verschiedene Beobachtungen

Geschrieben am 11. Mai 2008 in Japan, Veranstaltung, サッカーサークル, 写真, 大学, 日記, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar

Mittwoch, 7. Mai bis Sonntag, 11. Mai

Mittwoch und Donnerstag war nicht wirklich was los, allerdings durfte ich innerhalb von 2 Tagen 4 Lektionen (pro Lektion 10) Kanji lernen, weil am Freitag ein Kanji-Test angesetzt war. Warum 4 Lektionen? Naja, die ersten 2 Lektionen hatte ich wegen meines späten Level-Ups in den A-Kurs gar nicht mitbekommen. Nach dem Unterricht gab’s übrigens von Nishida-san einen Papierumschlag mit gar seltsamen Inhalt: ein Urinfläschen. Grund: Freitag war eine campusweite Untersuchung aller Erstsemester und der Angestellten. Die älteren Studis und die meisten Dozenten hatten das schon im April machen müssen.

In der Nacht zu Donnerstag konnte ich dann nicht gut schlafen. Warum? Naja, wenn ein riesen Erdbeben + div. Nachbeben hier die Gegend erschüttert, dann wird man schonmal wach gerüttelt. Das Beben hat’s ja sogar bis in die deutschen Medien gebracht. Dieses Beben war so stark, dass meine Bierdosensammlung in sich zusammengebrochen ist - alle Beben vorher hatte sie unbeschadet überstanden. Insgesamt waren das dann Erdbeben Nummer 10 bis 14 (wir zählen hier alle kleineren Vor- und Nachbeben ebenfalls mit). Und wenn man dann noch das kleine Beben von Freitag mitzählt, wären wir bei 15 Erdbeben seit 1. April (Ankunft in Japan). Die Mehrzahl davon passierte übrigens über Nacht. Warum? Keine Ahnung. Wegen der Erdbeben haben wohl auch fast alle Schränke bei uns hier in der Wohnung so Magnetschließmechanismen.

Ganz anderes Thema jetzt: Einkaufen. Also, da hätten wir den großen Lebensmittelsupermarkt am Bahnhof, darüber direkt den 100-Yen-Shop und von unserer Wohnung keine 2 Minuten mit dem Rad den großen real-ähnlichen Supermarkt Saty. Gemeinsamkeiten: die Kassen berechnen nicht nur das Wechselgeld, nein, sie spucken es auch noch automatisch aus, so dass die Kassiererin nicht erst extra groß die Geldstücke zusammensuchen muss. Clever. Auch überall gleich: man bekommt so viele Plastiktüten wie man benötigt, um die Einkäufe sicher zu verstauen und nach Hause zu bringen. Ebenfalls gleich: zahlt man z. B. bei einem Betrag von 1245 Yen mit einem 10.000 Yen-Schein, dann werden die Yen-Scheine, die man zurückbekommt, haargenau abgezählt und zwar so, dass der Kunde dass auch gut sehen kann. Was an jap. Supermärkten noch interessant ist, ist die Tatsache, dass die Kassen Platz für zwei Kassierer haben. Wenn jetzt gerade Supermarkt-Rush-Hour ist, dann werden nicht nur alle Kassen geöffnet, nein, es werden auch noch an jeder Kasse zwei Leute positioniert. Die erste scannt alle Artikel ein und packt sie um und die zweite Person kassiert. Das macht den ganzen Ablauf schneller. Wenn ich da an Deutschland und deutsche Supermärkte denke, dann wird mir ganz anders…

Achja, die Unterschiede zwischen den 3 Läden: Saty ist am teuersten, hat aber die größte Auswahl. Frischwaren sind am Bahnhof am günstigsten. Und Alltags- und Küchenutensilien kauft man am besten im 100-Yen-Shop. Und Obst ist generell teuer, besonders Äpfel. Dafür sind Bananen günstig, aber auch klein. Man nehme eine in Deutschland erhältliche Standard-Banane und kürze sie um die Hälfte: voilà, die hier erhältliche Banane. Fisch ist meistens günstiger als in Deutschland, aber trotzdem teurer als Fleisch. Wasser und Tee in 1,5l oder 2l Flaschen ist oft billig zu haben, genauso wie die 5kg oder 10kg Säcke Reis. Teuer hingegen sind grundsätzlich westliche Lebensmittel und genießbarer Süßkram: ekelhaften Süßkram kriegt man hier für ganz billig.

