an einem weiteren, kleinen, Shinto-Schrein vorbeigekommen, bei dem gerade eine jährlich stattfindende Zeremonie abgehalten wurde. Dies erfuhr ich auf Nachfrage von einer der Passantinnen, die sich zusammen mit 3, 4 weiteren Leuten das Geschehen ansah. Die Zeremoniengesellschaft bestand hauptsächlich aus älteren Herren, die alle in traditionellen Kimonos gekleidet waren. Mit dabei war auch eine junge Dame (max. 30 Jahre, schätze ich), die ebenfalls zur Tempelgesellschaft gehörte. Und das wirklich tolle war, dass außer Rob und mir kein anderer Ausländer weit und breit zu sehen war, sondern nur ein paar japanische Touristen oder Bewohner der Gegend. Mit dabei war auch ein professioneller Fotograph, der das ganze Geschehen festhielt. Und als sich die Gruppe dann zum gemeinsamen Gruppenfoto aufstellte, habe ich mich einfach dreisterweise direkt neben den Profi geschlichen, ein kurzes “Sumimasen, shitzureishimasu.” (so ungefähr: “Sorry, ich bin unfreundlich”) gemurmelt und auch zwei, drei Bilder gemacht. (Werden nachgereicht)

Auf dem weiteren Weg haben wir dann noch einige interessante Geschäfte gesehen. Highlight war sicher die eine Straße, an der auf einer Strecke von - ungelogen - 250 bis 300 Metern alle 10, 20 Meter ein Laden war (auf beiden Straßenseiten), der historische, meist miniaturisierte Nachbauten von Samurai-Rüstungen und -Ausrüstungen verkaufte. Preise einer “einfachen” Samurai-Rüstung incl. Helm und Bogen gingen so bei 80.000 Yen los. Als wir dann in einem der etwas größeren und hoch luxuriös aussehenden Läden mal reingegangen sind, fanden wir dort doch tatsächlich eine fast lebensgroße Rüstung. Daneben stand aber kein Preis. Wohl aus guten Grund, denn die kleine Miniatur daneben (1:15 oder 1:20 im Maßstab, schätze ich mal) hat alleine schon 120.000 Yen oder so gekostet.

Daneben haben wir auf dem Weg ein paar große Anime-Charaktere gefunden, die vor einem Geschäft aufgestellt waren. Natürlich haben wir da ein paar Bilder gemacht und - wie gehabt - werden die natürlich bei Zeiten nachgereicht.

Nach 2 1/2 Stunden der so sind wir dann in Akihabara angekommen und ich habe Robert durch diverse Geschäfte geschleift. Natürlich auch die mit den Sammel-Figuren und Soft-Air bzw. Paintball-Waffen. Außerdem haben wir uns div. Elektrogeschäfte angesehen. Und was ist mir dabei aufgefallen? Ich hätte mein elektronisches Wörterbuch besser später kaufen sollen oder zumindest vorher besser recherchieren sollen. Warum? Es gibt hier auch elektr. Wörterbücher mit denen man TV empfangen kann. FERNSEHEN! FERNSEHEN auf einem elektronischen Wörterbuch!!!!!1111elf Geil. Sowas muss ich haben. Im Shosen-Book Tower hat Rob dann noch ein Buch mit dem Titel “Outrageous Japanese - Slang, Curses and Epithets” gefunden, welches ich mir natürlich sofort gekauft habe. :)

