PORNO UND GEWALT!

Geschrieben am 26. Januar 2009 in Japan, Veranstaltung, Vorurteile, doitsu, ニュース, 大学 von admin || Keine Kommentare

Dem dpa-Artikelschreibhanselerling Lars Nicolaysen würde ich gerade gerne derbst eins auf die Fresse geben gratulieren für zu diesenm nicht sonderlich guten hervorragenden Artikel, den SpOn veröffentlicht hat: PORNO UND GEWALT - Japan plant Handy-Verbot an Schulen! (Wer Ironie oder Sarkasmus findet, darf entsprechendes behalten!)

Seriously, WTF, dude?!

“Jeder Sechste der 16-Jährigen gab zudem an, täglich mehr als 50 SMS zu verschicken.” (Hervorhebung von mir!) In Japan werden keine SMS verschickt, sondern Emails! Die Japaner haben es hier weitaus besser als wir rückständigen Deutschen/Europäer. Mal davon ab, dass diese Mails von Mobiltelefon zu Mobiltelefon oder Mobiltelefon zu Rechner schweinebillig sind (je nach Tarif sogar kostenlos)! Warum wird hier dem Nicht-Japan-Kenner eingeredet, dass man in Japan SMS benutzt?! SMS sind sowas von 1990er und außerdem maßlos überteuert! Es wird Zeit, dass sich da endlich mal was ändert im deutschen/europäischen Mobilfunk!

“Eine andere Studie der Präfektur Osaka ergab, dass unter den 13-Jährigen jeder Sechste mehr als drei Stunden am Tag das Handy benutzt. Unter den 16-Jährigen tut das jeder Dritte.” Tut tut tut, wozu ist die Hupe gut?

“Mit Handys lassen sich Busse, Bahnen und selbst Taxis bezahlen, kostenlos Fernsehen schauen, Urlaubsreisen buchen, Manga-Comics und ganze Romane lesen.” Durchaus richtig, aber direkt der nächste Satz *grrrr*

“Zu den mobilen Angeboten gehören jedoch auch Pornos, Internet-Seiten, auf denen sich Selbstmörder zum Gruppensuizid verabreden und “deai-saito” - Seiten, über die Erwachsene oft an Sexkontakte mit Schülerinnen gelangen.”

W-T-F?!

Bei diesem Satz ist mir die Galle dann doch übergelaufen. Soviel Müll in einem Satz… wenn ich den Nicolaysen treffen würde, würde ich ihn fragen wie groß er ist und dann auf seine Antwort erwidern “Ich wußte gar nicht, dass man *piep* so hoch stapeln kann!?”! Was soll diese einseitige Negativ-Bild?! Was will mir der Autor damit sagen und vor allem was für ein Japan-Bild will er hier dem durchschnittlichen Bild-Leser, der gerade mal Castrop-Rauxel von Bottrop-Kirchhellen unterscheiden kann (wahrscheinlich ist selbst das schon zu hoch gegriffen für diese Klientel) vermitteln?!
*seufz* Jaja, was es nicht alles Schlimmes auf dieser Welt gibt…

“Andere wie Professor Shigeki Ito von der Universität Komazawa bezweifeln ohnehin, dass ein Verbot an Schulen groß etwas bringt. Schließlich benutzten die Kinder ihre Handys nach dem Unterricht sowieso weiter.” Naja, zumindest bringt er beide Seiten der Argumentation, also pro und contra Mobiltelefon-Verbot in Schulen. Und es ist ja auch überhaupt schön, dass sich mal jemand die Mühe macht und es den Nicht-Japanologen in Deutschland ermöglicht einen kleinen Einblick in die いじめる (quälen; ärgern; mobben; misshandeln; belästigen; drangsalieren; übel mitspielen) Problematik in japanischen Schulen zu geben.

Also, warum habe ich mich nochmal aufgeregt?!

PS: Hab’ gerade mein レポート (report) im Fach “Deutsche Jugend- und Kinderliteratur” bei Nohara-sensei fertiggestellt: Thema “Michael Ende ミヒャエル・エンデ”, Untertitel “Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer「ジム・ボタンの機関車大旅行」”. 9 Seiten voll mit, an deutschen akademischen Standards gemessenen, unterirdischen Beschreibungen und Meinungen - keine Analyse oder Vorgehensweise notwendig, die Meinung zum Werk war gefragt. Ja, liebe Freunde der guten Nachtmusik, so kriegt man an japanischen Unis seine CP hinterhergeworfen. Man rotzt ein 2000 Kanji umfassendes Skript hin, dass nichts anderes enthält als eine Zusammenfassung der entsprechenden Wikipedia-Artikel und die eigene, (im wissenschaftlichen Kontext eigentlich) völlig belanglose Meinung zum Werk des Autors. Haha. Gott, ist das traurig.