Daneben gibt’s hier hinterm Bahnhof noch einen kleineren Buchladen, bei dem ich für JP und mich erstmal je ein rein japanisches Grammatik-Wörterbuch (mit Erklärungen und Beispielen), übrigens auf Empfehlung von Frau Fujita und Frau Hein hin, geordert hatte. Der Titel ist 「日本語文型辞典」 (ISBN: 978-4-87424-154-7 C3081 - Verlag: くろしお出版 - Preis: 3300円+165円 Steuern) .

Nochmal Themawechsel: die Müllabfuhr. Die kommt hier mit Musik. Mit lustig-fröhliche klingender Musik, so damit jeder weiß, dass sie da ist. Strange, isn’t it? Yes, yes, it is.

Freitag, 9. Mai

In der Mittagspause dann war die ärztliche Untersuchung, die einmal pro Jahr für alle Studenten, Dozentin und sonstiges Personal der Uni verpflichtend ist. Und ja, sie ist kostenfrei. Körpergewicht und -größe messen, Hörtest, Sehtest, Blutdruckmessen, Blutabnehmen und Brustkorb röntgen stand dann auf dem Programm. Vorgesehen dafür waren 30 Minuten meiner Mittagspause. Es hat dann aber, meiner Meinung nach VORHERSEHBAR bei >1000 Studenten (!!!!), länger gedauert. Nämlich ungefähr 2 Stunden. Warum? Die Schlange beim mobilien Röntgen-Bus, dessen Motor übrigens die ganze Zeit lief und wir durften die Abgase einatmen, weil die Schlange direkt daneben her ging, war so elendig lang. Deswegen hat’s so ewig gedauert.

Beim Hörtest fragte dann die offensichtlich “Blinde” Schwester nach meinem Namen, der in KATAKANA auf meinem komischen Krankheitstestbogen oben dick und fett draufgedruckt war. Diesen Bogen musste ich bei jeder Untersuchung dem entspr. Arzt vorlegen, damit er da seinen Friedrich-Wilhelm bzw. Tokugawa Ieyasu drunter setzen konnte. Naja, jedenfalls sagte ich ihr dann meinen Namen nochmal, sie guckte mich etwas verdattert an - Motto “Oho, ein Ausländer. Was nun?” - und rief erstmal ihre Kollegin herbei, um zu beraten, ob ich diesen verfickten Test überhaupt machen müsse. Ergebnis: Blutabnehmen und Hörtest brauchte ich nicht machen. Gaijin-Bonus. Danke. Kurz danach war der Spuk dann vorüber, es war 13:45 oder so (Mittagspause geht von 12:10 bis 13:00 Uhr) und ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Oota-sensei, bei der ich dann die nächste Stunde hatte, stand zufällig auch da rum und auf Nachfrage durfte ich dann mit den anderen Austauschstudis erstmal noch in die Mensa um mir endlich, endlich was zu Essen zu holen. Boah. Was ein Aufstand.

Achja, die messen hier in Japan irgendwie anders, oder wie sonst kann man es erklären, dass ich plötzlich über 2,5cm geschrumpft bin. Ich mein, dass ich über 6kg abgenommen zu haben scheine seit ich in Deutschland das letzte mal auf einer Waage stand, da habe ich ja nichts dagegen. Aber SCHRUMPFEN! Naja, dass muss doch jetzt wohl noch nicht sein. JP war laut Untersuchung übrigens plötzlich auch sehr viel kleiner, also konnte es nur an deren Messmethode liegen.