Naja, danach wollten wir uns etwas ausruhen, weil das ganze Bummeln doch wohl anstrengend war und die Übernächtigung und der Kater ihr übriges dazu taten. Und so suchten wir ein Cafe oder Imbiss oder sonstwas in der Richtung. Leider waren alle Läden ziemlich voll, bis Rob ein Cafe in einem 2. Stock (jap. Rechen-Art) auffiel. Nichts wie rein dachte ich, mir gar nicht mehr im klaren darüber, dass es in Japan ja auch, wie soll ich sagen, ganz besondere Cafes gibt. Die nennen sich dann meidokafe bzw. meidokissa (kissa ist kurz für kissaten, was normalerweise Cafe heißt). Was ist an diesen Cafes so besonders? Nun ja, die Bedienungen sind ausnahmlos hübsche, junge Mädels, die als Dienstmädchen gekleidet sind und einem sehr, sehr höflcih und zuvorkommend bedienen. Und das kostet entsprechend mehr. Ich war so froh, dass die Bedienung am Eingang dann direkt meinte, es tue ihr unendlich leid, aber das Cafe sei zur Zeit für die nächsten 3 Stunden komplett ausgebucht und ob wir nicht für später einen Platz reservieren wollten. Ich habe dankend abgelehnt und die Ausrede vorgeschoben, dass wir nachher zurück nach Osaka fahren müssten. So sind Rob und ich dann noch um ein sehr teures, aber sicher doch interessantes Erlebnis herumgekommen. Schlussendlich sind wir dann im McD untergekommen, weil wir keine Lust hatten weiter großartig rumzusuchen.

Nach einer Cola und einem Eis und ein bisschen Smalltalk haben wir uns dann draußen voneinander verabschiedet, weil Robert noch ein bisschen Schlaf bis zum Abend nachholen wollte. Da würde sich seine Reisegruppe am Hotel zusammentreffen und eine kleine Welcome-Party machen.

Nachdem sich Rob dann auf den Weg zum Hotel machte, ging ich nochmal für 3 Stunden oder so sinnfrei durch Akiba. Schlussendlich habe ich mir ein, zwei dieser Figuren zugelegt (leider habe ich nur eine einzige kleine Detektiv Conan-Figur gefunden), bin durch div. Porno-Shops (glaubt man nicht, dass die hier irgendwo unzensierte Filme haben, die sind alle verpixelt an den “wichtigen” Stellen, ganz zu schweige davon, dass man hier europäische oder amerikanische Werke vergebens sucht) gezogen und habe mit dem Gedanken gespielt mir die Soft-Air Uzi mit Schalldämpfer und allem für 25.000 Yen zuzulegen. Oder einen der Taser + Schlagring. Mal davon abgesehen werde ich mir, bei meinem nächsten Besuch in Akiba, ein paar Shirts mit lustigen japanischen Motiven bzw. Kanji drauf zulegen. Geek-Boy out.

Zu Hause angekommen konnte ich übrigens meine Füße wegschmeißen. :)

また「わらわら」居酒屋へ - und nochmal ins WaraWara

Geschrieben am 29. April 2008 in Japan, Nightlife, アキバ, 大学, 女たらし, 日記, 暇な時 von Daniel || 2 Kommentare

Freitag, der 25. April 2008

Vorweg: ein ereignisreicher Tag, auf den ein ebenso ereignisreicher und anstrengender zweiter Tag folgte. Aber der Reihe nach.

Uni

Der Englisch bei Mr. Graham war ereignislos. Danach der 書道 (Kalligraphie) Kurs hingegen war sehr interessant. Die Dozentin meinte zwar zum Schluss der Stunde, ich wäre richtig gut geworden im Verlauf der 90 Minuten, aber ich denke, dass soll mich nur motivieren wollte weiter im Kurs zu bleiben. Meine Pinselführung war wirklich unterste Schublade und die Dozentin musste mich mehrfach korrigieren. Und das ständige wiederholte Schreiben von 一 (1) bzw. 三 (3) hat mich auch nicht wirklich weiter gebracht. Ok, verglichen mit meinem aller ersten Versuch zu Beginn der Stunde waren meine 1 bzw. 3 zum Schluss schon wesentlich besser. Dafür war ich aber auch vollgeschmirrt bis oben hin. Die jap. Studis konnten das alle ohne sich zu bekleckern. Naja, was solls. Nächste Woche halt nochmal versuchen.

Die Japanisch Stunden am Nachmittag waren jetzt nicht weiter erwähnenswert, weil es größtenteils Wiederholung war. Aber das Tempo blieb erfreulich hoch, mal sehen, wann ich anfange darunter zu leiden. Vermutlich dauert das nicht mehr lange. Der erste Grammatik/Kanji-Test ist nämlich auch schon nächste Woche Mittwoch.