Dezember, Dezember, Dezember

Geschrieben am 31. Dezember 2008 in Japan, Nightlife, Veranstaltung, Vorurteile, 写真, 大学, 日記, 暇な時, 見学 von Daniel || Keine Kommentare

So, nachdem die Feiertage endlich überstanden sind, gibt es hier auch mal was Neues.

Noch knapp 3 Monate und ich muss ich wieder nach Deutschland zurück. Rückflug ist schon gebucht - British Airways (weia!) für 730 Teuronen - und geht am 26. März. Irgendwie traurig und schade, weil ich eigentlich nicht hier weg möchte. Auf der anderen Seite möchte ich mal wieder richtige Pizza, saftigen Döner oder einfach nur ne geile Pommes-Currywurst mit dick Mayo essen, von lecker Brot, Käse und Wurst sollte ich lieber gar nicht erst anfangen zu erzählen. Achja, meine Freunde mal wieder treffen und schön einen Heben, dass wär’ auch ganz geil (von meinen Eltern und Geschwistern ganz zu schweigen!). (^_^)

Und apropos Essen, wir haben hier am 13. Dezember 餅つき (餅:mochi sind japanische Reiskuchen, die traditionell vor allem zu Neujahr gegessen werden) hergestellt.

Also mit wir meine ich die ganzen älteren Semester aus der Nachbarschaft, die natürlich auch derbe Alkohol mitgebracht habe, sowie die Austauschstudis der Bunkyo Universität. Und wenn ich sage, wir haben mochi hergestellt, dann meine ich eigentlich die anderen haben kräftig hergestellt, während ich nur mit der Kamera daneben stand und alles im Bild festhielt. Denn nachdem ich schon bei dem 食文化 “Fest” alleine Currywurst gemacht habe, hatte ich irgendwie nicht den Bedarf mich jetzt hier beim mochitsuki zu verausgaben.

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Halloween? Schulfest!

Geschrieben am 2. November 2008 in Japan, Veranstaltung, Vorurteile, 写真, 大学, 日記, 暇な時, 見学 von Daniel || Keine Kommentare

Freitag, 31. Oktober 2008 - Halloween

So, an diesem Tag startet das Bunkyo-Uni-Fest. Alle Studenten haben sich mächtig ins Zeug gelegt um ihre Fressbuden ans Laufen zu kriegen. Für die Vorbereitung alleine haben die hier eine ganze Woche Unterrichtsfrei bekommen. Ja, richtig gelesen. Unterrichtsfrei. Alle. Außer wir. Wir Austauschstudis hatten natürlich weiter regulär Unterricht. Kann ja auch nicht angehen das alle anderen frei haben und wir auch. Wo kämen wir denn da hin?

Diese ganze Kirmes hier bestätigt nur mal wieder mein bisher gewonnenes Bild japanischer Universitäten: es sind Kindergärten für Spätpubertierende, die sich 4 Jahre lang die Eier schaukeln und am Ende einen Abschluss hinterher geworfen bekommen. es sind Bildungsstätten, an denen gerne mal die Bildung beiseite geschoben wird um sich vom arubaito oder bukatsu Streß des Vortages zu erholen beim entspannten Mittagsschläfchen während der Vorlesung. Überhaupt haben hier bukatsu, arubaito und besonders die Job-Suche (bei Studenten im letzten Jahr) Vorrang vor der Bildung. So zumindest mein Eindruck.

Anyway. Das ganze Fest war sehr nett aufgemacht und es war spaßig sich das mal so aus der Nähe anzusehen. Aber: wenn man zuvor schon mal auf einem “normalen” “Straßen-Matsuri” war, dann weiß man eigentlich schon wie das so ist. Der einzige Unterschied zu einem normalen matsuri ist, dass dieses hier auf dem Campus der Uni stattfindet und das es (unter der Woche) keinen Alkohol gibt. Der Rest ist gleich. Selbst Besucher aus der Umgebung kommen vorbei, um sich das Spektakel anzusehen.

