verschiedene Beobachtungen
Geschrieben am 11. Mai 2008 in Japan, Veranstaltung, サッカーサークル, 写真, 大学, 日記, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar
Mittwoch, 7. Mai bis Sonntag, 11. Mai
Mittwoch und Donnerstag war nicht wirklich was los, allerdings durfte ich innerhalb von 2 Tagen 4 Lektionen (pro Lektion 10) Kanji lernen, weil am Freitag ein Kanji-Test angesetzt war. Warum 4 Lektionen? Naja, die ersten 2 Lektionen hatte ich wegen meines späten Level-Ups in den A-Kurs gar nicht mitbekommen. Nach dem Unterricht gab’s übrigens von Nishida-san einen Papierumschlag mit gar seltsamen Inhalt: ein Urinfläschen. Grund: Freitag war eine campusweite Untersuchung aller Erstsemester und der Angestellten. Die älteren Studis und die meisten Dozenten hatten das schon im April machen müssen.
In der Nacht zu Donnerstag konnte ich dann nicht gut schlafen. Warum? Naja, wenn ein riesen Erdbeben + div. Nachbeben hier die Gegend erschüttert, dann wird man schonmal wach gerüttelt. Das Beben hat’s ja sogar bis in die deutschen Medien gebracht. Dieses Beben war so stark, dass meine Bierdosensammlung in sich zusammengebrochen ist - alle Beben vorher hatte sie unbeschadet überstanden. Insgesamt waren das dann Erdbeben Nummer 10 bis 14 (wir zählen hier alle kleineren Vor- und Nachbeben ebenfalls mit). Und wenn man dann noch das kleine Beben von Freitag mitzählt, wären wir bei 15 Erdbeben seit 1. April (Ankunft in Japan). Die Mehrzahl davon passierte übrigens über Nacht. Warum? Keine Ahnung. Wegen der Erdbeben haben wohl auch fast alle Schränke bei uns hier in der Wohnung so Magnetschließmechanismen.
Ganz anderes Thema jetzt: Einkaufen. Also, da hätten wir den großen Lebensmittelsupermarkt am Bahnhof, darüber direkt den 100-Yen-Shop und von unserer Wohnung keine 2 Minuten mit dem Rad den großen real-ähnlichen Supermarkt Saty. Gemeinsamkeiten: die Kassen berechnen nicht nur das Wechselgeld, nein, sie spucken es auch noch automatisch aus, so dass die Kassiererin nicht erst extra groß die Geldstücke zusammensuchen muss. Clever. Auch überall gleich: man bekommt so viele Plastiktüten wie man benötigt, um die Einkäufe sicher zu verstauen und nach Hause zu bringen. Ebenfalls gleich: zahlt man z. B. bei einem Betrag von 1245 Yen mit einem 10.000 Yen-Schein, dann werden die Yen-Scheine, die man zurückbekommt, haargenau abgezählt und zwar so, dass der Kunde dass auch gut sehen kann. Was an jap. Supermärkten noch interessant ist, ist die Tatsache, dass die Kassen Platz für zwei Kassierer haben. Wenn jetzt gerade Supermarkt-Rush-Hour ist, dann werden nicht nur alle Kassen geöffnet, nein, es werden auch noch an jeder Kasse zwei Leute positioniert. Die erste scannt alle Artikel ein und packt sie um und die zweite Person kassiert. Das macht den ganzen Ablauf schneller. Wenn ich da an Deutschland und deutsche Supermärkte denke, dann wird mir ganz anders…
Achja, die Unterschiede zwischen den 3 Läden: Saty ist am teuersten, hat aber die größte Auswahl. Frischwaren sind am Bahnhof am günstigsten. Und Alltags- und Küchenutensilien kauft man am besten im 100-Yen-Shop. Und Obst ist generell teuer, besonders Äpfel. Dafür sind Bananen günstig, aber auch klein. Man nehme eine in Deutschland erhältliche Standard-Banane und kürze sie um die Hälfte: voilà, die hier erhältliche Banane. Fisch ist meistens günstiger als in Deutschland, aber trotzdem teurer als Fleisch. Wasser und Tee in 1,5l oder 2l Flaschen ist oft billig zu haben, genauso wie die 5kg oder 10kg Säcke Reis. Teuer hingegen sind grundsätzlich westliche Lebensmittel und genießbarer Süßkram: ekelhaften Süßkram kriegt man hier für ganz billig.
Daneben gibt’s hier hinterm Bahnhof noch einen kleineren Buchladen, bei dem ich für JP und mich erstmal je ein rein japanisches Grammatik-Wörterbuch (mit Erklärungen und Beispielen), übrigens auf Empfehlung von Frau Fujita und Frau Hein hin, geordert hatte. Der Titel ist 「日本語文型辞典」 (ISBN: 978-4-87424-154-7 C3081 - Verlag: くろしお出版 - Preis: 3300円+165円 Steuern) .