Freizeit

Gegen 16:30 Uhr war dann Schluss mit Unterricht und der spaßige Teil des Tages sollte beginnen. Robert, ein alter Freund aus Abi-Tagen, hatte sich angekündigt bzw. wollte sich mit mir Treffen. Er macht zur Zeit eine Rundreise durch Japan in einer Touristen-Gruppe, aber bevor das offiziell losgehen sollte, hatte er noch einen Abend und einen Tag Zeit und wollte sich mit mir Treffen. Und da ich ihn seit dem Abi nicht mehr gesehen hatte, habe ich natürlich zugesagt. Als Treffpunkt hatten wir vorher Akihabara ausgemacht, direkt vor dem Eingang des Yodobashikamera Akiba-Mise Elektrogeschäfts. Und dank meines roten Bandanas konnte er mich auch direkt ausfindig machen aus der Menge der schwarzen Anzugträger.

Ich war allerdings schon 1 1/2 Stunden vor dem eigentlichen verabredeten Zeitpunkt angekommen und bin noch so ein bisschen durch Akiba gegangen und habe mal dieses oder jenes Geschäft hineingeschnuppert. Hintergedanke war: vielleicht findest du ja irgendwo gebrauchte 電子辞書 (elektr. Wörterbücher). Habe leider nur welche mit Chinesisch gesehen. Tja, ein anderes Mal vielleicht. Dafür habe ich umso mehr kleine Figuren-Läden gefunden. Und Soft-Air- sowie Paint-Ball-Waffen. Und unglaublich viele Elektronik-Läden natürlich. DVD-Shops, Sex-Shops, Musik-Shops, alles mögliche. Ich habe ein paar Bilder von div. Dingen gemacht, die werden bei Gelegenheit natürlich nachgereicht.

Pünktlich zur verabredeten Zeit war ich dann wieder vor dem abgemachten Elektrogeschäft und nachdem ich zehn, fünfzehn Meter vom Eingang wegführende Passage entlanggegangen war begrüßte mich auch schon ein lange nicht mehr gesehenes Gesicht aus der vorbeiströmenden Menge. Nach der ersten kurzen Begrüßung entschieden wir uns auch direkt mal was zu Essen zu organisieren und da Robert kein großer Freund von Fisch ist schlug ich ein Curry-Restaurant vor. Um genau zu sein eins aus der Curry House-Kette, welches mir ja schon bekannt war. Ich war mir sicher gewesen, auf meiner kleinen Erkundungstour vorher eine Filiale von denen gesehen zu haben, nur leider hatte ich die genaue Position vergessen. Daher liefen wir erstmal 10 Minuten orientierungslos umher und unterhielten uns. Irgendwann fiel es mir dann auf der anderen Straßenseite auf und wir wechselten durch die U-Bahn-Unterführung hindurch auf die Seite mit unserem Essen.

Im Restaurant selbst wurden wir dann auf Englisch begrüßt vom Kellner. Ich korrigierte ihn daraufhin, dass er mit mir auch jap. Reden könne, ich würde ihn verstehen, und nach einer kurzen Entschuldigung von ihm erklärte er dann freudestrahlend - nun auf japanisch versteht sich -, dass wir uns an die Theke setzen können und er uns die Karte holen würde. Natürlich habe ich Rob auch auf die verschiedenen Schärfestufen hingewiesen und eigentlich wollte ich Stufe 3 austesten, habe das dann aber bei der Bestellung, weil Rob und ich halt viel zu erzählen hatten, völlig vergessen. Naja, dann halt nächstes Mal.