Achja, ich muss nicht extra erwähnen, dass mir jeder und jede was zu essen oder zu trinken andrehen wollte und mich gebeten hat doch unbedingt bei ihrem Stand vorbeizukommen um da was zu kaufen, oder? Nach dem 10. Mal freundlich absagen hatte ich dann allerdings die Schnauze voll und habe nur noch gesagt “Später, später.” und mich taub gestellt. Gott, irgendwann nervt es halt nur noch, auch wenn die Mädels hier noch sexy sind und unglaublich attraktiv aussehen. :-(

Bild des Tages
Bild des Tages vom Uni-Fest, Halloween 2008

Das Fest geht übrigens noch bis Sonntag und ab Samstag verkaufen die hier auch Alkohol. Warum die das am Starttag (Freitag) noch nicht gemacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings gehe ich ganz stark davon aus, dass Logik dabei auch dieses Mal keine Rolle gespielt hat.

So, und hier noch ein paar Bilder, damit ihr einen kleinen Eindruck von dieser Kirmesdiesem daigaku-matsuri bekommt.

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Oktoberfest

Geschrieben am 5. Oktober 2008 in Japan, Nightlife, Veranstaltung, Vorurteile, 女たらし, 暇な時 von Daniel || 1 Kommentar

Gestern, am Samstag, 04. Oktober 2008, war ich mit zwei Freunden in Yokohama verabredet bei traumhaften Herbstwetter.

Aber zunächst habe ich mir mit meiner weiblichen Begleitung China-Town angesehen. Und was soll ich sagen, es war richtig cool. Man kann es nicht gut mit Worten beschreiben, die ganzen chinesischen Restaurants, Straßen voller Menschen, die einem etwas verkaufen möchten, hier und da kleine und große Souvenir-Stände und -Geschäfte, Mode-BoutiquenLäden mit chinesischen Kleidern und Anzügen, aber vor allem viele Fressbuden auf den Straßen. Und natürlich ist der Panda als Symbol Chinas bzw. China-Towns hier allgegenwärtig (oder einfach nur weil es sich gut verkauft).

Danach sind wir durch den Yamashita-Park (山下公園), der direkt am Meer liegt, geschlendert. Hier haben wir uns die Vorstellung eines Straßenkünstlers angesehen, der durch seine wirklich bezaubernde und lustige Art eine Traube von gut 100 bis 120 Menschen (grob geschätzt) angelockt hatte. Er vollführte einige kleinere Zaubertricks und Dinge mit einem Sportgerät, dessen Namen ich nicht kenne. (Zwei Stäbe verbunden mit einem Seil, mit dem man so eine Rolle hin und her kreisen und werfen kann. Scheiß Erklärung, ich weiß. Wie heißt dieses Teil?) Danach jonglierte er noch mit Fackeln und ein Mann aus dem Publikum musste ihm auf Kommando eine davon zuwerfen. War ganz lustig. Der Höhepunkt der Vorstellung war dann aber der Abschluss. Auf einem (mind.) 2 Meter hohen Einrad jonglierte er nicht nur mit 3 Fackeln, nein er tauschte dann im Verlauf der Demonstration eine Fackel gegen einen Apfel und eine zweite gegen eine Machetee. Von dem Apfel bis er immer wieder was ab bis er kurz vor Ende das Abgebissene wieder ausspuckte und den restlichen Apfel mit der Machetee aufspießte. Sehr schöne Vorstellung und charmante Darstellung, die uns 500 Yen wert war. Er kniete sich nämlich am Ende mit einer Handtasche vor sich auf dem Boden und bat um eine kleine Spende, wenn es denn gefallen hatte. Natürlich, also haben wir gerne gespendet.

Nach dieser 20minutigen Unterbrechung ging es auch direkt weiter zum Platz, wo das Oktoberfest statt fand. Gegen 16 Uhr waren wir am Eingang, vor der sich eine kleine Schlange gebildet hatte (ja, richtig gelesen, klein bzw. kurz und es ging relativ zügig. Hatte ich nicht erwartet.). Der Eintritt zum Festplatz lag bei umgerechnet 1,33 Euro, was ja noch günstig ist. Was allerdings scheiße teuer war, war das Bier. Egal ob Weizen, Pils, Flensburger Dunkel oder eine Maß, die Preise lagen alle bei umgerechnet 8 bis 10 Euro. Und für die Gläser musste man, je nach Bier, auch noch einmal 1000 bis 2000 Yen Pfand hinlegen. Alles im allem ein teurer Spaß, aber hey, ich bin ja nicht nur hier um mich dumm und dämlich zu studieren, sondern auch um das Leben zu genießen.