Nochmal Themawechsel: die Müllabfuhr. Die kommt hier mit Musik. Mit lustig-fröhliche klingender Musik, so damit jeder weiß, dass sie da ist. Strange, isn’t it? Yes, yes, it is.
Freitag, 9. Mai
In der Mittagspause dann war die ärztliche Untersuchung, die einmal pro Jahr für alle Studenten, Dozentin und sonstiges Personal der Uni verpflichtend ist. Und ja, sie ist kostenfrei. Körpergewicht und -größe messen, Hörtest, Sehtest, Blutdruckmessen, Blutabnehmen und Brustkorb röntgen stand dann auf dem Programm. Vorgesehen dafür waren 30 Minuten meiner Mittagspause. Es hat dann aber, meiner Meinung nach VORHERSEHBAR bei >1000 Studenten (!!!!), länger gedauert. Nämlich ungefähr 2 Stunden. Warum? Die Schlange beim mobilien Röntgen-Bus, dessen Motor übrigens die ganze Zeit lief und wir durften die Abgase einatmen, weil die Schlange direkt daneben her ging, war so elendig lang. Deswegen hat’s so ewig gedauert.
Beim Hörtest fragte dann die offensichtlich “Blinde” Schwester nach meinem Namen, der in KATAKANA auf meinem komischen Krankheitstestbogen oben dick und fett draufgedruckt war. Diesen Bogen musste ich bei jeder Untersuchung dem entspr. Arzt vorlegen, damit er da seinen Friedrich-Wilhelm bzw. Tokugawa Ieyasu drunter setzen konnte. Naja, jedenfalls sagte ich ihr dann meinen Namen nochmal, sie guckte mich etwas verdattert an - Motto “Oho, ein Ausländer. Was nun?” - und rief erstmal ihre Kollegin herbei, um zu beraten, ob ich diesen verfickten Test überhaupt machen müsse. Ergebnis: Blutabnehmen und Hörtest brauchte ich nicht machen. Gaijin-Bonus. Danke. Kurz danach war der Spuk dann vorüber, es war 13:45 oder so (Mittagspause geht von 12:10 bis 13:00 Uhr) und ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Oota-sensei, bei der ich dann die nächste Stunde hatte, stand zufällig auch da rum und auf Nachfrage durfte ich dann mit den anderen Austauschstudis erstmal noch in die Mensa um mir endlich, endlich was zu Essen zu holen. Boah. Was ein Aufstand.
Achja, die messen hier in Japan irgendwie anders, oder wie sonst kann man es erklären, dass ich plötzlich über 2,5cm geschrumpft bin. Ich mein, dass ich über 6kg abgenommen zu haben scheine seit ich in Deutschland das letzte mal auf einer Waage stand, da habe ich ja nichts dagegen. Aber SCHRUMPFEN! Naja, dass muss doch jetzt wohl noch nicht sein. JP war laut Untersuchung übrigens plötzlich auch sehr viel kleiner, also konnte es nur an deren Messmethode liegen.
Danach gab’s dann den Kanji-Test, den ich erstmal voll in den Sand gesetzt habe. Egal, abhaken und weiter machen. Nachmittags bzw. Fußball Abends fiel aus. Warum, dass war mir erstmal nicht klar. Aber da Huan (ファン, Koreaner bzw. Korea-Steve) und ich unbedingt ein bisschen zocken wollten, haben wir erstmal Han-Solo rangeholt und Miki (ein weiterer Koreaner) und uns einen Ball organisiert. Auf dem Sportplatz haben sich dann 3 Koreaner und ich uns ein bisschen 2 vs 2 gegeben. Außerdem haben wir flach schießen geübt, weil nächste Woche Mittwoch (14. Mai, der Tag, an dem in diesem Jahr an der HHU übrigens auch der Sport-Dies stattfindet) hier die 文教大学スポーツ大会 (Sportveranstaltung der Bunkyo-Universität) über die Bühne geht und wir alle im Fußball-Team sind. Außerdem habe ich mich noch für’s Volleyball-Team gemeldet (aber nur, weil kein anderer wollte). Die Regeln sind übrigens sehr zu meinem Vorteil: es wird im KO-System gespielt, d.h. wer verliert ist direkt raus und braucht nicht mehr antreten. Kommt mir sehr gelegen.
Nach diesem kleinen 4er Intermezzo trafen wir auf dem Weg zum Supermarkt, wir wollten uns ein paar Erholungsbierchen gönnen, noch ein paar jap. Studis, die ebenfalls im Soccer-Club sind. Die wiesen uns dann erstmal drauf hin, dass heute doch die große Fußball-Club-Willkommensparty in einer Bar am Hauptbahnhof stattfinden würde. Also sind wir einfach mit denen mit zum Bahnhof gezogen. Dort angekommen mussten wir erstmal eine Stunde oder so warten, bis die anderen Gäste die Kneipe verlassen hatten. Warum? Naja, ich schrieb ja schon einmal, dass wir im Fußball-Club so an die 80 Leute sind. Und mit 80 Leuten in eine Kneipe, dass wird schon eng. Während der Warterei liefen so allerlei Leute am Bahnhof entlang, u. a. auch mehrere Mädchen (keine Ahnung ob die schon 18 waren oder noch nicht), die wohl noch viel vor hatten an dem Abend. Anders konnte ich mir die nuttigen Outfits nicht erklären. Huan und Han übrigens auch nicht, aber dass es schön anzusehen war, da waren wir uns einig.