Nach dem Essen sind wir ein bisschen in Akihabara herumgestromert und haben uns dies und das erzählt. Natürlich habe ich versucht alles mögliche an typisch japanischen Eigenarten, die uns bzw. Rob so auffielen bzw. aufgefallen waren, zu erklären, soweit ich das konnte. Irgendwann haben wir uns dann dazu entschlossen doch mal eine Kneipe anzusteuern und, ihr werdet es schon erraten haben, es war natürlich eine 笑笑(わらわら) - warawara - Kneipe. Das Kanji 笑 bedeutet übrigens soviel wie “lachen, Gelächter”. Dort wurden wir dann freundlich drauf hingewiesen, dass die max. Aufenthaltsdauer 2 Stunden beträgt. Wir blieben also 3 Stunden. Und wurden dann, nachdem man uns nach 2 Stunden schon freundlich mitteilte “Letzte Bestellung bitte.” hinaus komplementiert. Rausgeworfen ist das bessere Wort, denn die Kellner waren hier doch etwas rauer im Umgangston als im warawara direkt bei mir um die Ecke. 7000 Yen. Stolze Bilanz, aber da ging an dem Abend noch mehr. :) Zwischendurch bekam ich übrigens Mails auf mein Handy von einer mysteriösen Absenderin mit der aussagekräftigen Mail-Anschrift hot-midori@….. Ich habe ihr dann im Verlaufe von Robs und meiner nächtigen Kneipentour noch mehrere Bilder und nicht ganz jugendfreie Emails zugeschickt. Ich denke, das war einer der Gründe, warum ich am folgenden Montag einen neuen Spitznamen bekommen sollte.

Ohja, während Rob und ich so in der Kneipe erzählten und erzählten viel mir irgendwann auf “Oh fuck, 23:53 Uhr. Den letzten Zug kriegst du nie, mal davon abgesehen, dass ich auch noch hätte umsteigen müssen.” Tja, da half also nur eins, auf zu Rob’s Hotel in Ueno bzw. direkt neben einem der Ueno-Parks. Wir sind von Akihabara zu Fuß dahin und haben uns unterwegs in einem der Konbinis mit neuen Getränken versorgt, denn leider, leider hatten die Bier-Automaten, die am Wegesrand so rumstanden, schon Sperrstunde. Nach 23 Uhr geht da nichts mehr. Verdammt nochmal.

Unterwegs haben wir übrigens mehrere Obdachlose in ihren Kartons gesehen, die im und um den Ueno-Park ihr Lager aufgeschlagen hatten. Gegen 0:30 oder so kamen wir dann am Hotel an und sind direkt mal kurz auf’s Zimmer gefahren, ein bisschen ausruhen. Direkt danach ging’s aber schon wieder raus in die Nacht, die nächste Kneipe wartete.

Und was soll ich sagen, direkt neben dem Hotel, keine 3 Minuten zu Fuß, war dann das nächste わらわらwarawara. Nichts wie rein. Öffnungszeiten bei warawara sind schließlich von 22 bis 29 Uhr (ja, so schreibt man das hier auch gerne mal, ich übersetze es aber mal kurz für die Mathematiklegasteniker unter euch: 22 Uhr bis - 5 Uhr). Und was soll ich sagen, wir hatten gerade die erste Runde bestellt, da bemerke ich hinter uns drei Mädels, die kichernd dauernd zu uns rüber schauten. Ich habe das dann mal als Aufforderung zum spontanen get together ausgelegt und so setzen wir uns halt zu den drei Mädels.

Natürlich kamen wieder die üblichen Fragen nach Herkunft, Alter, sexuelle Vorlieben, Analerfahrung und Intimpiercings, wovon Robert aber gar nichts mitkriegte, weil sich seine Japanisch-Kenntnisse auf “wakarimasen”, “arigato”, “hai”, “iie” und “hajimemashite, roberuto to moshimasu” beschränkten. Dafür hatten die Mädels und ich umso mehr Spaß beim Extreme-Flirting oder wie immer man das nennen möchte. Um 4:30 Uhr oder so sind wir dann gegangen, aber wer jetzt genau wie viel bei der Rechnung bezahlt hat, dass weiß ich nicht mehr. Kommt mir irgendwie bekannt vor, die Situation. :) Und wie wir ins Hotel zurückgekommen sind, weiß ich auch nicht mehr. Ich war nur froh, dass ich noch alle meine Sachen und Wertgegenstände bei mir hatte als ich am nächsten Morgen gegen 10 Uhr oder so wach geworden bin. :)

Teil 2 “Der Tag danach” folgt demnächst, muss jetzt erst lernen. Morgen ist ein Grammatik/Kanji-Test.