Während wir also auf meine Studien-Freunde warteten, gönnten wir uns schon einmal das erste Weizen und beobachteten, nachdem wir endlich einen Sitzplatz ergattern konnten, die anderen Gäste. Es waren viele Amerikaner zu gegen, aber auch einige Deutsche und auch sonst war es sehr international, obwohl natürlich die Mehrheit der Gäste Japaner waren. Die Maus war übrigens auch zu gegen, mit einem extra Fan-Artikel-Stand. Mit halbstündiger Verspätung trafen dann mein deutscher Studien-Freund nebst japanischer Freundin ein, während meine Begleitung gerade Schlange stand für Bier-Nachschub. Nach kurzem Plausch und Begrüßung versuchte ich sie zu finden, um ihr tragen zu helfen, aber wegen der Menschenmasse war das naturgemäß eine Herausforderung. Natürlich ist das Oktoberfest hier bei weitem nicht so riesig wie in München, aber trotzdem war es schon einigermaßen schwierig sie zu lokalisieren. Als wir dann an der Kasse standen, gab es die erste Überraschung: eine Japanische Studentin, die mal für ein Auslandsjahr nach Düsseldorf gekommen war, stand an der Kasse und erkannte mich direkt wieder. Wir plauschten kurz auf Deutsch, was meine Begleitung ein wenig verärgerte, denn sie kann kein Deutsch und dachte, ich würde rumflirten, aber diese Befürchtung konnten wir schnell wieder ausräumen. Mit zwei Maß und einem kleinen Pils ging es dann zurück zu unseren Sitzplätzen und wir unterhielten uns mit unseren Freunden über Gott und die Welt, aber auch über Japan, Beziehungen und das Studium.

Überrascht hat mich übrigens, dass viele der Japaner, die hinter den Theken und Tresen neben und mit Deutschen arbeiteten, Deutsch sprechen oder zumindest verstehen konnte. Meine Bestellung von zwei Weißbier und zwei Bretzeln im perfekten Hochdeutsch konnte die mir unbekannte, aber durchaus sympathische-sexy japanische Studentin hinter dem Tresen ohne Probleme verstehen und ausführen. :-) Apropos Deutsche Bierzapfer: die Biermarke Spaten der gleichnamigen Brauerei war mir bis dahin nicht bekannt. Öfter mal was neues ist ja auch ganz nett, wobei deren Maß-Bier allerdings nicht der Burner ist. Da habe ich schon besseres (u. a. auch japanisches) Bier getrunken.

So gegen 19 Uhr kündigte sich dann ein weiterer Studien-Freund mit japanischer Freundin an, aber sie müssen unterwegs gekidnappt worden sein, denn sie tauchten bis Redaktionsschluß bzw. bis zum Ende des Abends, der bei PUNKT 21 Uhr lag, nicht auf. In der Zeit bis zum Ende haben wir uns allerdings noch gut vergnügt und amüsiert, mit Bratwürstchen und Sauerkraut sowie Brezeln und noch mehr Maß Bier. Auf der Programmbühne im großen Festzelt durften wir uns, während wir in der Schlange für den Bierstand einreihten und warteten, dann noch die Talbach Buam anhören und -sehen. Meine Begleitung war ganz begeistert, weil sie deutsche Trachtenmode und Lederhosen wohl bisher nur aus japanischen TV-Dokus oder Zeitschriften kannte. Ich fands allerdings, äh, gewöhnungsbedürftig. Bin halt Westfale und kein Bayer. Das war so gegen 19:30 Uhr, denke ich, und die ganzen sternhagelvollen Japaner sowie strunzbesoffenen Ausländer fingen an auf den Tischen zu tanzen und eine Polonaise kreuz und quer durchs Festzelt zu veranstalten. War so schon wirklich lustig anzusehen, wie so hackestramme Japaner plötzlich lautstark “Ein Prosit der Gemütlichkeit” versuchen mitzugröhlen. Noch geiler war allerdings der japanische Ordner, der draußen vor dem Festzelt versuchte die besoffenen Amis vom Auf-dem-Tischen-Tanzen abzuhalten. Er war zwar erfolgreich, aber besonders glücklich wirkte er nicht. Der gute war wohl überfordert mit dem Temperament der gaijin (japanisch für Ausländer) und ich denke, die Ordner waren so mit die einzigen, die richtig froh darüber waren, dass der ganze Spuk um Punkt 21 Uhr ein Ende hatte.