Danach gab’s dann den Kanji-Test, den ich erstmal voll in den Sand gesetzt habe. Egal, abhaken und weiter machen. Nachmittags bzw. Fußball Abends fiel aus. Warum, dass war mir erstmal nicht klar. Aber da Huan (ファン, Koreaner bzw. Korea-Steve) und ich unbedingt ein bisschen zocken wollten, haben wir erstmal Han-Solo rangeholt und Miki (ein weiterer Koreaner) und uns einen Ball organisiert. Auf dem Sportplatz haben sich dann 3 Koreaner und ich uns ein bisschen 2 vs 2 gegeben. Außerdem haben wir flach schießen geübt, weil nächste Woche Mittwoch (14. Mai, der Tag, an dem in diesem Jahr an der HHU übrigens auch der Sport-Dies stattfindet) hier die 文教大学スポーツ大会 (Sportveranstaltung der Bunkyo-Universität) über die Bühne geht und wir alle im Fußball-Team sind. Außerdem habe ich mich noch für’s Volleyball-Team gemeldet (aber nur, weil kein anderer wollte). Die Regeln sind übrigens sehr zu meinem Vorteil: es wird im KO-System gespielt, d.h. wer verliert ist direkt raus und braucht nicht mehr antreten. Kommt mir sehr gelegen. :)

Nach diesem kleinen 4er Intermezzo trafen wir auf dem Weg zum Supermarkt, wir wollten uns ein paar Erholungsbierchen gönnen, noch ein paar jap. Studis, die ebenfalls im Soccer-Club sind. Die wiesen uns dann erstmal drauf hin, dass heute doch die große Fußball-Club-Willkommensparty in einer Bar am Hauptbahnhof stattfinden würde. Also sind wir einfach mit denen mit zum Bahnhof gezogen. Dort angekommen mussten wir erstmal eine Stunde oder so warten, bis die anderen Gäste die Kneipe verlassen hatten. Warum? Naja, ich schrieb ja schon einmal, dass wir im Fußball-Club so an die 80 Leute sind. Und mit 80 Leuten in eine Kneipe, dass wird schon eng. Während der Warterei liefen so allerlei Leute am Bahnhof entlang, u. a. auch mehrere Mädchen (keine Ahnung ob die schon 18 waren oder noch nicht), die wohl noch viel vor hatten an dem Abend. Anders konnte ich mir die nuttigen Outfits nicht erklären. Huan und Han übrigens auch nicht, aber dass es schön anzusehen war, da waren wir uns einig. :) Dass das Gespräch dann umschwenkte auf Preise von Nutten in Deutschland und Korea muss ich nicht extra erwähnen, oder? :)

Dann war endlich Einlass nach 1 Stunde Warterei. Die Kneipe war aber ingesamt mal wieder sehr viel größer als es von außen den Anschein hatte. Es wurde schön per Zufallsprinzip ausgelost wer mit wem an welchen Tisch kam. Han und ich hatten das Glück in einem der großen Räume unterzukommen, in dem 3 Tische waren. Insgesamt waren in dem Raum alleine bestimmt 40 Leute. Die anderen waren halt auf kleinere Einzelräume aufgeteilt. Und jetzt das beste an dem ganzen Abend: Erstis und Austauschstudis mussten nichts zahlen. Essen und Getränke gab’s im Überfluß und ich habe natürlich erstmal dick reingehauen. :) DANKE! :)

Was mir dann auffiel, fällt wohl jedem auf der längere Zeit mit mehreren (männlichen) Koreanern unterwegs ist. Die haben da wohl ein noch ausgeprägteres Ränge-System untereinander als die Japaner. Jedenfalls darf der älteste in der Gruppe die anderen rumkommandieren, schikanieren und abstrafen, wenn es sein muss. Tja, und von den anwesenden Koreanern war nunmal Korea-Steve (also Huan) der älteste mit 25 Jahren. Danach Han-Solo mit 23 Jahren. Und weil die meisten jap. Erstis gerade mal 18, 19 oder 20 Jahre alt sind, wurden sie von Huan erstmal schon in die koreanische Lebensart eingeführt, d. h. rumgescheucht und zum Getränke ranschaffen abkommandiert. Natürlich alles im Spaß und nicht sonderlich ernst gemeint. Nunja, nun bin ich aber nochmal 2 Jahre älter als Huan, und daher wurde mir immer als erstes eingegossen und auch sonst immer alles als erstem angereicht - auf “Befehl” von Huan. Das war schon lustig. Genauso lustig wie unsere ständigen Versuche Kaori, der kleinen süßen Soccerbraut mit dem kürzesten schwarzen Mini-Rock, den ich je gesehen habe, aus einer gewissen Entfernung unter eben selbigen zu gucken. Huan hatte damit übrigens angefangen, ich war’s dieses Mal nicht! Alter, ick schwör! Han, ein paar Japaner und ich haben nur mitgemacht. :) [Zur Info für die ganzen richtigen Perverslinge ;) unter euch: sie trug ein schwarzes Höschen drunter.] Dazu gab’s natürlich div. Saufspiele und lautstarke Gesangseinlagen von betrunkenen Japanern.