Akihabara

Geschrieben am 12. April 2008 in Japan, アキバ, 日記, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar

Samstag, 12. April 2008

JP und ich waren heute mal in Akihabara. Wir sind dafür um kurz nach 11 Uhr hier von Sengendai-Bahnhof Richtung Kita-Senju gefahren, wo wir dann umsteigen wollten. So, wer bisher dachte, der Hauptbahnhof in Düsseldorf wäre groß, der war noch nie in Kita-Senju-Bahnhof. Wenn ich richtig gezählt habe, dann gibt es hier 4 Ebenen (oder gar 5?), auf denen Züge und U-Bahnen fahren. Wenn ich auch nur einigermaßen gut im schätzen wäre, würde ich glatt behaupten, dass jede Ebene die doppelte Fläche vom Düsseldorfer Hauptbahnhof einnimmt. Was folgern wir daraus? Richtig, JP und ich sind erstmal falsch abgebogen und haben 10 Minuten nach der richtigen Anschlußlinie Richtung Akihabara gesucht, bevor wir am korrekten Gleis raus kamen.

Apropos riesig und unüberschaubar. Direkt im/über dem Bahnhof von Akihabara gibt es ein 9 Stockwerke umfassendes Elektronikgeschäft (ヨドバシカメラ AKIBA店: Yodobashikamera Akiba-Mise). Jede Ebene hat ihre eigenes Thema z. B.: Ebene 1: Laptops, Computer, Handys; Ebene 2: elektr. Wörterbücher, USB-Zeug, Festplatten; Ebene 3: Konsolen & Spiele; Ebene 4: HD-TV; Ebene 5: DVDs/CDs, Spielzeug; und so weiter. Von der Fläche her ist jede Ebene so groß wie z. B. der Media-Markt in MS oder OS. Simon hatte uns schon beim ersten Treffen in Akiba davor gewarnt, dass man, sobald man einmal drin ist, da so schnell nicht wieder raus kommt. Wir waren ungefähr um 12:30 in Akiba angekommen und gegen 15 Uhr oder so haben wir, ohne überhaupt auf den Ebenen 7 bis 9 gewesen zu sein, den Laden wieder verlassen. Achja, dass es da vor Menschen nur so wimmelt und alles mit Werbung zugekleistert ist, dass muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder?

Naja, seitdem kurzen Besuch bin ich allerdings nun auch stolzer Besitzer eines elektronischen Wörterbuchs mit Kanji-Pad. Ich habe, anders als JP, mir das Nachfolger-Modell (CASIO XD-GP7150) von meinem bisherigen Wörterbuch (CASIO XD-ST7100) zugelegt, weil es direkt Deutsch-Japanisch/Jap-Deu/Eng-Jap/Jap-Eng/Eng-Deu/Deu-Eng unterstützt ohne das man eine extra Speicherkarte kaufen muss. Dafür war das Gerät auch ca. 25 Euro teurer, was es mir aber wert war, denn soweit ich bisher JPs Gerät ausgetestet habe, kann man nicht direkt von Eng-Deu bzw. Deu-Eng damit übersetzen, was ich als Nachteil empfinde. Mein altes Wörterbuch werde ich, wenn ich wieder in Deutschland bin, an irgendeinen Ersti (oder bei Ebay) verticken (oder wer jetzt schon Interesse hat, kurze Mail an mich, wenn’s geht mit Preisvorstellung). Neupreis vom alten damals und vom jetzt neuen ist übrigens 42.000 Yen (je nach Kurs zwischen 260 und 280 Euro). Technischer Unterschied zwischen beiden: soweit ich weiß nur das Kanji-Pad, welches beim neuen Modell dabei ist.

