Eine Woche Deutschland
Geschrieben am 31. März 2009 in Japan, doitsu, ビデオ, 日記, 暇な時 von Daniel || 7 Kommentare
Seit ziemlich genau einer Woche bin ich zurück in Deutschland und damit ist die erste Woche in der alten Heimat überstanden inklusive einem kleinen Kulturschock und dem Jetlag. Und ja, jede Menge Tränen beim Abschied, vor allem bei meiner Freundin.
Aber zunächst mal ein paar Worte zum Flug mit BA und Zwischenlandung in London. Der Flug mit British Airways erwies sich als angenehmer als erwartet. Ich hatte vorher nur Horrorstories gehört, aber entgegen aller Befürchtungen war sowohl das Essen als auch das Entertainment-System (ES) an Bord sehr gut. Und weil das ES sogar VOD (Video-On-Demand) und AOD (Audio-On-Demand) unterstütze und einigermaßen aktuelle Filme (Madagaskar 2) sowie Klassiker (Die Glorreichen Sieben) zu bieten hatte, war es meiner Meinung sogar besser als das von Scandinavian Airlines beim Hinflug. Zum Essen gab es zunächst Mittags entweder ein Steak mit Kartoffeln oder Chinesische Nudeln mit Fleischbällchen. Da habe ich doch glatt mal die Nudeln genommen. Zum Abendessen war die Wahl dann genauso leicht: entweder etwas Ungenießbares aus Pampe oder Reis und Gemüse mit Seelachs. Zwischendurch gab es als Snack noch ein leckeres belegtes Brötchen und einen Kuchen. Doch, war schon lecker.
Nach 11 Stunden und 30 Minuten Flugzeit landete die Maschine (747) dann am Londoner Heathrow Airport, wo ich einen geplanten Aufenthalt von 3 Stunden gehabt hätte vor meinem Weiterflug nach Düsseldorf. Naja, der Weiterflug hat sich um ca. 30 Minuten nach Hinten verschoben wegen schlechten Wetters oder weißgottwas, war mir auch egal, denn zu dem fraglichen Zeitpunkt wollte ich nur noch aus diesem drecks-faschistischen und paranoidem Land raus. Weg. Nie wieder England. Nie. Wieder. Auch nicht auf Durchreise. Punkt.
“Warum?” wird jetzt der geneigte Leser fragen. Darum! Und weil ich mir total verarscht vorkam. Nicht nur, dass ich erneut durch die Security musste, nein, ich wurde auch noch von einem Bobby angekackt. Zur Security: ich verstehe nicht, warum ich da noch einmal durch musste! Ich war in Tokio schon gefilzt und durchleuchtet worden, warum also bei einem Transitflug, einem Durchgangsflug, einem einfachen Weiterflug nochmal die ganze Kacke? Im Flugzeug wachsen keine Waffen und kein Sprengstoff, verdammt nochmal!
Vor allem, war die Durchsuchung viel strenger als in Japan (die ganzen “Damen” mit hohen Absätzen mussten z. B. ihre Schuhe ausziehen, damit die extra durchleuchtet werden konnten), und unfreundlicher! Aber sowas von! Ich musste mich auch fast komplett meiner Kleidung entledigen sowie meinen Rucksack und meine kleine Reisetasche ausräumen. Und weil’s mir dann, nachdem ich endlich durch die “Schleuse” (Metalldetektor) gehen konnte, zu viel wurde als mich die (allerdings recht sexy) Blondine mit den dicken Tüten drauf hinwies meine Baseballkap abzunehmen, da war bei mir der Ofen sowas von aus! Ich riss meine vom Flug und dem ganzen Kofferschleppen schön mit Schweiß vollgesogen Cap vom Kopf und hielt ihr diese direkt unter die Nase, keine 5 cm entfernt von ihren hochgetuschten künstlich ausfranzten Augenbrauen. She was not amused. Ihr Kollege direkt neben mir, ihr gegenüber, guckte nur doof, denn damit hatte er wohl auch nicht gerechnet. Ich hatte für die zwei, als ich dann endlich weiter gehen durfte, nur noch ein laut vor mich Hinmurrendes “This is so fucking ridiculous. You people are fucking retarded. This whole country is so fucking retarded!” übrig. Nur mal als Vergleich: bei meinem Hinflug musste ich in Kopenhagen (Dänemark) umsteigen. Dort gab’s keine zweites Security-Screening, sondern für Transitflüge hieß es einfach nur “Durchgehen”. So geht das. Das ist Kunden- und Touristenfreundlich sowie Service-orientiert!
So, dieses Desaster brachte mich dann schon mal in die richtige Grundstimmung. Ich beschloss nach dieser Eskapade einfach kein Geld zu tauschen um mich mit Getränken oder etwas zu Essen zu stärken. Die 3 Stunden konnte ich auch wohl noch ohne Zeugs aushalten. Wer mich so behandelt kriegt kein Geld von mir. Aber erst die nächste Eskalationsstufe in diesem Paranoiastaat brachte mich richtig auf die Palme.