Nach zwei Stunden, eine übliche Zeit für Kneipenaufenthalte wie ich bereits feststellen durfte, ging’s dann erstmal wieder nach draußen mit allen Mann (und den ganzen hübschen Mädels) und es wurde sich angeregt darüber unterhalten, wie der weitere Abend verlaufen sollte. Ungefähr die Hälfte hatte bereits Pläne oder wollte nach Hause. Die andere Hälfte wollte sich zur nächsten Kneipe begeben. Han-Solo, Huan und ich beschlossen nach Hause zu fahren, weil die zwei halt knapp bei Kassen waren. So bedankten wir uns für den netten Abend und verabschiedeten uns. Unterwegs wurde dann noch was zu Futtern und - natürlich - viel Bier und koreanischer Sake gekauft.

Bei Han zu Hause ging’s dann weiter mit der Feier. William und Jens kamen dann auch noch dazu, ist ja auch klar, weil William wohnt bei Han und JP und ich wohnen direkt unter den beiden. Irgendwann um 1 Uhr oder etwas später bin ich dann sternhagel voll eine Etage nach unten getorkelt und in unsere Wohnung verschwunden. Bei der Gelegenheit habe ich versehentlich JP ausgeschlossen. Durch Glück und Zufall hat er mich aber noch zur Tür geklingelt bevor ich im Bett versacken konnte.

Samstag habe ich dann abgechillt, während JP mit Timo in Tokyo (Shibuya) unterwegs war. Er hat auch endlich Schuh- und Klamottenläden mit großen Größen gefunden. Gut, dann weiß ich ja, wo ich mir nächstes Wochenende endlich richtige Fußballschuhe zulegen werde. :)

Den ganzen Beitrag lesen »

Niveau, nicht nur im Soccer-Club

Geschrieben am 23. April 2008 in Japan, doitsu, サッカーサークル, 大学, 日記, 暇な時 von Daniel || 2 Kommentare

Dienstag, 22. April 2008

Vor dem Unterricht habe ich erfahren, dass ich den heutigen Japanisch-Unterricht probeweise in der A-Klasse verbringen darf. Danach soll ich mich dann endgültig entscheiden. Außerdem gab’s von Midori die schlechte Nachricht, dass ich doch mein richtiges Foto auf die dumme Stempelkarte kleben sollte und nicht ihr Portraitbild von mir benutzen darf, laut Anweisung von Kondo-sensei. Naja. Das habe ich dann erstmal gekonnt ignoriert und bin so mit der §”$&§$&”$% Karte zu Kondo-senseis Unterricht aufgebrochen. Wenn ich hier schon wie ein Kind behandelt werde, dann benehme ich mich auch wie eins. Wie ein Trotziges!