Dass das Gespräch dann umschwenkte auf Preise von Nutten in Deutschland und Korea muss ich nicht extra erwähnen, oder?
Dann war endlich Einlass nach 1 Stunde Warterei. Die Kneipe war aber ingesamt mal wieder sehr viel größer als es von außen den Anschein hatte. Es wurde schön per Zufallsprinzip ausgelost wer mit wem an welchen Tisch kam. Han und ich hatten das Glück in einem der großen Räume unterzukommen, in dem 3 Tische waren. Insgesamt waren in dem Raum alleine bestimmt 40 Leute. Die anderen waren halt auf kleinere Einzelräume aufgeteilt. Und jetzt das beste an dem ganzen Abend: Erstis und Austauschstudis mussten nichts zahlen. Essen und Getränke gab’s im Überfluß und ich habe natürlich erstmal dick reingehauen.
DANKE!
Was mir dann auffiel, fällt wohl jedem auf der längere Zeit mit mehreren (männlichen) Koreanern unterwegs ist. Die haben da wohl ein noch ausgeprägteres Ränge-System untereinander als die Japaner. Jedenfalls darf der älteste in der Gruppe die anderen rumkommandieren, schikanieren und abstrafen, wenn es sein muss. Tja, und von den anwesenden Koreanern war nunmal Korea-Steve (also Huan) der älteste mit 25 Jahren. Danach Han-Solo mit 23 Jahren. Und weil die meisten jap. Erstis gerade mal 18, 19 oder 20 Jahre alt sind, wurden sie von Huan erstmal schon in die koreanische Lebensart eingeführt, d. h. rumgescheucht und zum Getränke ranschaffen abkommandiert. Natürlich alles im Spaß und nicht sonderlich ernst gemeint. Nunja, nun bin ich aber nochmal 2 Jahre älter als Huan, und daher wurde mir immer als erstes eingegossen und auch sonst immer alles als erstem angereicht - auf “Befehl” von Huan. Das war schon lustig. Genauso lustig wie unsere ständigen Versuche Kaori, der kleinen süßen Soccerbraut mit dem kürzesten schwarzen Mini-Rock, den ich je gesehen habe, aus einer gewissen Entfernung unter eben selbigen zu gucken. Huan hatte damit übrigens angefangen, ich war’s dieses Mal nicht! Alter, ick schwör! Han, ein paar Japaner und ich haben nur mitgemacht.
[Zur Info für die ganzen richtigen Perverslinge
unter euch: sie trug ein schwarzes Höschen drunter.] Dazu gab’s natürlich div. Saufspiele und lautstarke Gesangseinlagen von betrunkenen Japanern.
Nach zwei Stunden, eine übliche Zeit für Kneipenaufenthalte wie ich bereits feststellen durfte, ging’s dann erstmal wieder nach draußen mit allen Mann (und den ganzen hübschen Mädels) und es wurde sich angeregt darüber unterhalten, wie der weitere Abend verlaufen sollte. Ungefähr die Hälfte hatte bereits Pläne oder wollte nach Hause. Die andere Hälfte wollte sich zur nächsten Kneipe begeben. Han-Solo, Huan und ich beschlossen nach Hause zu fahren, weil die zwei halt knapp bei Kassen waren. So bedankten wir uns für den netten Abend und verabschiedeten uns. Unterwegs wurde dann noch was zu Futtern und - natürlich - viel Bier und koreanischer Sake gekauft.
Bei Han zu Hause ging’s dann weiter mit der Feier. William und Jens kamen dann auch noch dazu, ist ja auch klar, weil William wohnt bei Han und JP und ich wohnen direkt unter den beiden. Irgendwann um 1 Uhr oder etwas später bin ich dann sternhagel voll eine Etage nach unten getorkelt und in unsere Wohnung verschwunden. Bei der Gelegenheit habe ich versehentlich JP ausgeschlossen. Durch Glück und Zufall hat er mich aber noch zur Tür geklingelt bevor ich im Bett versacken konnte.
Samstag habe ich dann abgechillt, während JP mit Timo in Tokyo (Shibuya) unterwegs war. Er hat auch endlich Schuh- und Klamottenläden mit großen Größen gefunden. Gut, dann weiß ich ja, wo ich mir nächstes Wochenende endlich richtige Fußballschuhe zulegen werde.