Das ist hier übrigens die Standardzeit für ein Fest-Ende. Um 21 Uhr gehen die Lichter und die Musik aus und alle gehen nach Hause. Natürlich wird vorher noch Aufgeräumt und Sauber gemacht, so weit wie möglich, aber 21 Uhr ist Schicht im Schacht. Da werden die Bürgersteige hoch geklappt. Da hängt auch der Papst sein Kettenhemd zurück in den Schrank. Ich bin mir noch nicht sicher, aber so ganz gut finde ich das nicht. Aber ändern wird sich das wohl kaum, Hauptgrund für das frühe Ende ist nämlich, dass die meisten Leute mit dem Zug nach Hause müssen und natürlich den letzten möglichen Zug gegen Mitternacht gerne vermeiden wollen. Warum? Schonmal versucht mehr Sardinen in eine Büchse zu stecken, als eigentlich vorgesehen. Das passiert durchaus regelmäßig beim letzten Zug (zugegeben, es hängt von der Strecke und Linie ab, aber im Groben und Ganzen stimmt es).

Das ganze geht noch bis zum 13. Oktober in Yokohama, aber auch in anderen Städten in Japan findet der lokale Ableger des urdeutschen (bzw. bayrischen) Bier-Festes statt.

Übrigens, als ich im August in Sapporo unterwegs war, da gabs auch ein Mini-Mini-Oktoberfestzelt, direkt unter dem Sapporo-Turm im Herz der Stadt. Das Weizen da war schon ordentlich, aber natürlich im falschen Glas serviert. Japaner haben halt nicht besonders viel Ahnung von den Details deutscher Bierkultur, aber sie lieben sie und geben sich alle Mühe, was sie doch irgendwie sympathisch macht. :-)

Herbstsemester

Geschrieben am 26. September 2008 in Japan, Veranstaltung, 大学, 日記 von Daniel || Keine Kommentare

Sonntag, 21. September 2008

Mein Geburtstag. Nur soviel: es war ein toller Tag zu zweit, trotz Kopfschmerzen, mit mehreren wahnsinnig geilen Geschenken. :-)

Montag, 22. September 2008

Das Herbstsemester fängt endlich an. Und die Testergebnisse hängen aus. Bin in Gruppe A und zwar in allen Kursen. Schön. War auch nur kurz in der Uni, denn heute hatte ich nur in der 4. Stunde Unterricht. Den kotz-langweiligen Unterricht in der 3. Stunde (応用日本語), der von dieser alten langweiligen und langsamen Dame gegeben wird, hatte ich nämlich gekickt. Hat mir sowieso nicht viel gebracht.

Im Büro wurde ich dann von Kurihara eindringlichst gebeten mir doch noch ein, zwei Unterrichtsstunden Japanischunterricht mehr für meinen Stundenplan rauszusuchen.
“Warum?”
“Äh, ja, weil du bist der einzige Student, der weniger Stunden im Herbstsemester hat als im Frühlingssemester. Außerdem BLA und FASEL.”
“Aha. Nö.”
“Aber z. B. 留学生生活 könntest du doch noch …”
NEIN! NIEMALS!
“Hmm, aber alle anderen Austauschstudenten haben das auch belegt. Du bist der einzige, der …”
“Ist mir egal. Scheiße langweiliger Unterricht ist nun einmal scheiße langweilig. Es bringt mich nicht weiter und ist reine Zeitverschwendung!”
(langsam verzweifelt) “Bedenke aber, dass Studenten, die 留学生生活 nicht belegen, auch nicht an den Aktivitäten, die dort angeboten werden, teilnehmen dürfen!”
“Oh, ist dem so? Da fange ich ja gleich an zu weinen.Ist mir egal. ”
“*Resignation* Ok, dann geh bitte am Mittwoch zu Nohara-sensei und frag ihn, ob dein Stundenplan so in Ordnung geht.”
“Ok, mache ich.”

So in der Art lief das Gespräch ab, übrigens in ganz freundlichem und normalem Ton, bevor hier wer auf dumme Gedanken kommt. Ich habe das ganze hier natürlich etwas paraphrasiert wiedergegeben.