Der Unterricht bei Kondo war hart. Zumindest für die zwei Chinesinnen und den Koreaner, die mit mir in dem Kurs sind. Warum? Naja, Kondo-sensei ist wirklich knallhart, wenn man Wörter falsch betont oder die Aussprache schief klingt und das kommt bei Chinesen halt sehr oft vor. Und der Koreaner hatte heute wohl einen schlechten Tag, denn er vermasselte seine Textstellen, die er vorlesende sollte, fast alle. Tja, und weil Kondo von den ganzen Fehlern wohl Kopfschmerzen kriegte, musste ich plötzlich den Text vorlesen. Das war jetzt nicht so schwer für mich, weil wir ähnlich Texte bei Fujita-sensei und Frau Trumpa in Düsseldorf während des 2. Semester gemacht haben. Ihr könnte euch also das Niveau des Textes vorstellen. Das Niveau der nachfolgenden Nachrichtensendung war dagegen um Welten höher. Um wirklich alles zu verstehen mussten wir das Video wohl 15 mal ansehen. Das lag bei mir zumindest daran, dass ich die jap. Fachbegriffe für ‘Tiermediziner’, ‘Gehirn-Tomographie’, ‘Cerebralkortex-Operation’ und ‘Freustbeulen zuziehen’ nicht kannte. Aber ich sagte ja schonmal, dass Vokabeln meine Schwachstelle sind im Moment.

Der Unterricht der A-Klasse war dann direkt im Anschluss. Und was soll ich sagen, ich musste nicht einmal gähnen oder die Augen verdrehen oder mich sonst wie vor Langeweile mit anderen Dingen beschäftigen. In einem Wort: Niveau. Endlich. Wenn man das Tempo mal bildlich beschreiben sollte, dann tuckert die B-Klasse wie ein alter Lanz-Bulldog vor sich hin, während die A-Klasse Concord-mäßig mit Überschallgeschwindigkeit dahin rauscht. Da hat man gar keine Zeit die Aussicht zu genießen, denn man muss mitschreiben und mitdenken und obendrein auf Nachfrage auch noch originelle Beispiele liefern. Hinzu kommt, dass Kobayashi-sensei ihre Sache wirklich sehr sehr gut macht. Die ist mit Spaß und Freude dabei und immer gut für einen lockeren Spruch oder schräge Anmerkungen bzw. Beispiele. Zunächst begrüßte sie mich mal mit einem “Welcome” um gleich daran anzuschließen, dass ich, wenn ich einmal in der A-Klasse bin, ich nicht mehr zurück darf. “A-Klasse heißt A-Klasse bis zum Tode!”. Auch nett: “Wer hier die Hausaufgaben vergisst, den werfe ich aus dem Fenster im 3. Stock!” Doch. Doch. Gefällt mir sehr gut bisher. Das habe ich dann Saegusa-sensei nach dem Unterricht direkt mitgeteilt und kurz nach dem Mittagessen gab’s dann auch das OK von Kondo-sensei, dass ich in die 3A-Klasse wechseln durfte. Freude :)

Am Nachmittag gab’s dann im Englisch-Unterricht bei Mr. Graham eine kurze Einführung in die geographische Topologie der USA sowie einen kleinen Ausflug in die Propaganda-Kunstgeschichte Amerikas. War jetzt nicht so interessant meiner Meinung nach, aber wie Mr. Graham bei seinen Erklärungen immer abgeht und was der sonst noch so von sich lässt, dass ist immer wieder spaßig.

In der 4. Stunde war dann zunächst mal wieder Langeweile angesagt, denn es hieß 留学性活 (Alltagsleben der Austauschstudenten) bei Kondo-sensei. Es ging hauptsächlich um Erklärungen für unseren morgigen Ausflug zur 川柳小学校 (Kawa-Yanagi-Grundschule [die ersten zwei Kanji bedeuten Fluss und Weide, also Fluß-Weiden-Grundschule]). Jens und ich dürfen in der 5年3組 [5. Klasse, 3. Gruppe = entspricht wohl einer 5c in Deutschland] Deutschland präsentieren bzw. uns mit den Pimpfen unterhalten. Das wird ein Spaß. Juhu. Kai hat das ja gottseidank schon hinter sich.