Danach ging’s dann einmal kurz und schnell durch Akihabara per pedes um was zu Essen zu organisieren. JP schlug natürlich Burger King vor, weil das “der einzige in Japan ist und der hier in Akihabara” steht. Nach einigem hin und her habe ich mich dann dazu breit schlagen lassen. Aber mal ganz ehrlich: ich bin doch nicht nach Japan gekommen um hier amerikanisches Fast-Food in mich reinzuspachteln. Da erfülle ich in den Augen der Japaner das perfekte Klischee der “Barbaren” (bzw. westlichen, meist US-amerikanischen, Ausländer) und da habe ich eigentlich keine Lust zu. Davon abgesehen schmeckt mir japanisches Essen besser. Vor dem Ausflug zur amerikanischen Burger-Kette waren wir allerdings noch im 書泉ブックタワー (Shosen-Book-Tower) (9 Stockwerke oder so). Dort habe ich mir die zwei Grammatik-Bücher (A Dictionary of Basic Japanese Grammar und A Dictionary of Intermediate Japanese Grammar) gekauft, die ich leider aus Gepäckgewichtsgründen in Deutschland lassen musste. Außerdem habe ich mir ein paar Vorbereitungsbücher für den JLPT Level 2 gekauft. Die werden mich mehr fordern als das bisher im Uni-Unterricht der Fall ist. Ich will ja hier schließlich auch was lernen. Von Frau Fujita bzw. Frau Hein habe ich auch noch eine Grammatikbuch-Empfehlung für ein rein jap. Werk, leider hatte ich den Titel nicht parat (und jetzt gerade auch nicht), sonst hätte ich mir das auch direkt zugelegt. Tja, ein anderes Mal halt.

Im Anschluss ans Essen ging’s dann nach Asakusa, wo wir ein bisschen durch die Gegen gelaufen sind. Irgendwo sollte hier ein riesen Department-Store sein, aber wir waren wohl blind, denn wir haben es nicht gefunden. Dafür haben wir eine Einkaufsgasse bzw. mehrere verknüpfte Einkaufsgassen gefunden, in denen alle 2 Meter ein anderer Stand war und in denen es nur so vor Menschen, besonders Touristen, wimmelte. Die Hauptgasse führt direkt zu einer großer Schrein- bzw. Tempelanlage, die wirklich imposant aussieht (Bilder folgen, wenn WLAN stabil wird). Zurück beim Eingang zum Bahnsteig, an dem ein Fluß vorbei fließt, sahen wir viele ausländische Touristen und jap. Reisegruppen, die Bootstouren mitmachten. Während JP sich dann entschloss diese von der Brücke zu beobachten, habe ich mich in den angrenzenden Seitengassen umgesehen. Irgendwo musste es doch hier einen Automaten geben, der Bier verkauft. Die Stories davon habe ich nämlich schon zigfach gehört, konnte es aber nicht ganz glauben. Aber, zu meinem Erstaunen gab’s dann wirklich direkt vor einem kleinen Schnapps-Laden in einer der Gassen einen Bier- und einen Sake-Automaten, neben einem Cola-Automaten versteht sich. Frisch mit einem Bier bewaffnet ging’s dann zurück zu JP und kurz danach sind wir dann auch Richtung Heimat aufgebrochen.

Was übrigens in Akihabara und Asakusa auffiel war, dass hier viel mehr westliche/ausländische Touristen unterwegs waren, als wir es bisher aus Saitama gewohnt waren. Irgendwie ein seltsames Gefühl, nicht mehr die einzige Attraktion für Japaner zu sein, man kommt sich plötzlich so unwichtig und unsichtbar vor. Zu Hause angekommen haben wir übrigens Han-Solo getroffen, der gerade vom Einkaufen zurück kam - mit dem Fahrrad versteht sich. Das scheint für ihn echt das Größte zu sein im Moment, denn er erklärte uns mit breitem Grinsen und in gebrochenen Englisch und mit Zeichensprache, dass er wohl den ganzen Tag damit unterwegs war. Der nächste Tour de France Gewinner ein Koreaner? Warum eigentlich nicht?! :-)

Einstufungstest & Gaikokujintorokucho & Gesundheitszustand

Geschrieben am 5. April 2008 in Japan, アキバ, 大学, 日記 von Daniel || Keine Kommentare

