Oktoberfest
Geschrieben am 5. Oktober 2008 in Japan, Nightlife, Veranstaltung, Vorurteile, 女たらし, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar
Gestern, am Samstag, 04. Oktober 2008, war ich mit zwei Freunden in Yokohama verabredet bei traumhaften Herbstwetter.
Aber zunächst habe ich mir mit meiner weiblichen Begleitung China-Town angesehen. Und was soll ich sagen, es war richtig cool. Man kann es nicht gut mit Worten beschreiben, die ganzen chinesischen Restaurants, Straßen voller Menschen, die einem etwas verkaufen möchten, hier und da kleine und große Souvenir-Stände und -Geschäfte, Mode-BoutiquenLäden mit chinesischen Kleidern und Anzügen, aber vor allem viele Fressbuden auf den Straßen. Und natürlich ist der Panda als Symbol Chinas bzw. China-Towns hier allgegenwärtig (oder einfach nur weil es sich gut verkauft).
Danach sind wir durch den Yamashita-Park (山下公園), der direkt am Meer liegt, geschlendert. Hier haben wir uns die Vorstellung eines Straßenkünstlers angesehen, der durch seine wirklich bezaubernde und lustige Art eine Traube von gut 100 bis 120 Menschen (grob geschätzt) angelockt hatte. Er vollführte einige kleinere Zaubertricks und Dinge mit einem Sportgerät, dessen Namen ich nicht kenne. (Zwei Stäbe verbunden mit einem Seil, mit dem man so eine Rolle hin und her kreisen und werfen kann. Scheiß Erklärung, ich weiß. Wie heißt dieses Teil?) Danach jonglierte er noch mit Fackeln und ein Mann aus dem Publikum musste ihm auf Kommando eine davon zuwerfen. War ganz lustig. Der Höhepunkt der Vorstellung war dann aber der Abschluss. Auf einem (mind.) 2 Meter hohen Einrad jonglierte er nicht nur mit 3 Fackeln, nein er tauschte dann im Verlauf der Demonstration eine Fackel gegen einen Apfel und eine zweite gegen eine Machetee. Von dem Apfel bis er immer wieder was ab bis er kurz vor Ende das Abgebissene wieder ausspuckte und den restlichen Apfel mit der Machetee aufspießte. Sehr schöne Vorstellung und charmante Darstellung, die uns 500 Yen wert war. Er kniete sich nämlich am Ende mit einer Handtasche vor sich auf dem Boden und bat um eine kleine Spende, wenn es denn gefallen hatte. Natürlich, also haben wir gerne gespendet.
Nach dieser 20minutigen Unterbrechung ging es auch direkt weiter zum Platz, wo das Oktoberfest statt fand. Gegen 16 Uhr waren wir am Eingang, vor der sich eine kleine Schlange gebildet hatte (ja, richtig gelesen, klein bzw. kurz und es ging relativ zügig. Hatte ich nicht erwartet.). Der Eintritt zum Festplatz lag bei umgerechnet 1,33 Euro, was ja noch günstig ist. Was allerdings scheiße teuer war, war das Bier. Egal ob Weizen, Pils, Flensburger Dunkel oder eine Maß, die Preise lagen alle bei umgerechnet 8 bis 10 Euro. Und für die Gläser musste man, je nach Bier, auch noch einmal 1000 bis 2000 Yen Pfand hinlegen. Alles im allem ein teurer Spaß, aber hey, ich bin ja nicht nur hier um mich dumm und dämlich zu studieren, sondern auch um das Leben zu genießen.
Während wir also auf meine Studien-Freunde warteten, gönnten wir uns schon einmal das erste Weizen und beobachteten, nachdem wir endlich einen Sitzplatz ergattern konnten, die anderen Gäste. Es waren viele Amerikaner zu gegen, aber auch einige Deutsche und auch sonst war es sehr international, obwohl natürlich die Mehrheit der Gäste Japaner waren. Die Maus war übrigens auch zu gegen, mit einem extra Fan-Artikel-Stand. Mit halbstündiger Verspätung trafen dann mein deutscher Studien-Freund nebst japanischer Freundin ein, während meine Begleitung gerade Schlange stand für Bier-Nachschub. Nach kurzem Plausch und Begrüßung versuchte ich sie zu finden, um ihr tragen zu helfen, aber wegen der Menschenmasse war das naturgemäß eine Herausforderung. Natürlich ist das Oktoberfest hier bei weitem nicht so riesig wie in München, aber trotzdem war es schon einigermaßen schwierig sie zu lokalisieren. Als wir dann an der Kasse standen, gab es die erste Überraschung: eine Japanische Studentin, die mal für ein Auslandsjahr nach Düsseldorf gekommen war, stand an der Kasse und erkannte mich direkt wieder. Wir plauschten kurz auf Deutsch, was meine Begleitung ein wenig verärgerte, denn sie kann kein Deutsch und dachte, ich würde rumflirten, aber diese Befürchtung konnten wir schnell wieder ausräumen. Mit zwei Maß und einem kleinen Pils ging es dann zurück zu unseren Sitzplätzen und wir unterhielten uns mit unseren Freunden über Gott und die Welt, aber auch über Japan, Beziehungen und das Studium.