Während der Erklärungen stellte Kondo-sensei immer wieder einfache Nachfragen an die anwesenden Studenten, z. B. “Von wann bis wann geht das? Wo ist der Treffpunkt? Wo ist die Lobby? Wo ist euer Postfach?” usw. Tja, viele der chinesischen Studenten hatten irgendwie Schwierigkeiten die Fragen zu verstehen und zu beantworten. Die an mich gerichteten Fragen konnte ich beantworten, auch wenn Korea-Steve mir zwischendurch ins Wort gefallen ist und die Antwort laut rausposaunt hat. Whatever, I didn’t care. Apropos Korea-Steve, der ist sowieso die ganze Zeit aufgefallen, weil er nur Blödsinn gemacht und gequatscht hat. Zusammen mit Han-Solo, der sich zwischenzeitlich vor Lachen nicht mehr halten konnte. Was dann noch oben drauf kam war, dass wohl einer der Chinesen betrunken war, denn er wurde immer ausfallender und lauter, je länger die Veranstaltung andauerte. Äußerlich konnte man es ihm allerdings nicht ansehen, Han meinte nur irgendwann kurz zu mir, dass der sich so komisch benimmt, weil er in der Mittagspause gesoffen hätte. Ahja. Na dann.

Jedenfalls wurden in der Stunde auch noch Sport-Teams für verschiedene Disziplinen gebildet, weil am 14. Mai eine Uni-Sportveranstaltung ist, ähnlich dem Sport Dies in Düsseldorf. Also ich bin im Soccer-Team, genauso wie William, Korea-Steve und Han-Solo und natürlich eine Menge Chinesen, deren Namen für mich wie Böhmische Dörfer sind. Außerdem machen William, JP und ich noch mit 4 Mädels Volleyball. Dazu hat es aber auch einiger Überredungskunst von Kondo gebraucht, bis ich mich endlich dazu bereit erklärt habe. Affentennis, das macht ja sowas von keinen Spaß, aber so kann man zumindest Studentinnen in knappen Sporthöschen bei Hüpfen zugucken. (Mal davon abgesehen, dass man das auch so schon täglich kann, denn was die Mädels hier an kurzen Röcken oder Hot-Pants tragen, dass ist schon ziemlich gewagt manchmal.)

Danach wäre ja eigentlich Schluss gewesen für heute, aber ich hatte ja noch eine Verabredung mit dem Soccer-Club. Da ich dazwischen aber 2 Stunden Zeit hatte, bin ich mit JP zum Second-Hand-Shop gefahren. Die haben gebrauchte Klamotten, Schuhe und Elektronik-Artikel sowie Haushaltsgegenstände. Also einfach alles, nur nicht in meiner Größe. Naja, war jetzt nicht so wild, ich brauchte eh nur eine günstige Sporttasche für meine Fußballsachen - neue Schuhe muss ich mir eh woanders holen, denn mit Schuhgröße 44/45 wird’s hier schwierig. Die gebrauchte Adidas-Sporttasche, die wie neu wirkt, hat mich auch nur 25 Euro oder so gekostet. Auf dem Rückweg zur Uni habe ich an einem kleinen Konbini in einer Seitenstraße angehalten, weil ich tierischen Hunger und Durst hatte. Dort also erstmal ein Bier und was zu Futtern besorgt. Zurück an der Uni habe ich dann erstmal JPs und meinen Mietanteil für 2 Monate gezahlt, insgesamt 2×61.000 Yen und bei einem momentanen Kurs von 1 Euro:164 Yen ist das ziemlich günstig :). Als “Belohnung” für die Bezahlung gab’s ein Stempelheft, in dem jetzt jeden Monat abgestempelt wird, dass wir auch wirklich bezahlt haben. Japaner lieben Stempel und Stempelhefte, sagte ich das schon?

Ohne Geld, aber mit einem Bier und was zu Futtern bewaffnet setzte ich mich dann auf die Steinsitze vor der Mensa und betrachtete das wilde Treibe von div. Clubs, die bereits ihren Aktivitäten nachgingen. Irgendwann kam Miki des Weges und setzte sich zu mir und wir unterhielten uns ein bisschen. Naja, zuerstmal musste sie feststellen, dass es ja eigentlich viel zu früh für Bier ist, aber das habe ich dann mal gekonnt überhört. Danach sollte ich ihr Alter erraten und naja, weder mit 16, noch mit 29 war ich auch nur annähernd nah dran. 22 wäre richtig gewesen. Als ich ihr dann mein Alter verriet, ist sie fast vom ihrem steinernen Sitzplatz gefallen. Das Gespräch ging noch ein bisschen so weiter bis es dann für uns beide Zeit war zum jeweiligen Club aufzubrechen. Sie ist übrigens im Dance-Club, wenn ich das richtig verstanden habe.