— Vormittag —

Am dritten Tag, 3. April, nach unserer Ankunft mussten wir einen Einstufungstest, der als Vorbild den 日本語能力試験 (aka JLPT) hat, machen. Eigentlich wäre der Test relativ(!) leicht gewesen, aber da sich mein Gesundheitszustand derart verschlechtert hatte, konnte ich mich während des Testes überhaupt nicht konzentrieren. Überhaupt nicht, bis auf folgende Dinge: “Jetzt bloß nicht kotzen! Oder zum Klo rennen! Test schreiben! Test SCHREIBEN!!!!!!” Und daher konnte ich auch die leichtesten Kanji plötzlich nicht mehr erkennen, geschweige denn schreiben. Mal davon abgesehen, dass die Welt vor meinen Augen sich zwischendurch immer gedreht hat und ich mich am liebsten hingelegt hätte. Also den Einstufungstest habe ich voll verhauen.

Danke Jet-Lag! Danke Erkältung. Danke SCHEISS WETTER in DEUTSCHLAND und GEILES WETTER in JAPAN! Diese Umstellung allein ist schon sehr heftig. Dort Winter mit Schnee, Regen und Hagel und hier Sommer, Sonne, Sonnenschein, lass die Sonne rein. (FYI: hier ist auch erst Frühling und btw um 5 Uhr ist es bereits hell und dafür um 19 Uhr stockfinstere Nacht.)

Aber das mit dem Test ist nicht so wild laut Kondo-sensei (wenn ich mir seinen Namen jetzt richtig gemerkt habe). Wichtiger ist sowieso der zweite Test (WTF?) während (oder am Ende?) des Semesters.

Apropos Kondo-sensei: er hat sich und die anderen Dozenten vorgestellt und sehr deutlich und auch betont langsam gesprochen. Er war also eigentlich sehr gut zu verstehen. Das mich aber nicht davon abgehalten (nicht zuletzt dank meines Gesundheitzustandes!) direkt seinen und die Namen aller anderen Dozenten schon wieder zu vergessen.

— Mittagspause —

Während der Mittagspause haben William, Jens und ich den Campus ein bisschen erkundet. Und weil heute der erste Tag für die neuen ichi-nensei 一年生 (Erstis bzw. Erstsemester) war, haben sich alle Clubs, die lautstark und zahlreich auf dem Gelände vertreten waren, vorgestellt und Frischfleisch angeworben.

Was besonders lustig war, war das viele Clubmitglieder mit ihren Flyern in der Hand keine 5, 6 Meter von uns entfernt standen, zu uns rüber sahen, tuschelten, einen Schritt auf uns zu machten, sich dann aber doch nicht getraut haben uns anzusprechen. Es gab auch aber auch einige, vor allem aus Sportclubs, also Rugby, American Football und - natürlich - Soccer, die uns direkt angesprochen haben. “Wo kommt ihr her? Was studiert ihr hier? Könnt ihr schon Japanisch sprechen? Wir können leider nur ganz wenig Englisch. Hello, how are you? Wir sind Club x. Kommt doch mal vorbei und macht mit. Das macht Spaß.” usw usf.

Die Jungs und Mädels (ja, die haben da auch Frauenmannschaften und nicht nur zum Cheerleading) von einem der drei, wenn ich richtig gezählt habe, Fußballclubs haben dann auch direkt gefragt, ob wir Basti kennen. Bastian war das Jahr vor uns hier, zusammen mit Stefan. Als ich dann sagte, “Ja, klar. Er ist mein Senpai.” war die Freude groß. (Das Senpai-Kohai-Konstrukt ist im Grunde ein mehr oder weniger enges Lehrer-Schüler Prinzip bzw. Höher-Gestellter—Tiefer-Gestellter Prinzip.) Da hieß es dann, dass ich unbedingt mal vorbei kommen müsste.