Was ich übrigens erst gemerkt habe, als ich schon laut raus posaunt hatte (also das ich den 留学生生活-Unterricht hasse) war, dass Kondo-sensei, der Dozent für 留学生生活, am Kopierer stand und Zettel kopierte. Aber es ist ja nicht so, dass er meine wahren Gefühle über seinen abgrundtief bescheuerten 留学生生活-Unterricht nicht schon aus meinem Verhalten in eben jenem Unterricht während des Frühlingssemester hätte herleiten können. So, shit happens. Whatever.

Mittwoch, 24. September 2008

Morgens in der 1. Stunde Englisch für Anfänger. Man hatte mich vorgewarnt, dass sei zu einfach. Ich wollte nicht hören, muss halt alles selbst überprüfen. Es war leider wirklich grotten einfach. Danach Japanisch-Unterricht. In der Mittagspause dann ab zu meinem Advisor, Nohara-sensei.

Nohara-sensei hatte mich auch bereits erwartet und begrüßte mich entsprechend. Bevor wir dann zum eigentlichen Thema, meinem Stundenplan fürs Herbstsemester, kamen, sprachen wir noch ein bisschen über meine Sommerferien und wo ich überall so gewesen bin und was ich so erlebt habe.

Dann ging es endlich um den Stundenplan und natürlich wiederholte er all die Dinge, die mir Kurihara am Montag schon vorgehalten hatte, noch einmal. Er hatte auch zufälligerweise eine Email von ihr vor sich liegen, in dem sie wohl all ihre Punkte nochmal en Detail aufgeschrieben und ihm zugemailt hatte. Also erklärte ich ihm die Situation um 留学生生活 auch noch einmal und zwar in aller Deutlichkeit. Er hatte sogar Verständnis für meine Entscheidung nicht mehr an diesem Mist teilnehmen zu wollen. Super, wäre das geklärt. War nur noch die Forderung offen mehr japanisch-sprachige Seminare in den Stundenplan einzubauen.

Glücklicherweise ist zeitgleich zum Assi-Englisch, ja das aus der 1. Stunde, ein Kurs auf japanisch, den ich im Frühlingssemester schon gebucht hatte. Ich hatte den jetzt nur rausgeworfen, weil ich den Kurs auch relativ langweilig fand. Naja, aber besser als diese langweilige Englisch würde es allemal sein. Also schlug ich Nohara-sensei den Kurs als Alternative vor. Zusätzlich fragte ich hin, ob ich seine Vorlesung über deutsche Kinderbuch-Literatur belegen könnte. Alles kein Problem, er hat das auch gleich eingesehen und mir meinen Herbstsemester-Stundenplan dann so genehmigt.

Ein Kurs zusätzlich, bei einem vertrautem Dozenten. Ein Kurs getauscht. Kein 留学生生活. Schon schön so. Herz, was willst du mehr? Achja, endlich wieder 100% fit und gesund sein ohne dauerhafte Kopfschmerzen, dass wäre richtig klasse. Aber man kann ja nicht immer alles auf einmal haben, gell?

Donnerstag, 25. September 2008

War heute in der Mittagspause mal beim Arzt hier im 保健センター, also in der Krankenstation der Uni (ja, sowas gibts an japanischen Unis). Und zu meinem Glück war sogar ein Arzt da, der kommt nämlich leider nur einmal die Woche in die Uni. An allen anderen Tagen muss man sich auf die Krankenschwestern da verlassen.

Also erstmal allgemeine Daten aufgenommen, Fieber gemessen (ich habe kein FIEBER, ich habe KOPFSCHMERZEN!), Blutdruck angesehen und dann kurz mit dem Doc parliert. In einem japanisch-englisch Gemisch. Oh, und er konnte Deutsch. 1 Wort. “Kopfschmerz”. Nach einer 15minütigen Unterhaltung mit kurzem Oberkörper abhören hat er mir dann ein paar starke Pillen, die normalerweise verschreibungspflichtig sind, gegen die Kopppine gegeben und ich durfte wieder gehen. Zusatzinfo: die Untersuchung und die Medikamente sind hier für Angestellte, Dozenten und Studierende kostenfrei, soweit ich informiert bin. :-)

Na hoffentlich hilft es. Falls es aber nicht besser werden sollte, solle ich doch noch mal nächste Woche vorbei schauen. “Sie sind der Doc, Doc.

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