Ich hatte mich gerade total erschöpft auf einen der vielen Wartesitze im riesigen Gatebereich (von den Gates A1 bis A29(?) brauchte man 15 bis 20 Minuten zu den Gates B1 bis BXX bzw. C1 bis CXX, und zwar mit Transitbahn!) niedergelassen um etwas zu Chillen, da kam mir der Gedanke, ich könnte ja ein Foto von der Anzeigentafel machen, auf der die Flughinweise und -daten angezeigt werden. Ganz, gaanz, gaaaaaaaaanz dummer Fehler! Nicht tun! Unter keinen Umständen! Der Polizei-Oberförster, der da zufällig gerade in der Gegend stand, guckte mich böse an und meinte laut und forsch “No pictures!”. 3 Mal. Ich muss wohl, entweder aus Müdigkeit oder aus purer Ungläubigkeit, total dämlich geguckt haben, als er mir diesen Befehl das erste Mal erteilte. Darum hat er es noch 2 Mal wiederholt, bevor ich ihm mit einem “Ok.” geantwortet habe. Und dann ging er weiter, übersah aber im oberen Teil bzw. eine Ebene höher, auf der Reling quasi, die - vornehmlich - asiatischen Touristen, die schön alles mit Videokamera filmten. Genauso übersah er übrigens den ungefähr 10jährigen Jungen, der neben seinem Vater saß und freudestrahlend mit dessen Digicam alles mögliche im Bilde festhielt. Aber sind wir mal ehrlich, so ein einsamer Jungeselle, mit Vollbart und durchgeschwitztem Baseballkap sieht ja alle mal mehr nach TouristTerrorist aus als die anderen zwei gerade genannten Gruppen. Da muss man als Beschützer Ihrer Durchlaucht wohl Prioritäten setzen.
Bei mir zumindest setzte diese Undifferenzierte Vorgehen sowie Art und Weise der Botschaftsübermittlung jedoch ganz andere Dinge in Gang, ja gar in Wallung. Mein Blut nämlich. Ich hatte so eine Wut im Bauch, dass ich mir erstmal in meinem Notizbuch eine Liste von Leuten machte, an die ich meine ganzen Beschwerdebriefe über diese Zwischenfälle schreiben wollte: Heathrow Airport Manager, Heathrow Airport Security Chief, British Airways Management, Bürgermeister von London, Premierminister, Oppositionsführer, Botschafter Englands in Deutschland, Botschafter Deutschlands in England und natürlich Ihrer Majestät.
Naja, so ungefähr jedenfalls. Nachdem ich aber zwei, drei Tage drüber geschlafen hatte, dachte ich mir nur noch, dass es auch einfach reicht ab jetzt dieses Land für die nächsten 10 Jahre nicht mehr zu betreten oder bis zu meinem Ableben völlig zu ignorieren. In diesem Sinne: Fuck you, England! Fuck you!
Achja, direkt am Morgen danach, also keine 24 Stunden nachdem ich in Narita abgeflogen war, stürzte dort eine FedEx Frachtmaschine ab woraufhin sämtliche Flüge nach Europa erstmal Ersatzlos gestrichen wurden (O-Ton meiner Freundin). Nochmal Glück gehabt.
Aber nun bin ich ja zurück in Deutschland und ich wollte noch kurz was zum Kulturschock sagen. Also erstmal bin ich beim Fahrrad radeln ins Dorfzentrum tatsächlich völlig geistesabwesend auf der linken Fahrbahnspur gefahren. Mehrfach. Verdammt. Und dann im Supermarkt, beim Einkaufen, habe ich die ganze Zeit drauf gewartet, dass wer meine Einkäufe nimmt und in Tüten einpackt oder zumindest mir Tüten zum Einpacken dazu legt. Komisch, passierte einfach nicht. Was mir auch aufgefallen ist, dass hier in Deutschland die Menschen viel ernster gucken, oft auch böse gucken, und viel, viel hektischer im Allgemeinen sind. So erstmal mein Gefühl. Was mir noch nicht untergekommen ist, sind unfreundliche oder auch kackendreiste Menschen. Aber keine Sorge, ab nächstem Wochenende bin ich ja wieder in Düsseldorf, dass wird also noch auf mich zukommen. *seufz* Bin ja hier auf’m 田舎 (inaka: ländliche Gegend), das ist ja eh immer etwas anders als die große Stadt.
Drei Dinge waren aber schon mal wieder richtig geil, nach so langer Zeit: das erste richtige Deutsche Weizen, die erste “richtige” “italienische” Pizza und der erste richtige türkische Döner. Boah, so geil. In diesem Sinne: guten Hunger! ![]()


