Naja, mal sehen. Andere Clubs haben mir bis dahin auch noch nicht wirklich zugesagt, von daher werde ich auf das Angebot evtl. zurückkommen. Zumal es sich dabei um einen クラブ (Club, Verein) und nicht um einen 部活 (bukatsu: streng geregelter Club, Verein, mit teilweise hohen Kosten und sehr klaren, meist sehr starren Regeln verbunden) denke ich, dass ich das schon überleben werde. 2x die Woche wäre Training, bei einem 部活 wäre es jeden Wochentag gewesen. Mal sehen, wenn ich mich besser fühle werde ich das entscheiden.

— Nachmittag —

Wir wurden informiert, dass wir bitte nächste Woche Dienstag für die 入学式 Immatrikulationsfeier doch im Anzug und frühzeitig erscheinen sollten. Die Zeremonie selbst würde in Tokyo stattfinden und wir mit dem Bus dahin verfrachtet würden. Für Mittagessen müssten wir selbst sorgen. Naja, da ist ja mal gut, dass ich soweit vorausgedacht habe einen Anzug mitzubringen.

Danach wurden uns unsere zwei Tutorinnen vorgestellt: Mika-san und Emi-san. Mika ist vom Typ her (Charakter, Auftreten und äußere Erscheinung) die exakte Kopie von Jessica: also sehr extrovertiert, aufbrausend, laut, auffällig gekleidet und eigentlich immer guter Laune. Emi hingegen ist eher klein und zierlich, aber trotzdem scheinbar auch immer fröhlich froh.

Mit denen zwei ging es dann zum “Einwohnermeldeamt” (habe den richtigen Namen gerade verlegt) um die vorläufigen Ausweispapiere zu besorgen. Und das hieß eins: Warten. Außerdem war es echt die Hölle: zum einen ging’s mir zu dem Zeitpunkt scheiße wie nie und zum anderen sind japanische Ämter noch schlimmer als Deutsche; mit der Einschränkung, dass hier alles mehr als höflich zugeht, während man in Deutschland als Kunde schon längst Amok gelaufen wäre und die Sachbearbeiterin zusammengefaltet hätte, was denn der ganze SCHEISS hier soll und dass das Kundengängelung ist.

Warum sage ich das so unbedarft dahin? Naja, bevor JP und ich hierhin gekommen sind sollten wir der Bunkyo 10 Passfotos für verschiedenste Dokumente schicken. Zwei davon waren für die vorläufigen Ausweise (Alien Registration Certificate und Krankenkassenkarte) vorgesehen, aber die waren 4 Tage zu alt. Sie dürfen nicht älter als 6 Monate sein. Na klasse, und vor 6 Monaten und 4 Tagen wurden die Fotos gemacht. Grrrr. Also hieß es zum nächsten Konbini (Gemischtwarenladen, rund um die Uhr offen, teurer als Supermärkte, Kurzform für die engrische Version von convenience store) um Bilder zu machen. Danach zurück, wieder warten. Irgendwann war das geschafft und es ging nach Hause. Endlich.

— Abends —

JP, Simon und ich sind mit der Bahn nach Akiba (kurz für: Akihabara, bekanntest Elektronik/Otaku-Viertel in Tokyo) gefahren und haben dort Makino, Simons Freundin, getroffen. Da Makino sehr gut Deutsch kann und außerdem eine Ausbildung zur Krankenschwester oder so ähnlich macht, konnte sie mir auch direkt die (hoffentlich) korrekte Medizin raussuchen. Und anders als in Deutschland braucht man kein Rezept für Medizin hier in Japan, die kann man direkt in jedem größeren und kleineren “Supermarkt” kaufen, wenn er Medikamente im Sortiment hat.

Danach sind wir in einem Ramen-Shop kurz was essen gegangen und dann ging es auch schon direkt wieder nach Hause zurück, weil ich mich richtig schlecht fühlte. Ansonsten hätten wir uns wohl noch Akihabara bei “Nacht” (es war erst kurz nach 20 Uhr) angesehen. Nichtsdestotrotz bekam man auch so schon einen Eindruck der Menschenmassen: es war so voll wie in Düsseldorf zur Rushhour. Und das erschreckenste dabei ist, dass dies laut Simon noch gar nichts war. Es geht noch viel schlimmer.

Na dann.

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