Überrascht hat mich übrigens, dass viele der Japaner, die hinter den Theken und Tresen neben und mit Deutschen arbeiteten, Deutsch sprechen oder zumindest verstehen konnte. Meine Bestellung von zwei Weißbier und zwei Bretzeln im perfekten Hochdeutsch konnte die mir unbekannte, aber durchaus sympathische-sexy japanische Studentin hinter dem Tresen ohne Probleme verstehen und ausführen.
Apropos Deutsche Bierzapfer: die Biermarke Spaten der gleichnamigen Brauerei war mir bis dahin nicht bekannt. Öfter mal was neues ist ja auch ganz nett, wobei deren Maß-Bier allerdings nicht der Burner ist. Da habe ich schon besseres (u. a. auch japanisches) Bier getrunken.
So gegen 19 Uhr kündigte sich dann ein weiterer Studien-Freund mit japanischer Freundin an, aber sie müssen unterwegs gekidnappt worden sein, denn sie tauchten bis Redaktionsschluß bzw. bis zum Ende des Abends, der bei PUNKT 21 Uhr lag, nicht auf. In der Zeit bis zum Ende haben wir uns allerdings noch gut vergnügt und amüsiert, mit Bratwürstchen und Sauerkraut sowie Brezeln und noch mehr Maß Bier. Auf der Programmbühne im großen Festzelt durften wir uns, während wir in der Schlange für den Bierstand einreihten und warteten, dann noch die Talbach Buam anhören und -sehen. Meine Begleitung war ganz begeistert, weil sie deutsche Trachtenmode und Lederhosen wohl bisher nur aus japanischen TV-Dokus oder Zeitschriften kannte. Ich fands allerdings, äh, gewöhnungsbedürftig. Bin halt Westfale und kein Bayer. Das war so gegen 19:30 Uhr, denke ich, und die ganzen sternhagelvollen Japaner sowie strunzbesoffenen Ausländer fingen an auf den Tischen zu tanzen und eine Polonaise kreuz und quer durchs Festzelt zu veranstalten. War so schon wirklich lustig anzusehen, wie so hackestramme Japaner plötzlich lautstark “Ein Prosit der Gemütlichkeit” versuchen mitzugröhlen. Noch geiler war allerdings der japanische Ordner, der draußen vor dem Festzelt versuchte die besoffenen Amis vom Auf-dem-Tischen-Tanzen abzuhalten. Er war zwar erfolgreich, aber besonders glücklich wirkte er nicht. Der gute war wohl überfordert mit dem Temperament der gaijin (japanisch für Ausländer) und ich denke, die Ordner waren so mit die einzigen, die richtig froh darüber waren, dass der ganze Spuk um Punkt 21 Uhr ein Ende hatte.
Das ist hier übrigens die Standardzeit für ein Fest-Ende. Um 21 Uhr gehen die Lichter und die Musik aus und alle gehen nach Hause. Natürlich wird vorher noch Aufgeräumt und Sauber gemacht, so weit wie möglich, aber 21 Uhr ist Schicht im Schacht. Da werden die Bürgersteige hoch geklappt. Da hängt auch der Papst sein Kettenhemd zurück in den Schrank. Ich bin mir noch nicht sicher, aber so ganz gut finde ich das nicht. Aber ändern wird sich das wohl kaum, Hauptgrund für das frühe Ende ist nämlich, dass die meisten Leute mit dem Zug nach Hause müssen und natürlich den letzten möglichen Zug gegen Mitternacht gerne vermeiden wollen. Warum? Schonmal versucht mehr Sardinen in eine Büchse zu stecken, als eigentlich vorgesehen. Das passiert durchaus regelmäßig beim letzten Zug (zugegeben, es hängt von der Strecke und Linie ab, aber im Groben und Ganzen stimmt es).
Das ganze geht noch bis zum 13. Oktober in Yokohama, aber auch in anderen Städten in Japan findet der lokale Ableger des urdeutschen (bzw. bayrischen) Bier-Festes statt.
Übrigens, als ich im August in Sapporo unterwegs war, da gabs auch ein Mini-Mini-Oktoberfestzelt, direkt unter dem Sapporo-Turm im Herz der Stadt. Das Weizen da war schon ordentlich, aber natürlich im falschen Glas serviert. Japaner haben halt nicht besonders viel Ahnung von den Details deutscher Bierkultur, aber sie lieben sie und geben sich alle Mühe, was sie doch irgendwie sympathisch macht. ![]()