Beim Sportplatz angekommen waren auch schon eine Menge Leute des Clubs anwesend. Und kurze Zeit später waren alle im Kreis auf dem Spielfeld bzw. auf dem Ascheplatz aufgereiht. Und das war ein großer Kreis, denn 80 Leute (oder sogar mehr?) brauchen halt Platz. Und der Hammer, dass glaubt mir jetzt keiner, der noch nicht hier war oder sich mit Japan bzw. Japanischen Uni-Clubs beschäftigt hat: gut die Hälfte davon war vom weiblichen Geschlecht. Und davon wiederum die Hälfte war auf meiner eingeführten Skala im oberen Drittel. Ich mag diese Uni sehr, sagte ich das schon? Und apropos ca. 40 Soccer-Girls: sowas kommt in Deutschland in dieser Form nicht vor, da wette ich drauf: Kiste Pils.

Naja, es ging dann los mit einer kurzen Vorstellungsrunde, die reihum ging. Danach wurden viele verschiedene Vorstellungsspiele in kleineren und größeren Gruppen mit sowie ohne Ball gemacht. Alles in der Hoffnung, dass man einander besser kennen lernt. Aber mal ehrlich, sich die Namen von mehr als 80 Leuten merken? Innerhalb eines Tages kann das nur Frau Fujita. Ich jedenfalls hatte schon Schwierigkeiten mir die Namen der 7 Mitspieler in meiner kleinen 8er Gruppe zu merken.

Nach diesen ganzen Vorstellungsrunden, bei denen ich natürlich immer wieder gefragt wurde, ob ich “Basti” (war das Jahr vor JP und mir hier und ja, ich kenne ihn) kennen würde, gab es denn ein paar kleinere und größere Spiele der verschiedenen Gruppen gegeneinander. Zunächst waren das gemischtgeschlechtliche Teams, später wurden die Jungs von den Mädels getrennt. Die Mädels erhielten extra Training und wir Jungs haben neue Gruppen gebildet und über das große Spielfeld gezockt.

Zum Thema Training: es ist jetzt nicht so, dass es hier Profi-Trainer gibt, vielmehr trainieren die erfahrenen älteren Studenten die Frischlinge bzw. weniger Begabten. Und apropos begabt: die Jungs haben es alle drauf und auch ein paar der Mädels sind ziemlich gut (soweit das bei Frauenfußball überhaupt geht - Achtung: Macho-Alarm). Und hier geht es hauptsächlich ums Spaß haben, d. h. es ist nicht wirklich vergleichbar mit einem deutschen Fußball-Club, wo man zu Beginn vom Trainer erstmal 10 Runden um den Platz gescheucht wird.

Korea-Steve und Han-Solo waren übrigens mit von der Party. Und eins muss man Korea-Steve ja lassen, Fußball spielen, dass kann er. Auch wenn er wahrscheinlich aus der Kurve fliegt, wenn ich mit ihm in einen Zweikampf haben sollte. Sein Fliegengewicht kommt gegen mein Schwergewicht halt nicht an. Das gilt ja übrigens auch für Simon, den alten Trickers, der gerade auf Okinawa Fußball zaubert, soweit ich das gehört habe. :)

Nach 2 1/2h war’s dann auch vorbei und ich ein bisschen geschafft. Han-Solo auch. Zusammen sind wir dann nach Hause geradelt. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass er schwul ist. Er betatscht mich nämlich dauernd und kichert wie blöd dabei. Und so wie ich mein Glück kenne, wohne ich wahrscheinlich mit dem einzigen schwulen Koreaner, der die Bunkyo-Uni besucht, in ein und demselben Wohnheim. Und er scheint auf mich zu stehen. Na klasse. Hallo? Vielleicht sollte ich ihm mal das mit meiner Skala für Frauen verklickern, vielleicht hört er dann ja auf.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: